Wertheim

Leserbrief Zu „Ortschaften zu wenig berücksichtigt“ (FN, 18. Dezember)

Alle möglichen Vorschläge abgetan

Archivartikel

In der Ausgabe vom 18. Dezember wird ausführlich über den Haushalt 2020 berichtet. Unter anderem kommt für die „ Freien Bürger“ Songrit Breuninger (ehemalige Ortschaftsrätin Bettingen) mit der Idee zu Wort, dass eine „schnelle Lösung“ für das Bettinger Verkehrsproblem gefunden werden müsse.

Zitat: Man müsse „schnellstens eine Lösung finden, bevor uns die Blechlawine überrollt“. Im ersten Moment musste ich mir die Augen reiben, denn ich konnte nicht glauben, dass die ehemalige Ortschaftsrätin so schnell vergessen hat, was ihr die Bürger immer und immer wieder anlässlich Ortschaftsratssitzungen, persönlichen Gesprächen oder auch durch Leserbriefe in den Zeitungen mitgeteilt hatten. Bettingen ist Durchgangsstraße für den Verkehr nach und von Marktheidenfeld, in das Industriegebiet Obere Grüben wie auch zum Almosenberg.

Die Hauptstraße ist die Hauptverkehrsader, der Homburger Weg, (statt Tempo-30-Zone), die Bettinger Rennpiste. Alle Vorschläge zur möglichen Änderung wurden von der Rätin abgetan, verniedlicht und letztendlich negiert. Erst der ehemalige Oberbürgermeister Mikulicz engagierte sich und brachte den ortsansässigen Spediteur auf die Idee mit seinen 40-Tonnen-Lkw die Umgehungsstraße zu nutzen.

2017 wurde das Thema wieder diskutiert, die FN berichteten darüber und auch die Naturschutzgruppe unteres Aalbachtal engagierte sich zum Thema. Das allgemeine Problem blieb, die Rätin schwieg und verwies auf die Zuständigkeit der Stadt beziehungsweise das Landes Baden-Württemberg als zuständig für die Landesstraßen. Mit der Zeit resignierten die Bettinger, der unzumutbare Verkehr wird wohl für immer bleiben. Einzige Minimallösung war die komplette Absperrung der Ortschaft an den verkaufsoffenen Sonntagen des FOC.

Nun als frisch gewählte Fraktionsvorsitzende der „Freien Bürger“ kehrt das Erinnerungsvermögen zurück. Da war doch noch was in Bettingen, mit dem man in neuer Aufgabe vielleicht punkten kann. Ja richtig, in Bettingen rollt „die Blechlawine“ durchs Dorf. Das passt zum derzeitigen Zeitgeist, das ist Verkehrspolitik, das ist Mainstream und schon ist das Thema gesetzt. Da kann man doch etwas verhindern oder gar verbieten, nein da muss ein schnelles Verkehrskonzept her, was eigentlich doch allen längst bekannt ist. Bisher konnte man diesen Politikstil in der Bundeshauptstadt verorten. Dass er nun auch in Wertheim angekommen ist, ist erschreckend.

Politiker, hört auf die Anliegen eurer Bürger und lasst die Profilierung auf ihre Kosten sein. Ja, Bettingen braucht dringend ein Verkehrskonzept, was den Almosenberg, den Autohof und die Autobahnanbindung mit einbezieht.

Wolfram Entzeroth, Bettingen

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