Weikersheim

SPD-Ortsverein Weikersheim Mitglieder Angelika Barth und Günter Breitenbacher für zusammen hundert Jahre Engagement geehrt

Stets für Bürgerinteressen eingetreten

Erst war es Klaus Bock, nun wurden zwei weitere politische „Urgesteine“ der Weikersheimer SPD geehrt: Angelika Barth und Günter Breitenbacher sind seit einem halben Jahrhundert Mitglied.

Weikersheim. Den SPD-Ortsverein des Residenzstädtchens haben sie ganz zweifellos geprägt: Nachdem der langjährige Stadtrat Klaus Bock bereits für 50 Jahre Mitgliedschaft in der SPD geehrt wurde, galt es, Angelika Barth und Günter Breitenbacher für 50 Jahre Mitgliedschaft zu auszuzeichnen.

Ortsvereinsvorsitzende Hildegard Buchwitz-Schmidt konnte neben dem Jubilar Günter Breitenbacher – Angelika Barth war verhindert – und zahlreichen Mitgliedern auch politische Prominenz begrüßen: den ehemaligen Bundestagsabgeordneten Hans-Martin Simpfendörfer, MdEP Evelyne Gebhardt, und SPD-Kreisvorsitzenden Thomas Kraft. Dieser sprach ein Grußwort, die Ehrung nahm die Europaabgeordnete vor.

Zuvor gab Gebhardt einen kleinen Abriss über aktuelle europapolitische Fragen. Sie komme gerne zu den Ortsvereinen, betonte sie und machte deutlich, dass „Europa nicht immer ganz einfach“ sei, insbesondere mit Blick auf die Wahl der neuen Kommission und das Dauerthema Brexit. „Kommt er, oder kommt er nicht?“ sei eine auch in Brüssel und Straßburg immer wieder gestellte Frage, doch die Entscheidung liege alleine bei den Briten. Die EU habe ihr Angebot gemacht, doch das britische Parlament sei bisher nicht in der Lage gewesen, einen klaren Willen zu äußern; wie denn der Brexit ablaufen soll. „Klar ist nur, dass er nicht ungeregelt sein soll“, erläuterte Gebhardt. Eine Lösung sei „dringend gesucht“, doch die Briten seien dabei in der Pflicht – auch, was die Frage der Grenze der Republik Irland mit dem britischen Nordirland angehe – „eine für die EU entscheidende Frage“.

Thomas Kraft verwies auf die aktuellen Fragen der Bundes- und Landespolitik. Der Kreisvorsitzende machte dabei deutlich, „dass die SPD handelt“, etwa bei den Themen Klimaschutzgesetz, Kohleausstieg, Atomausstieg sowie Rente zeige sich eine klare sozialdemokratische Handschrift. Und auch die zunehmenden Herausforderungen durch die sich immer weiter öffnende Schere bei der Einkommensverteilung gehe man an mit dem Vorschlag, die Vermögenssteuer wieder einzuführen.

„Wir sehen die Widersprüche in dieser Gesellschaft und erkennen, dass gehandelt werden muss.“ Die SPD habe in der Großen Koalition viel bewegt, gleichwohl sei die Situation der Partei von anhaltenden Wählerverlusten geprägt. „Wir müssen rüberbringen, was wir in Berlin geleistet haben und weiterhin leisten.“ Die Urwahl das neuen Vorsitzenden-Teams sei ein Signal nach außen.

Bemerkenswertes Engagement

Bei der Ehrung nannte Evelyne Gebhardt das jahrzehntelange Engagement der beiden Jubilare bemerkenswert. Angelika Barth und die Politik – diese Begriffe seien untrennbar miteinander verbunden, hob Gebhardt hervor. Das gelte selbstredend auch für Günter Breitenbacher, der seine kommunalpolitische Tätigkeit im heutigen Kernen im Remstal begann und in Weikersheim fortsetzte. Ebenso wie Barth engagierte sich Breitenbacher in vielfältiger Weise im politischen und öffentlichen Leben.

