Wertheim

Am Amtsgericht verhandelt Rentner hatte Schaden bemerkt und fuhr trotzdem weiter / Anwalt äußerte Zweifel am Gutachten und der festgestellten Schadenshöhe

89-Jähriger muss wegen Unfallflucht 1600 Euro Buße zahlen

Archivartikel

Wertheim.Beim Zurücksetzen mit dem Auto stieß im November ein Rentner in der Straße Am Reinhardshof im Wertheimer Stadtteil Wartberg gegen die Beifahrertür eines Mercedes. Obwohl dabei ein Schaden entstanden war, fuhr der Mann davon, ohne dass seine Personalien festgestellt waren. Mit Hilfe von Zeugenaussagen und Spuren machte ihn die Polizei ausfindig.

Wegen unerlaubtem Entfernen vom Unfallort erhielt der Witwer aus Wertheim einen Strafbefehl, laut Verteidiger über 1600 Euro.

Dagegen legte er Einspruch ein, allerdings beschränkt auf die Höhe der Strafe. So war jetzt beim Amtsgericht Wertheim der Vorwurf eingeräumt.

Der Angeklagte war für einen Arztbesuch auf dem Wartberg. Als später das Sachverständigengutachten eine Schadenshöhe von fast 3000 Euro nannte, erging der Strafbefehl (schriftliche Verfahrensabwicklung).

Alles aufgeschrieben

Am 29. April musste der Rentner den Führerschein abgeben. In der Verhandlung bezeichnete der Verteidiger das Gutachten als falsch, der Sachverständige habe wohl alles aufgeschrieben, was man angeben konnte, unabhängig von der Verursachung. Sein Mandant habe nach dem Aussteigen das andere Auto begutachtet und nur den auf Fotos sichtbaren unteren Kratzer verursacht. Der Staatsanwalt sprach von einer „gewissen Problematik“.

Im Landgerichtsbezirk Mosbach sind die Grenzen bei Unfallflucht derzeit so festgelegt: ab 1200 Euro Fremdschaden Fahrverbot, ab 2000 Euro Entzug der Fahrerlaubnis.

Der Anwalt überzeugte schließlich den Staatsanwalt, auf eine Bestrafung des mittlerweile 89-Jährigen zu verzichten und einer Verfahrenseinstellung gegen eine Geldbuße von 1600 Euro zuzustimmen.

Die Richterin hatte keine Bedenken.

Da der Führerschein des Rentners seit etwa sechs Wochen einbehalten war, stand der Einstellung des Verfahrens nichts mehr im Weg. Der Mann erhielt das Dokument zurück. Auf Anregung des Verteidigers geht die Buße an die Stiftung Deutsche Hilfe Denkmalschutz, „Verwendungszweck Wertheim“. Die zwei Punkte im Flensburger Fahrereignungsregister entfallen. goe

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