Weikersheim

Auswirkungen von Corona Einnahmeausfälle reißen große Löcher in die Kassen der Vereine / FC Creglingen durch ausgefallene Jubiläumsfeiern hart getroffen

„Vor allem die sozialen Kontakte fehlen “

Verschobene Termine, ausgefallene Feste, abgesagte Wettkämpfe: die Corona-Krise hat auch die Vereine voll getroffen. Wir haben bei einigen von ihnen nachgefragt.

Main-Tauber-Kreis. Die Auswirkungen der Corona bedingten Einschnitte in das gesellschaftliche Leben bekommen die Vereine, die auf Zusammenkünfte und persönliche Begegnungen angewiesen sind, auf vielfältige Weise zu spüren. Außerdem reißen vielfältige Einnahmeausfälle Löcher in die Kassen.

„Der laufende Spielbetrieb musste abgebrochen werden, sogar unsere Jahreshauptversammlung musste ausfallen und auf einen noch zu nennenden Termin verschoben werden“, berichtet etwa der Vorsitzende des 1. FC Igersheim, Peter Ruess.

Kein Training, kein Fest

Der FC ist ein Spartenverein mit dem Schwerpunkt Breitensport, Corona trifft alle Abteilungen. „Diverse Veranstaltungen wie die Maiwanderung, das Uwe-Bein-Fußball-Trainingscamp und den Firmenlauf“, musste der Verein absagen; besonders die Aussetzung des Gassenfestes trifft den Verein hart. Das hat auch finanzielle Auswirkungen. „Wir mussten bereits bezahlte Anmeldegebühren zurück überweisen, auch Absagen an Sponsoren und Dienstleiter fielen an.

Zeitlichen Mehraufwand verursacht die Informationsweitergabe über die Organisation des Trainingsbetriebs, die Hygienekonzepte und die Dokumentation. „Von unseren Mitglieder gab und gibt es dazu zahlreiche Nachfragen“, sagt Ruess.

Ein Problem ist die Situation für die ehrenamtlich tätigen Übungsleiter und Trainer: „Ein Jugendfußball-Trainer darf gleichzeitig mit lediglich neun Sportlern trainieren.“ Bei einer Mannschaftsgröße von regulär 20 müsste ein Trainer also „die zwei bis dreifache Trainingszeit aufwenden“. Die Schließung des Sportheims bedeutet Umsatzverlust, auch durch den Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums bei Lebensmitteln.“

Was Ruess besonders schmerzt: „Es ist ja nicht nur der Sport selbst, der im Verein gesucht wird. Auch die sozialen Kontakte sind den Mitgliedern sehr wichtig. Und die fehlen ja zur Zeit völlig.“ So bleibt nur die Hoffnung, „dass uns unsere Mitglieder trotz aller Einschränkungen weiterhin die Treue halten“. Neuanmeldungen, weiß Ruess, „gibt es zur Zeit ja nicht.“

Beim TSV Weikersheim sieht es nicht anders aus: Geschäftsführer Walter Frick sagt, dass „Corona für unseren Verein verheerende Auswirkungen hat“. Ob sich die Öffnung der Sportstätten als „Befreiung“ erweisen werde, sei zu bezweifeln. „Die administrativen Auflagen sind doch enorm: Benennung von Hygienebeauftragten, begrenzte Teilnehmerzahlen pro definierter Fläche, Dokumentation der Teilnehmer usw. Ein geregelter Trainings- und Spielbetrieb sieht anders aus“, betont Frick. Auch der wirtschaftliche Schaden ist „enorm, denn durch die Einstellung des Spielbetriebs brachen etwa für unsere Fußballabteilung Erlöse aus Eintrittsgeldern und Bewirtung bei Heimspielen am Spielfeld und im Sportheim völlig weg.“

Auch emotionaler Schaden

Der größte Schaden, „sowohl wirtschaftlich als auch emotional“, treffe den Verein durch die Absage der Einweihungsfeier des neuen Weikersheimer Sportgeländes an der Tauber. „Das war für das Wochenende 20./21. Juni geplant“. Alle Abteilungen wollten sich in ihrer ganzen sportlichen Bandbreite mit diversen Aktionen präsentieren. „Organisationsteam und Festausschuss hatten ein vielfältiges und attraktives Programm ausgearbeitet“, sagt Frick.

Kein leichter Neustart

Den TV Niederstetten „trifft die Corona-Pandemie vor allem im täglichen Übungsbetrieb“, sagt Anita Kohlschreiber von der TV-Geschäftsstelle. Der sei jetzt wieder angelaufen. Dieser „leichte Anfang“ sei wichtig, um vor allem den Kindern die Möglichkeit zu bieten, wieder sportlich tätig zu werden und damit auch etwas Abwechslung im aktuellen Alltag zu erleben“.

Auch dem TV Niederstetten fehlt das Geld aus der Bewirtung. Ob Stadt- bzw. Vereinsmeisterschaften dieses Jahr überhaupt noch stattfinden können, „ist augenblicklich nicht absehbar“, sagt Kohlschreiber. Und: „Diese dabei erwirtschafteten Einnahmen wurden in der Vergangenheit in den Abteilungen für den laufenden Betrieb und für Anschaffungen verwendet. Dies alles muss nun bis zum ‚Neustart’ aus den Rücklagen bestritten werden.“ Momentan sei noch nicht klar, ob der traditionelle Herbstfestlauf im September stattfinden kann. Der ist einer der Höhepunkte im Vereinsjahr und für Sportler und Besucher mehr als nur ein läuferisches Event, sondern auch eine Einnahmequelle und Werbeplattform.

Natürlich trifft die ausgefallene „Festlessaison“ und der am Boden liegende Sportbetrieb auch den FC Creglingen „extrem hart“, sagt der Vorsitzende Andreas Wolfarth. „Es sind ja genau diese Veranstaltungen, die den (kleinen) Vereinen das Überleben ermöglichen“, sagt der Vorsitzende. Außerdem hat der FC Creglingen, wie andere Vereine auch, in den letzten Jahren enorme Investitionen getätigt, die bezahlt werden müssen.“ Und dass Corona den FC Creglingen im Jubiläumsjahr besonders hart trifft, sei, so der Vorsitzende weiter, „ja selbstredend!“

Fußball-Herren-Abteilungsleiter Till Raab ergänzt: „Da wir dieses Jahr unser 100-Jahr-Jubiläum feiern, trifft uns Corona natürlich besonders hart, da wir einige Veranstaltungen mehr geplant hatten als gewöhnlich.“ Zwar konnten man den offiziellen Festakt in Januar noch abhalten, „aber viele über das Jahr verteilten Aktivitäten mussten wir bereits und müssen wir voraussichtlich noch absagen. Dies betrifft alle Abteilungen.“ Raab nennt das Tischtennis-Bezirksfinale und das Sommerfest der Fußballabteilung.

Erhebliche Defizite

Selbst, ob der Stand am Weihnachtsmarkt oder der Weihnachtstanz in der Stadthalle seien „im Moment schwer vorstellbar.“ Sollten alle geplanten Veranstaltungen ausfallen, müsse der FC Creglingen mit einem „erheblichen Einnahmeausfall“ im unteren fünfstelligen Bereich rechnen, schätzt Raab. Dabei werde das Geld „für die Vereinsarbeit gebraucht und eingesetzt. So trifft uns Corona gleich doppelt“, erläutert Raab.