Mit der Übergabe der Urkunde und der goldenen SPD-Nadel endete der offizielle Teil, doch es gab noch viel zu erzählen. Grundlage bot eine Präsentation, die Klaus Bock vorbereitet hatte und die anhand zahlreicher Fotos das vielfältige politisch-kulturelle Engagement der Jubilare hervorhob.

„Immer Spaß gemacht“

Das Engagement in und für die SPD habe ihm in all den Jahren „immer Spaß gemacht“, aber er habe auch erkannt, „dass man rechtzeitig aufhören muss“, sagte Breitenbacher. Und wenn sein Rat gefragt werde, gebe er ihn gerne – aber „im Amt bin ich ja nicht mehr, also ist das unverbindlich“, sagte Breitenbacher.

Die 1937 in Stuttgart geborene Angelika Barth absolvierte ab 1956 ihre Ausbildung zur Kunstlehrerin. Sie kam 1966 ans Gymnasium nach Weikersheim. Im Residenzstädtchen „bandelte“ sie mit den Jusos an, und ihr Lehrerkollege Hans-Martin Simpfendörfer förderte 1969 ihren Beitritt zur SPD. 1971 gehörte sie zu den Gründern des Club w 71 – der nach wie vor überaus aktive Club feiert in zwei Jahren sein 50-Jähriges. 1997 beendete Angelika Barth ihre Lehrtätigkeit und widmete sich der Pflege ihrer Mutter. Im Jahr 2000 eröffnete sie ihr Antiquariat „Walfisch“ in der Rosenstraße. Dort fanden zahlreiche Treffen, Veranstaltungen und Diskussionen statt.

Neben ihrer Tätigkeit als Gemeinderätin – sie war mehrere Legislaturperioden aktiv, zuletzt von 2009 bis 2014. Zudem wirkte sie auch im Kreisrat, als Vorsitzende des SPD-Ortsvereins, Beisitzerin im Landesvorstand der SPD-AG 60plus und gründete auch den „rot-grünen Stammtisch“, bei dessen Treffen häufig Politprominenz zu Gast war. Die Zeitung des SPD-Ortsvereins, der „Weikersheimer Häcker“, war ihr ebenfalls ein wichtiges Arbeitsfeld. Hier brachte Angelika Barth viele Ideen, Anregungen und eigene Artikel ein.

Günter Breitenbacher, 1939 in Bad Mergentheim geboren, studierte nach dem Abitur Alte Sprachen in Würzburg, Innsbruck und Tübingen. Seit 1965 ist er mit seiner Frau Margot verheiratet, der Ehe entsprangen vier Kinder. Erstmals in den Gemeinderat gewählt wurde er 1971 in Rommelshausen (heute Kernen im Remstal). Der Beitritt zur SPD 1969 war eine Folge von Willy Brandts „mehr Demokratie wagen“. Das und die Ostpolitik hatte ihn „stark beeindruckt und beeinflusst“. Nach dem Umzug nach Weikersheim (1974) engagierte er sich im dortigen Ortsverein, und von 1980 bis 2014 vertrat er im Gemeinderat die Interessen der Bürger. Er war von 1984 bis 2009 stellvertretender Bürgermeister, leitete viele Jahre die Fraktion und war zudem von 1984 bis 2014 Mitglied des Kreistages. Der Kreistagsfraktion stand er von 1987 bis 2006 vor. Außerdem war Breitenbacher von 1994 bis 2009 Mitglied des Verwaltungsrates der Kurverwaltung Bad Mergentheim, von 1989 bis 1994 sowie von Dezember 2003 bis Oktober 2014 Mitglied der Verbandsversammlung der Region Heilbronn-Franken, deren stellvertretender Vorsitzender er von 2009 bis 2014 war.

1999 erhielt Günter Breitenbacher für seine Verdienste um die Partei und sein kommunalpolitisches Engagement die Willy Brandt-Medaille, und 2006 wurde er für sein jahrzehntelanges kommunalpolitisches Wirken mit dem Bundesverdienstkreuz am Band ausgezeichnet. spd