Werbach

Ex-Synagoge ein Ort der Erinnerung Familie Brafmann im Welzbachtal zu Gast

Erinnerung wird wachgehalten

Wenkheim.Nach 17 Jahren fand Daniela Brafmann zusammen mit ihren Töchtern Talia und Maya wieder in die Heimat ihres Vaters Manfred Bravmann und ihrer Großeltern Wolf und Käthe Bravmann, die in der Welzbachgemeinde bis 1940 gelebt hatten. Dort betrieben sie ein Geschäft und handelten mit Stoffen und alltäglichen Haushaltswaren, sie waren angesehene Bürger der Gemeinde.

Ab 1933 verschlechterte sich ihre wirtschaftliche Lage zusehends, bis sie 1940 ins Lager Gurs in Südfrankreich deportiert wurden. Manfred Bravmann konnte später über die Pyrenäen nach Spanien und schließlich nach Palästina, dem heutigen Israel fliehen. Wolf und Käthe Bravmann wurden im Konzentrationslager umgebracht.

Anlaufstation für die Brafmanns und ihren Reisebegleiter Heiner Rosendahl war die ehemalige Synagoge nahe dem Welzbach. Daniela Brafmann ist seit Jahren an den Rollstuhl gebunden und gelangte trotz vorhandener Rampenauffahrten nicht ins Innere der Synagoge. Die Töchter Talia und Maya nahmen an einer ausgiebigen Führung im Innenraum und in den Museumsräumen teil. Mitglieder des Vereins „die schul“ gaben im Rahmen eines Ortsrundganges Erläuterungen zu früheren und noch vorhandenen jüdischen Gebäuden.

Der Gedenkstein für das Mahnmal in Neckarzimmern war eine weitere Anlaufstation. Das Mahnmal Neckarzimmern erinnert an die Deportation nahezu aller Juden Badens am 22. Oktober 1940 in das Internierungslager Gurs in Südfrankreich im Rahmen der Wagner-Bürckel-Aktion. Ziel war damals ein judenfreier Gau Baden.

Längere Zeit verweilte Familie Brafmann an der Stelle, wo einst das Elternhaus an der Abzweigung der Hauptstraße nach Neubrunn gestanden hatte. Dort waren die noch in Wenkheim wohnhaften Juden von 1938 bis 1940 interniert, mussten den Bauern auf den Feldern bei der Arbeit helfen und wurden von SA-Leuten bewacht. Das Haus wurde nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen, um dort eine Engstelle zu beseitigen. Anhand vorhandener Fotos und Lagepläne wurde eine detaillierte Beschreibung der früheren Verhältnisse gegeben. Rund 50 Meter weiter steht das Haus der früheren Mazzenbäckerei noch ohne große Veränderungen.

Bei der Fortsetzung des Rundgangs wurden weitere historische Plätze und frühere Judenhäuser besichtigt. Abschließend ging’s hinauf zum ehemaligen jüdischen Friedhof, der im Kirywald an der Grenze zum Freistaat Bayern liegt. Von Bus aus sah Daniela Brafmann die zahlreich noch vorhandenen Grabsteine. Die Töchter Talia und Maya fanden bei einem Rundgang zwei Grabsteine mit den Inschriften von Vorfahren der Bravmanns, die im 19. Jahrhundert wahrscheinlich von Unteraltertheim nach Wenkheim eingeheiratet hatten. Manfred Bravmann hatte seine Heimat Wenkheim nie vergessen können, mehrmals war er im 20. Jahrhundert dort zu Besuch.

Weitere Erläuterungen durch eine Power-Point-Show über die Aktivitäten des Vereins „die schul“ und die detaillierten Ausstellungstafeln in der ehemaligen Synagoge fanden im evangelischen Gemeindehaus statt. rei