Weikersheim

Tauberphilharmonie Zweite Spielzeit / Stuttgarter Philharmoniker waren zu Gast / Knapp 400 Besucher erlebten bei zwei Terminen die Saisoneröffnung im Konzertsaal

Rauschhafter, glücksbringender Auftakt

Weikersheim.Einen virtuos-funkelnden Konzertabend gab es am vergangenen Samstag zum Saisonauftakt der Tauberphilharmonie von den Stuttgarter Philharmonikern und Pianist Christopher Park zu hören. Aufgrund des großen Publikumsinteresses unter den gleichzeitig geltenden Corona-Abstandsregeln spielte das Orchester gleich zweimal, und so wurden fast 400 Besucher Ohrenzeugen der besonderen Akustik des Weikersheimer Konzerthauses, welches mit Chopins 1. Klavierkonzert und den Haydn-Variationen von Brahms zum Klingen gebracht wurde.

In seiner Eröffnungsansprache dankte Intendant Johannes Mnich dem Publikum, Team, Freundeskreis und Sponsoren für die außergewöhnliche Unterstützung während der Coronazeit. „Kartenspenden, aufmunternde Worte oder konkretes Engagement waren ein wertvoller Beitrag während dieser besonderen Zeiten.“

Das kurzfristig aufgelegte Sommerprogramm war fast komplett ausverkauft, so dass der genehmigte Landeszuschuss schlussendlich gar nicht benötigt wurde, teilte Mnich stolz mit. Mit zahlreichen Veranstaltungen für die Stadtgesellschaft, von Konfirmationen, Erstkommunion über Musikschulkonzerte, Gemeinderatssitzungen bis hin zu Betriebsversammlungen wurde darüber hinaus die ursprüngliche Idee des Hauses für alle beispielhaft umgesetzt.

In diesem Zuge hatte auch der Freundeskreis für das Auftaktkonzert Schüler aus dem gesamten Landkreis eingeladen, die sich im vergangenen Jahr besonders sozial oder kulturell engagiert hatten.

Der Auftakt mit Chopins Jugendwerk geriet unter den Fingern von Christopher Park zum virtuosen Feuerwerk. Sanft und doch bestimmt getragen von den Stuttgarter Philharmonikern unter Conrad van Alphen entlockte der 33-Jährige dem außergewöhnlichen Fazioli-Konzertflügel eine schier unglaubliche Palette aus Klangfarben und Tönen, vom zarten Pianissimo über glitzernde Läufe bis hin zu heroischen Akkorden. Träumerisch-einfühlsam gelang der Mittelsatz, mitreißend und tänzerisch das aberwitzige Finale, das immer wieder polnische Volkstänze anklingen lässt. Bravorufe und minutenlanger Applaus für den jungen Pianisten, der kurzfristig für den aufgrund von Reisebeschränkungen ausgefallenen Nikolai Luganski eingesprungen war.

Mit den Haydn-Variationen von Johannes Brahms durfte dann das Orchester sein Können zeigen. Basierend auf einem fünftaktigen Wallfahrtschoral begründete dieses knapp zwanzigminütige Werk im 19. Jahrhundert die neue Gattung der Orchestervariationen: aus dem schlichten Choral wurde Tänzerisches, Träumerisches, mal Dur, mal Moll, dabei innig und im perfekten Zusammenspiel gestaltet von den Musizierenden. Der auswendig dirigierende van Alphen lotete Dynamik und Tempi genüsslich aus und spätestens die strahlende Wiederkehr zum Ende ließ vergessen, dass mit der ersten Sinfonie eigentlich ein viel größer besetztes Werk vorgesehen war.

Ein rauschhafter und glücksbringender Auftakt in die neue, sicherlich besondere Spielzeit – das nächste Orchestererlebnis präsentiert am 22. Oktober das Landesjugendorchester Saar mit Werken von Brahms und Beethoven. eh