Werbach

Werbacher Goaggerli Fastnachtsgesellschaft überzeugte mit ihren beiden gelungenen Prunksitzungen das Publikum

„Hühnerhaufen“ brachte Halle zum Beben

Das darf man auf keinen Fall verpennen: „Gackern zur Fastnacht wieder lauthals die Hennen, sieht man die Werbacher geballt zur Tauberhalle rennen.“

Werbach. Das vertraute Bild, das sich als eine Art Motto seit Jahren in schöner Regelmäßigkeit wiederholt, war am Wochenende wieder geboten, als die Fastnachtsgesellschaft Werbacher Goaggerli ihre weithin geschätzten Prunksitzungen ausrichtete. Zweimal verbreiteten die Narren nicht nur gute Laune, sondern gar beste Stimmung in der am Freitag ordentlich besetzten und am Samstagabend dann gar übervollen Tauberhalle. Insgesamt über 600 durchweg begeisterte Besucher drückten ihre sichtliche Zufriedenheit mit dem jeweils gut viereinhalbstündigen Programm mit stürmischem Szenenapplaus und vor allem wilden „Zugabe“-Rufen aus.

Die Werbacher Fastnachter bieten gleich mehrere Besonderheiten: Nicht nur, dass statt eines Elferrates lediglich ein fünfköpfiges Gremium amtiert und nicht etwa ein mondänes Prinzenpaar huldvoll seine Untertanen regiert. Der entscheidende Punkt besteht darin, dass man in der kleinen Kommune ausschließlich auf Kräfte aus den eigenen Reihen baut.

Rund 90 einheimische Akteure sorgten bei den beiden Sitzungen mit einer langen Latte von flotten Sprüchen und wirbelnden Tanzdarbietungen für in jeder Hinsicht überzeugende närrische Unterhaltung. Nicht zu vergessen sind auch die zahlreichen Helfer hinter den Kulissen.

Kein Wunder somit, dass sich bei passender musikalischer Umrahmung durch das Duo „Doppelpack“ (Thomas und Andy Hemming aus Bad Mergentheim) Präsident Charly Höfling stolz auf „seine“ Truppe zeigte, als er später bei der Ordensverleihung die große Unterstützung von allen Seiten würdigte.

Zuvor hatte sich der moderierende Chef des „Hühnerhaufens“ nach dem Einmarsch und dem Tanz der Blauen Garde (Trainerin: Katharina Liebers) wie gewohnt fundiert und wortgewaltig dem Weltgeschehen ausführlich gewidmet. Der im 32. Jahr fest die Zügel in der Hand haltende Charly Höfling ließ dabei als eine Art „Protokoller“ die 2019er-Vorgänge detailliert Revue passieren, um dann versöhnlich zu enden: „Denn glücklich ist, wer mal vergisst, was einfach nicht zu ändern ist. Deshalb ihr Narren, gebt fein Acht, Humor ist, wenn ihr trotzdem lacht.“

Mit einem direkt hinterher geschickten dreifachen „Goaggerli Helau“ ging’s danach endgültig in die Vollen. Dabei feierte Silas Förter mit seiner Büttenrede als „Fauler Schüler“ plus nicht fehlenden Seitenhieben zu „Wenke“ eine durchaus gelungene Premiere.

Die erstmals auftretenden „Chicken Queens“ (Elisa Sendelbach und Luisa Förter), ein buntes Team aus „Zugereisten“, boten eine optische Augenweide und durften wie alle Tanzgruppen an beiden Abenden nicht ohne Zugabe von der optimal ausgeleuchteten Bühne. Dann folgte die 19. Ausgabe der stets das lokale Umfeld herrlich glossierenden und von vielen gespannt erwarteten Sendung „Kanal 11 Werbach“. In bewährter Manier warteten dabei zum elften Mal Angela Hopp und Andreas Michel mit diversen „Nachrichten, Schlagzeilen, Gerüchten und Lügen“ auf. Dabei ließ man auch ernste Vorkommnisse wie etwa den allseits zunehmenden Vandalismus – inzwischen auch im beschaulichen Werbach – nicht außen vor.

Mit dem Schautanz „Alice im Wunderland“ überzeugte die Weiße Garde (Melanie Schweder und Jessica Bauer) das Publikum, ehe der mit der Zahl elf ein närrisches Jubiläum feiernde Jan Schlör diesmal als „Liebenswerte Gattin“ seine angeblich „weibliche Seite“ in der Bütt gekonnt zur Geltung brachte.

Spezieller Rat

Mit dem guten Rat nicht nur an die Ehemänner, „Sitzt du beim Bier, so bleib’ dabei; die Alte schimpft um Zehn wie um Zwei“, leitete der Redner über zum zweiten Auftritt des Tanzpaares Hanna Liebers und Lisa Baum. Sie glänzten unter anderem mit Hebefiguren, bevor sich einer trotz ständiger „Niederschläge“ immer wieder aufrappelte. Als unermüdlicher „Boxer“ beschrieb Johannes Rossi die mehr oder weniger erfolgreichen Ringschlachten, regelmäßig sichtlich gestärkt durch den süffigen Inhalt von Bocksbeuteln vom Werbacher „Hirschberg“.

Danach erzitterten die Bühnenbretter unter der geballten Wucht der Männergarde (Regina Geier, Katharina Schlachter und Lisa Baum), die damit den Übergang ermöglichte zum Büttengarant und Christian Freisleben, dem allerdings diesmal als sonstigem Improvisationstalent der rote Faden abhanden kam. Unter dem Titel „Ich versteh’ die Welt nicht mehr“ ging es zu sprunghaft von der Religion über die Schüler und Pubertät bis hin zu US-Präsident Donald Trump. Gut, dass danach die federnden Sprünge beim Schautanz der Blauen Garde (Katharina Liebers) zu „Michael Jackson“ weitaus besser gelangen.

Einen der Höhepunkte der Prunksitzungen bildete der wahre Lachsalven hervorrufende Beitrag von Rüdiger Klebes, der wieder einmal seinen Ruf als Büttenass bestätigte. In bekannt unnachahmlicher Art und Weise feuerte der „Gemeindearbeiter“ einen Gag nach dem anderen ab.

Das Ganze krönte er mit dem Gesang um einen bissigen Hund, der anscheinend die geheimsten Wünsche erfüllte.

Den offensichtlichen Vorstellungen vieler Damen entsprach danach die schwungvolle Darbietung des Männerballetts (Michaela Klebes und Gloria Kraft), das unter der Titulierung „Sister Act“ wahre Verzückungsschreie auslöste, ehe der Tanz der Weißen Garde (Melanie Schweder und Jessica Bauer) zum großen Finale überleitete. Das vereinte alle Mitwirkenden auf der Bühne.

Noch einmal langanhaltenden Beifall gab es aus den geschlossenen Reihen des Auditoriums. Der Applaus mündete schließlich in das aus voller Brust gemeinsam und schmetternd intonierte „Werbacher Lied“.