Werbach

Gemeinderat Trotz des nicht gerade erfreulichen Ergebnisses segnete das Gremium Etat für 2020 ab / Umbau der Werkrealschule in Ganztagsgrundschule größte Maßnahme

Hohe Investitionen in die Zukunft

Archivartikel

Auch der zweite Doppik-Haushalt in Werbach schließt mit einem Minus. Ohne Kreditaufnahme sind die Investitionen im Jahr 2020 von knapp über zwei Millionen Euro nicht zu stemmen.

Werbach. „Das goldene Zeitalter ist vorbei“, konstatierte Albrecht Rudolf in seiner Stellungnahme zum Haushaltsplan für 2020 und traf damit den Nagel auf den Kopf. Nicht nur, dass die beiden ersten Doppik-Haushalte 2019 und 2020 mit einem Minus abschließen, auch in den nächsten Jahren ist keine Besserung in Sicht. „Wir müssen strukturelle Veränderungen vornehmen und Themenfelder ansprechen, die auch schmerzlich sein können“, machten deshalb sowohl Bürgermeister Ottmar Dürr als auch Kämmerer Michael Ank in der Gemeinderatssitzung am Dienstag im Werbacher Rathaus deutlich. „Die Konsolidierung des Haushalts muss oberstes Gebot haben.“

„Die Mehrbelastung des Haushalts durch die Abschreibungen macht es uns nicht möglich, den Haushalt auszugleichen“, nannte Ottmar Dürr die Ursache für das Minus unterm Strich. „Wir müssen einerseits unsere Strukturen anpassen und andererseits die Attraktivität der Kommune gewährleisten, damit sie auch zukunftsfähig ist.“ Ein Spagat, der nicht einfach sein und wohl auch den Griff in die Taschen der Bürger beinhalten wird.

„Zur Haushaltskonsolidierung könnte eine 100-prozentige Kostendeckung bei allen Gebühren in Erwägung gezogen werden“, führte Kämmerer Michael Ank an. Auch die Anhebung der Realsteuerhebesätze, die Prüfung sämtlicher Freiwilligkeitsleistungen auf ihre Notwendigkeit, die Verringerung des bestehenden Anlagevermögens sowie die Generierung neuer Einnahmequellen für den Ergebnishaushalt brachte der Kämmerer ins Spiel.

Vor allem die prognostizierte Schuldenentwicklung lassen die Alarmglocken bei Rathaus-Chef und Kämmerer schrillen. Von derzeit rund 900 000 Euro sollen die Verbindlichkeiten der auf Kommune auf knapp 4,7 Millionen Euro bis Ende 2023 anwachsen. Die jährliche Tilgungsleistung klettert von 159 500 Euro auf 415 00 Euro im Jahr 2023. „Das widerspricht dem Prinzip der integrativen Gerechtigkeit“, sagte Michael Ank. „Ein ausgeglichener Haushalt ist das Gebot der Doppik, um einem Leben auf Kosten künftiger Generationen einen Riegel vorzuschieben.“

Dies wollte Michael Zwingmann nicht unkommentiert stehen lassen: „Wir sorgen mit unseren Investitionen gerade in Bildung und Betreuung sowie mit dem Mehrgenerationenhaus dafür, dass unsere Kinder und Enkelkinder gute Bedingungen und somit eine hohe Lebensqualität in Werbach haben.“

Der größte Posten im Finanzhaushalt mit 1,1 Millionen Euro ist der Umbau der Werkrealschule in Werbach zu einer Ganztagsgrundschule. Weiter stehen 380 000 für das Außengelände des Campus in Werbach sowie 50 000 Euro für den Umbau der Schule zu einem Kindergarten zur Verfügung. Ein weiterer großer Posten sind die Eigenmaßnahmen bei der Wasserversorgung mit 200 000 Euro.

Insgesamt belaufen sich die Ausgaben für die Investitionen auf 2,391 Millionen Euro. Dem stehen lediglich 1,4 Millionen Euro an Einnahmen gegenüber, so dass ein Finanzierungsmittelbedarf von 984 000 Euro entsteht. Allerdings sind bei den Ausgaben 500 000 Euro für eine Beteiligung der Kommune bei Netze BW enthalten. Ob diese zustande kommt, muss der Gemeinderat noch entscheiden.

Das ordentliche Ergebnis des Haushalts 2020 schließt mit einem Minus von 144 380 Euro. Das Gros, rund zwei Drittel, der ordentlichen Erträge in Höhe von 7,861 Millionen Euro resultiert aus Steuern und ähnlichen Abgaben mit 3,161 Millionen Euro sowie Zuweisungen und Zuwendungen von 2,343 Millionen Euro. „Bei der Gewerbesteuer müssen wir eine Einbuße von rund 100 000 Euro durch den Wegzug der Firma Seubert von Wenkheim nach Gerchsheim verkraften“, erläuterte Bürgermeister Ottmar Dürr.

Den Einnahmen stehen Ausgaben von rund 8,005 Millionen Euro gegenüber. Die planmäßigen Abschreibungen belaufen sich auf rund 1,545 Millionen Euro. Die Personalkosten steigen gegenüber dem Vorjahr um knapp 70 000 Euro. Letztendlich weist das ordentliche Ergebnis einschließlich Fehlbetragsabdeckung ein Minus von 144 380 Euro aus.

Obgleich der Haushalt nicht ausgeglichen gestaltet werden konnte, erachteten sowohl Albrecht Rudolf als auch Michael Zwingmann das Zahlenwerk als für in Ordnung. Rudolf schlug vor, den Ortsteilen künftig Budgets für Maßnahmen und Projekte zur Verfügung zu stellen. Zwingmann hingegen meinte: „Wir sollten in jedem Ortsteil kleine Impulse setzen und das Ehrenamt fördern.“ Abschließend gab er Bürgervertretern und Verwaltung mit auf den Weg: „Wir müssen wachsam sein und mit Bedacht investieren.“

Die Mitglieder des Gemeinderats waren durchweg einverstanden mit den vorgestellten Zahlen und stimmten Haushaltsplan und -satzung einmütig zu.

Eine weitere Negativentwicklung kam am Rande der Haushaltberatung zur Sprache. Nach mehr jährigem Wachstum gab es bei den Einwohnerzahlen einen Einbruch. Nachdem sie von 2015 mit 3282 Einwohnern bis Dezember 2018 auf 3320 gestiegen waren, gab es im ersten Halbjahr 2019 eine Reduzierung auf 3285.

Keinerlei Einwände hatten die Ratsmitglieder gegen die Annahme von Spenden durch den Bürgermeister in Höhe von 9660 Euro sowie die Errichtung eines mobilen Stalls für 225 Legehennen auf Gemarkung Werbachhausen.

Werbachs Ortsvorsteherin Birgit Hörner regte an, zusammen mit der Nachbargemeinde Neubrunn eine bessere Busanbindung Werbachs an Würzburg in Angriff zu nehmen. Aktuell würde diese in Wenkheim enden.