Werbach

Ahnenforschung Pfarrer verfolgte Stammbäume nach / Ursprung des eigenen Namens im Gasthof „Zum Grünen Baum“ gefunden

Name „Steger“ ist heute noch verbreitet

Archivartikel

Der Name Steger war in Wenkheim einst so zahlreich wie Schmidt oder Seubert. Unser Autor wirft einen Blick auf seine Historie.

Wenkheim. Der Familienname Steger kommt heute in der Welzbachtalgemeinde nur noch vereinzelt vor. Ende des 19. und Anfang des 20 Jahrhunderts war dies jedoch anders. Kinderreiche Steger-Familien sorgten dafür, dass der Name ebenso stark vertreten war wie zum Beispiel Schmidt, Seubert, Kneucker und Thoma.

Berühmtester Spross aus den zahlreichen Stegerlinien ist Pfarrer Johann Steger (Bild) geboren 1887 in Wenkheim, dort 1913 ordiniert und 1952 gestorben in Dossenheim bei Heidelberg, seiner letzten Pfarrstelle. Viele Jahre war er auch Geistlicher in Nassig. Dort heiratete er 1922 seine Frau Johanna Zimmermann, die aus Waldenhausen bei Wertheim stammte. Als junger Pfarrer hatte er bei seinen Heimaturlauben in Wenkheim Einblick in die Geburts- Tauf- und Sterberegister der beiden Kirchengemeinden nehmen dürfen. Das faszinierte und veranlasste ihn, die in alter Schrift gemachten Eintragungen in Druckschrift niederzuschreiben, zu ordnen und zu katalogisieren. 1929 erschien dann das komplette Werk „Quellenbüchlein zur Kirchen- und Familiengeschichte des Dorfes und Marktfleckens Wenkheim“. Niemand konnte damals ahnen, dass Ahnenforschung nach den Rassegesetzen der Nationalsozialisten ab 1935 so an Bedeutung gewinnen würde. Das Quellenbüchlein war zum Nachweis eine große Hilfe.

„Alle stammen sie von Märten ab“

Der Pfarrer stellte bei seinen Registereinblicken und Forschungen fest, dass alle Wenkheimer mit dem Namen Steger von einem Märten (Martin) Steger abstammen, der von 1627 bis 1669 lebte, vorher gab es keine schriftlichen Aufzeichnungen. Der Name der Ehefrau von Märten und der Hochzeitstermin konnte dabei nicht gefunden werden. Der Gasthof „Zum Grünen Baum“ in der Hindenburgstraße ist schon über mehrere Generationen der Stammsitz der Stegers.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts waren gleich vier Wirte mit dem Namen Kilian hintereinander die Chefs (1778-1862), (1807-1892), (1838-1920) und (1865-1931). Dann heiratete die Tochter Luise 1932 einen Albert Scherer aus Bobstadt und betrieb das Gasthaus weiter. Später übernahm es Ernst Scherer mit seiner Frau Elfriede.

All diese Steger-Familien waren über 120 Jahre lang sehr kinderreich, so dass sich über die Söhne der Name rasch vervielfachte und die Töchter „Stegerblut“ in andere Familiennamen fließen ließen. So gab es dann ab circa 1870 über zehn Familien, die nachweislich aus dem Gasthof „Zum Grünen Baum“ kamen und selbst wieder viele Kinder in die Welt setzten. Als herausragende Person gilt Andreas Steger, geboren 1866, gestorben 1944. Er war zweimal verheiratet und hatte aus beiden Ehen zusammen eine zweistellige Kinderzahl.

Ein großer Kinderreichtum

Aufgrund des großen Kinderreichtums Mitte des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts blieb es nicht aus, dass mehrere Stegers in die umliegenden Dörfer heirateten. Dazu kam, dass eine gewaltige Auswanderungswelle ab Mitte des 19. Jahrhunderts nach Nordamerika und Australien stattfand. Der fünfte Kontinent war beliebtes Ausreiseziel der Stegers aus Wenkheim. 1852 wandert Katharina Steger mit ihrem frischgebackenen Ehemann Peter Flegler aus Niklashausen nach Toowoomba in Queensland aus. Beide betreiben dort eine Farm. Ihr Bruder Johann Karl, verheiratet mit Barbara Stapf aus Kembach, folgte ihr Jahre später auf eine Farm und hatte insgesamt elf Kinder. 1881 folgte der andere Bruder Johann mit Ehefrau Anna Barbara (geborene Oppmann) und den vier Kindern ebenfalls nach Australien nach. 2018 waren Nachkommen in Wenkheim, um die Heimat ihrer Urgroßeltern zu besuchen. Auch aus anderen Familien berichtet das „Quellenbüchlein“ über zahlreiche Auswanderungen von Wenkheim nach Australien.

Es fällt auf, dass von den Stegers, die früher in die Nachbarorte geheiratet hatten, Kinder oder Enkel wieder zurück nach Wenkheim geheiratet haben. Heute leben noch circa 15 Personen mit dem Namen Steger in Wenkheim, die Hälfte davon ist angeheiratet. Verfolgt man die Geschichte der Stegers bis zum Dreißigjährigen Krieg zurück, wird man feststellen, dass ein Großteil der heute lebenden rund 400 evangelischen Einwohner früher oder später von Stegers abstammt.

Irgendwelche Groß-, Urgroß- oder Ururgroßeltern mit Stegeranteilen gibt es in fast jedem Stammbaum.