Wertheim

Klinik geprellt

18 Monate Haft für Betrüger

Archivartikel

Wertheim.Ein gebürtiger Wismarer ließ sich vom 10. bis 12. August 2019 unter falschem Namen und Wohnort in der Rotkreuzklinik Wertheim behandeln und trat dabei als zahlungskräftiger und -williger Patient auf. Als er die Klinik verließ, nahm er den Laptop, die Geldbörse und Zigaretten des Zimmerkollegen mit. Die rechnung der Klinik wurde auch nicht beglichen. Der Schaden der Klinik beträgt 1470 Euro, der weitere 622 Euro.

Das Amtsgericht Wertheim verurteilte jetzt den 41-jährigen Mann wegen Betrugs und Diebstahls, beides in besonders schwerem Fall wegen Gewerbsmäßigkeit, zur Haftstrafe von 18 Monaten. Angesichts von 24 Vorverurteilungen sah selbst der Pflichtverteidiger aus Nürnberg keine Möglichkeit mehr für eine Bewährungsstrafe.

Der erste Eintrag im Strafregister des Angeklagten ist auf das Jahr 1998 datiert. Damals verhängte das Amtsgericht Heilbronn gegen den 14-Jährigen eine Jugendstrafe von 16 Monaten wegen mehrfacher Diebstähle. Nach der Entlassung aus der Jugendstrafanstalt ging es mit Diebstählen, Verurteilungen und Gefängnisaufenthalten immer weiter. Ab dem Jahr 2010 kamen Betrug, Unterschlagung, Urkundenfälschung und Betrug im Internet dazu. Die Strafhöhen reichen von zwei Monaten bis fünfeinhalb Jahre.

Im April 2019 wurde der Beschuldigte in Lübeck aus der Haft entlassen, ein Strafrest wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Doch das schreckte den Mann nicht ab, sich in den Krankenhäusern in Hanau, Aschaffenburg, Wertheim, Würzburg und Bamberg „einzumieten“. Das Strafverfahren in Wertheim wird demzufolge nicht das letzte sein.

Im Laufe seiner 22-jährigen kriminellen Karriere verwendete der Angeklagte laut gericht über 20 Alias-Namen.

Zur Zeit sitzt er in der Justizvollzugsanstalt Nürnberg ein, wurde von dort zur Verhandlung nach Wertheim gebracht und legte ein Geständnis ab.

Als markanten und prägenden Punkt wurde bei Gericht die in der Kindheit erfolgte Adoption herausgearbeitet. Der Kontakt zu den Angehörigen ist abgebrochen.

Der Verteidiger bezweifelte, dass der Mandant den Willen besitzt, sein Leben zu ändern um keine weiteren Haftstrafen antreten zu müssen.

Das Gericht bezeichnete den Mann als „nicht dumm“, er habe Durchhaltevermögen bewiesen (Realschulabschluss, Maurerlehre) und verbreite einen netten Eindruck. Das Urteil ist rechtskräftig. goe

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