Werbach

Zeitgeschehen Ausstellung „California Dreams“ in der Bonner Bundeskunsthalle zeigt kostbareres Dokument aus der Ortsgeschichte

Wertvoller Toramantel aus Wenkheim

Ein besonderes Zeitdokument, ein Toramantel aus den Jahren 1785/86, von jüdischen Wenkheimer Auswanderern ist derzeit in der Bundeskunsthalle in Bonn zu sehen.

Wenkheim/Bonn. Ein besonders wertvoller und kostbarer Toramantel, der von jüdischen Auswanderern aus Wenkheim einst nach San Francisco mitgebracht worden war, ist in Bonn in der Ausstellung „California Dreams: San Francisco – Ein Porträt““ in der Bundeskunsthalle zu sehen. Die Ausstellung dauert noch bis zum Sonntag, 12. Januar.

Auf das besondere Präsentationsobjekt machte Korina Dörr, die seit 28 Jahren in Bonn lebt, die FN aufmerksam und stellte auch das Foto zur Verfügung: „Als gebürtige Gissigheimerin hat es mich bewegt, auf solch ein Zeugnis aus meiner Heimat in dieser sehr feinen Ausstellung zu stoßen.“ Der Toramantel dokumentiere zum einen die Wege und den Mut der Bürger aus dem Taubertal, ihr Glück in der neuen Welt zu suchen, und zum anderen zeige dies gleichzeitig das reiche jüdische Leben, das es einmal in Wenkheim gab.

Dass es sich bei dem Toramantel aus Wenkheim in der Tat um ein außergewöhnliches Dokument und Zeitzeugnis handelt, macht die Legende zum Ausstellungsstück in der Bonner Präsentation deutlich. Hier ist Folgendes zu lesen: „Wenkheim (Werbach), Baden-Württemberg, 1785–86, Baumwolle, Metall, Seide, Leinen, Metallfaden, Holz, Papier,

National Museum of American History, Washington, DC.

Der kostbare seidene Toramantel wurde von deutschen jüdischen Einwanderern aus Wenkheim (Baden-Württemberg) während des Goldrausches mit nach San Francisco gebracht. Der reich verzierte Stoff wurde der 1850 in San Francisco eröffneten Emanu-El (hebräisch für „Gott ist mit uns“) Synagoge gestiftet, der ersten Synagoge San Franciscos. In ihn wurde die Torarolle eingeschlagen, eine handgeschriebene Pergamentrolle mit dem hebräischen Text der fünf Bücher Mose. San Francisco galt damals als vorurteilsfreier gegenüber Juden und Katholiken als die Städte an der amerikanischen Ostküste.“

Wie Henriette Pleiger, eine der Kuratorinnen der Ausstellung „California Dreams“ auf Nachfrage der FN mitteilte, sei leider der Name der jüdischen Auswanderer aus Wenkheim nicht bekannt.

Vielfältiges Porträt

Die Ausstellung in der Bundeskunsthalle in Bonn ein vielfältiges Porträt der Stadt San Francisco über vier Jahrhunderte. Sie berührt wichtige globale Fragen der Gegenwart, besonders die Themen Migration und Vertreibung, und würdigt San Francisco als einen Ort, dessen pluralistische Identität bis heute stetig neu verhandelt wird.

In drei Abschnitten widmet sich die Ausstellung den Träumen und Realitäten der Menschen in der San Francisco Bay Area in Vergangenheit und Gegenwart, heißt es weiter auf der Homepage der Kunsthalle.

Kalifornien und speziell San Francisco stehen als Sehnsuchtsorte seit jeher für die Träume von einem „besseren Leben“: Träume von Wohlstand und Überfluss, von anderen (zuweilen utopischen) Gesellschaftsordnungen, innovativen Lebensentwürfen, kreativen künstlerischen Perspektiven und neuen technologischen Horizonten. Sowohl der pazifisch-asiatische Raum im Westen als auch Europa im Osten haben San Francisco nachhaltig geprägt.

Immer wieder gingen von San Francisco weltweite Impulse aus: vom Goldrausch im 19. Jahrhundert bis hin zu den großen sozialen und politischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts. Heute bildet Silicon Valley einen erneuten globalen Anziehungspunkt in der San Francisco Bay Area, wie es weiter zur Ausstellung heißt.