Weikersheim

Jahreshauptversammlung Tierhalter werfen Blick auf internationalen Markt / Europäisches Projekt soll Fruchtbarkeit von Säuen verbessern

Schweinepest macht Züchtern Sorgen

Archivartikel

Die deutsche Schweinezucht hat mit diversen Problemen zu kämpfen. Sorge bereitet unter anderem die Afrikanische Schweinepest.

Schäftersheim. „Der Schweinezyklus klappt“, brachte es Vorsitzender Friedrich Rahn bei der Jahreshauptversammlung der Schweinezüchtervereinigung Mergentheim in Schäftersheim auf den Punkt. Wie lange, das wisse man hingegen nicht. Denn die zukünftige Handhabung der drei K‘s (Kastration, Kupierverzicht, Kastenstand) seien weiterhin ungelöste Probleme. Doch bei Weitem nicht die einzigen, wie sich im Verlauf der Veranstaltung herausstellen sollte.

ASP: Aktuelle Lage

Dr. Helmut Stoffel, seit Ende 2019 neuer Amtsleiter des Veterinäramtes des Main-Tauber-Kreises, beleuchtete die aktuelle Lage der Afrikanische Schweinepest (ASP). Vor allem die Situation in Polen, so Dr. Stoffel, bereite Sorgen. Der letzte Fall sei nur zwölf Kilometer von der deutschen Grenze entfernt gewesen. Die ASP-Viren seien sehr widerstandsfähig und es sei noch nicht gelungen, einen Impfstoff zu entwickeln.

„Tierbestand deutlich gesunken“

Wegen den vielen möglichen Einschleppungswegen wie Reiseverkehr und Jagdgesellschaften könne der Einschlag jederzeit erfolgen. Für den Ernstfall gab der Veterinär praktische Tipps an die Hand. Auch Zuchtleiter Albrecht Weber unterstrich die Auswirkungen der ASP. Hierzulande sei der Tierbestand schon deutlich gesunken. Fachleute prognostizierten sogar einen weiteren Rückgang. Besserung soll ein Projekt im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP) bringen. Dessen Ziel sei, die Mütterlichkeit, die Wurfausgeglichenheit, die Ferkelvitalität und die Langlebigkeit und Fruchtbarkeit von Säuen zu verbessern.

Als Partner des „Deutsch-Chinesischen Kooperationsprojektes zur Weiterentwicklung der Tierzucht und Tierhaltung in China“ wanderte Webers Blick auch auf die Verhältnisse in Ostasien: „In China ist Fleisch ein Statussymbol, der Fleischverbrauch mit 63 Kilogramm pro Kopf zeugt vom wachsenden Wohlstand trotz eines enormen Arm-Reich Gefälles.“ Tillmann Zeller ergänzte den Bericht mit Impressionen von seinem dreiwöchigen Aufenthalt in China – passenderweise war dieser im Jahr des Schweins.

Blick auf den Weltmarkt

Mathias Frieß aus Creglingen Oberrimbach ist seit 14 Jahren Vorsitzender der UEG (Unabhängige Erzeugergemeinschaft für Qualitätsferkel). Als echter Kenner blickte er auf den globalen, nationalen und regionalen Schweinemarkt. Wegen des hohen chinesischen Importbedarfs seien die Marktpreise stark gestiegen. Dabei sei Deutschland der „Preismacher“ in Europa.

Frieß nahm auch zur Flut von Labeln (englisch für Etikett) in Deutschland Stellung. Das staatliche Tierwohllabel bezeichnete er als „Rohrkrepierer“. Denn, so Frieß, werde es beim Handel die Haltungsform sein, die sich als Kriterium durchsetze. Mit der zukünftigen geforderten Stallhaltungsform Plus entstünden dem Produzenten Mehrkosten von 13 Cents pro Kilogramm. Frieß ermahnte in seinem engagierten Vortrag seine Berufskollegen dazu auf, dass zum Kostenersatz unbedingt eine höhere Abschreibung und ein Unternehmergewinn dazu gehören müssten. „Bei der momentanen Marktlage kann dies gelingen, wenn alle Bauern zusammenhalten“, unterstrich er.