Weikersheim

Schloss Weikersheim Textilrestauratorin Kerstin Riepenhausen berichtete bei einer Sonderführung über ihre diffizile Arbeit

Wertvolle Tapisserien in guten Händen

Archivartikel

„.In guten Händen“ sind die kostbaren Möbel und Wandteppiche bei Restauratoren. Unter diesem Motto stand auch eine Sonderführung von Kerstin Riepenhausen im Weikersheimer Schloss.

Weikersheim. Anlässlich des „Europäischen Tags der Restaurierung“ führte die Textilrestauratorin der „Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg“ durch die neue Restaurierungswerkstätte im Marstall und informierte über die diffizile Arbeit zur Erhaltung der historischen Objekte für gegenwärtige und zukünftige Besucher. Zugleich wies sie auf die Erschwerung dieser Maßnahmen durch die verbreitete Biozidbelastung der musealen Sammlungen hin.

Um die Schäden an den Schaustücken der Vergangenheit möglichst gering zu halten, sei die „präventive Konservierung“ die erste Aufgabe der Restaurierung. Dafür sei, so Kerstin Riepenhausen M.A., eine eigene Fachrichtung im Beruf der Restauratoren zuständig. Sie kümmerten sich um die rechte Ausgestaltung der Depots und um fachgerechte Lagerung und Klimatisierung in Ausstellung und Depot. Konkret erläuterte die Referentin das in einem der fünf Depots im Schlossbereich – ein Zentraldepot besitzen die „Staatlichen Schlösser und Gärten“ nicht.

Dabei würdigte sie die jüngst erfolgte Ausgestaltung dieser Räume durch das Amt Vermögen und Bau Heilbronn mit der „hervorragenden Arbeit“ durch Dipl.-Ing. (FH) Erik Reinhold.

Die meisten Restaurierungen im Bereich der staatlichen Schlösser des Landes werden an freie Restauratoren vergeben und in deren Werkstätten durchgeführt. Kerstin Riepenhausen ist für Schloss Weikersheim zuständig für die Vorbereitung der Vergabe und die dafür notwendige Konzepterstellung.

Bei sehr schlechtem Erhaltungszustand der Objekte können auch aufwändige Arbeiten allerdings nur im Schloss selbst durchgeführt werden. Die Referentin hatte das bereits im letzten Jahr bei einer Restauratorenführung am Beispiel des barocken Prunkbetts der Fürstin Elisabeth Friderike Sophie verdeutlicht.

Derzeit restauriert Diplom-Restaurator Thomas Wieck aus Stuttgart mit seinem Team in Weikersheim die historischen Tapeten aus dem Schlafzimmer der Fürstin. Kerstin Riepenhausen ging auch auf das Problem ein, dass rund 80 Prozent aller musealenSammlungen in Deutschland durch Schadstoffe belastet seien. Für die Besucher sei das ungefährlich, doch Restauratoren müssten bei staubaufwirbelnden und objektnahen Tätigkeiten schon daran denken, dass man vor Jahrzehnten mit gutem Gewissen Stoffe wie DDT oder Lindan aufgebracht habe. Dazu kämen die Ausdünstungen etwa von Quecksilber aus historischen Spiegeln oder von Arsen aus Tierpräparaten. Eine Dekontamination der Objekte sei nur schwer möglich, man müsse zumindest mit Handschuhen arbeiten. Heute achte man auf ein „Integrated pest management“, wo Schädlingsbefall möglichst frühzeitig und schonend bekämpft werde.