Werbach

Gedenkstätte Synagoge Wenkheim Trickfilm der Scherenschnittkünstlerin Lotte Reiniger vorgestellt

Pioniertat sowie sehenswertes Kleinod ersten Ranges

Archivartikel

Wenkheim.In der Gedenkstätte Synagoge Wenkheim fand am Montag unter Beachtung der aktuellen Einschränkungen wegen Corona eine interessante öffentliche Veranstaltung statt. Vorgestellt wurde eine filmhistorische Besonderheit der Scherenschnittkünstlerin Lotte Reiniger.

Mit „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“, produzierte sie in dreijähriger Arbeit den ersten abendfüllenden Trickfilm der Filmgeschichte. Veröffentlicht im Jahr 1926, ist er eine Pioniertat noch vor der späteren marktbeherrschenden Trickfilmproduktion der Disney-Studios. Als Stummfilm, unterlegt mit Zwischentiteln und Musikuntermalung, geriet das Werk unmittelbar in eine unaufhaltbare Konkurrenz mit der raschen Entwicklung des Tonfilms.

Filigrane Gestaltung

Als Kunstwerk ist Reinigers Film ein Kleinod ersten Ranges. Das liegt an der filigranen Gestalt der Scherenschnittfiguren, die im Rahmen des märchenhaften Filminhalts sowohl Charme und Eleganz, als auch dramatische Wildheit Illustrieren.

In einem kurzweiligen und informativen Vorspann erläuterte Gunter Schmidt stilistische Elemente der Silhouettenkunst als auch die diffizile Technik der Trickfilmherstellung. 24 Einzelbilder pro Sekunde sind notwendig, damit die Reihe der „Kamera-Shots“ die Illusion einer geschmeidigen Bewegung erzeugt.

Lotte Reiniger hatte an geeigneten Punkten Gelenke in ihre Schattenfiguren gestanzt. Auf einer von unten hinterleuchteten Glasplatte wurden die Segmente Phase für Phase bewegt und sozusagen filmtauglich animiert. Nicht nur technisch, sondern auch künstlerisch ist das Ergebnis erstaunlich, zumal die Kulisse der schwarzen Figuren durch Hintergrundeffekte ergänzt wird.

Der Filmabend ist in dieser Saison nicht die letzte öffentliche Veranstaltung in der Gedenkstätte Wenkheim. Sofern die Verhältnisse es erlauben, gibt es am 18. Oktober einen Vortrag von Dr. Christina Bähne zu „Simchat Thora“, dem jüdischen Fest der Gesetzesfreude. Am 11. November bildet der Auftritt des „Duos Adafina“ einen musikalischen Abschluss des Jahresprogramms.