Werbach

Blick in die Geschichte Vor 60 Jahren fand nach der Flurbereinigung die Besitzeinweisung in die neuen Grundstücke statt / Bauern siedelten aus

Entwicklungschancen für Landwirte

Archivartikel

Vor 60 Jahren fand die Flurbereinigung und die Besitzeinweisung in Wenkheim statt.

Wenkheim. Im Spätsommer vor 60 Jahren erfolgte in der vom Flurbereinigungsamt Tauberbischofsheim 1952 angeordneten Flurbereinigung Wenkheim (Rest) die Besitzeinweisung in die neuen Grundstücke. Rund 1030 Hektar wurden in der Feldlage um Wenkheim neu geordnet.Um die Landwirtschaft künftig wirtschaftlich durchführen zu können, waren agrarstrukturelle Maßnahmen dringend notwendig geworden. Landwirtschaft mit gesicherten Einkommen ließ sich nur mit größeren gut geformten Grundstücken durchführen.

Eduard Baumann sen. hatte den Vorsitz der Teilnehmergemeinschaft übernommen. Die Waldflächen wurden damals überwiegend nicht in das Verfahren einbezogen. Dadurch herrscht bis heute in den Wäldern rund um den Welzbachtalort die Besitzzersplitterung vor, die eine vernünftige Waldbewirtschaftung stark behindert oder überhaupt nicht zulässt.

Talbereinigung

Die Tallage entlang des Welzbaches war schon in den Jahren 1947/48 mit sogenannten Notstandsarbeitern vom Flurbereinigungsamt Buchen aus neu geordnet worden.

Anfang der 1980er Jahre wurde eine zweite Talbereinigung durchgeführt, die neben der Zusammenlegung von mehreren kleinen Grundstücken zu größeren Bewirtschaftungseinheiten, zwei bedeutende Infrastrukturmaßnahmen berücksichtigte.

In der Tallage wurde neben der Grundschule ein neues Sportgelände ausgewiesen. Der rund 1,5 Kilometer außerhalb gelegene alte Sportplatz wird seither nur noch zum Training genutzt.

Im Gewann „Brüblein“ wurden rund zwei Hektar versumpfte Wiesen in naturnahe Wasser- und Grünflächen umgewandelt. Bis heute entwickelt sich dort eine artenreiche Fauna- und Flora.

In der Flurbereinigung Wenkheim (Rest) sorgte ein gut konzipiertes Wegenetz dafür, dass die Landwirte, die inzwischen fast alle Traktoren besaßen, schnell und kostensparend an ihre Grundstücke kommen konnten. Die Zufahrtswege in den zahlreichen Seitentälern des Welzbachtales wurden stark befestigt ausgebaut und sind bis heute noch in einem guten Zustand.

Zur gleichen Zeit erkannten vier Wenkheimer Landwirte, dass sie mit ihren beengten Hofstellen in der Ortslage keine Entwicklungschancen hatten. Sie siedelten in das Gewann Mehlen, Richtung Großrinderfeld aus. Eine fünfte Aussiedlung kam später dazu.

Strukturwandel

Schon in den 1970er und 1980er Jahren ging der Strukturwandel in der Landwirtschaft so rasch voran, dass die Zahl der Haupterwerbslandwirte mit zehn bis Hektar stetig abnahm. Viele Betriebe wurden nur noch im Nebenerwerb bewirtschaftet. Dieser Strukturwandel setzte sich bis ins 21. Jahrhundert rasant fort. Heute gibt es noch eine Handvoll Haupterwerbslandwirte, die alle weit über 100 bzw. 200 Hektar pro Hof bewirtschaften. Dies geschieht in der Regel ohne Vieh, so dass seit Jahrzehnten schon keine Milch mehr in Wenkheim abgeliefert wird. In den 1950er Jahren war die Zahl der Lieferanten fast dreistellig. Die einst in Wenkheim stark verbreitete Schweinehaltung, was dem Dorf den Namen „Säulisgrund“ einbrachte, existiert nicht mehr. Lediglich einer der wenigen Nebenerwerbsbetriebe hält noch Schweine.

Die großen landwirtschaftlichen Betriebe haben sich durch Pacht und Tausch Bewirtschaftungseinheiten geschaffen, von denen ihre Vorfahren keine Vorstellungen hatten. Waren 1960 zwei Hektar große Grundstücke schon „ordentlich“, sind heute Flächen über zehn Hektar fast schon normal.

Die Natur hat durch die Vergrößerung der Bewirtschaftungsfläche keinen Schaden genommen. Die 1960 vorhandenen Hecken und zahlreichen Feldgehölze sind noch vorhanden. Durch die Betriebe ohne größere Tierbestände ist der Grünlandanteil im Laufe der Jahrzehnte stark zurückgegangen. Kartoffel-, Klee- und Rübenäcker sind ebenfalls aus dem Landschaftsbild nahezu verschwunden. rei