Weikersheim

Keine Corona-Hilfen vom Staat Leiter Ulrich Wüster sieht aufgrund von Eigenkapital dennoch kein finanzielles Risiko für die Stadt

Musikakademie fällt durchs Netz

Die Musikakademie fällt bislang durchs Netz der Corona-Hilfen. Leiter Ulrich Wüster sieht dennoch kein finanzielles Risiko für die Stadt.

Weikersheim. Die Musikakademie Schloss Weikersheim, eine Einrichtung der Stadt, ist die zweitgrößte im Kreis der 25 Musikakademien in Deutschland. Auch sie wurde vom Corona-Shutdown hart gebeutelt. Dennoch: Für die Stadt sehe er derzeit kein finanzielles Risiko, so Akademieleiter Ulrich Wüster. Man habe in den letzten fünf Jahren ein Eigenkapital von über 500 000 Euro akkumuliert.

Seit der Corona-Schließung am 17. März sind die Einnahme- und Umsatzausfälle auf mittlerweile 610 000 Euro angewachsen, so Wüster. Sie werden weiter steigen, auf wohl rund 700 000 Euro bis zum Jahresende. Glück für die Stadt sei es da, dass die Akademie in den vergangene Jahren gut gewirtschaftet habe und das Eigenkapital, das 2015 noch bei rund 170 000 Euro lag, zum Jahreswechsel 2019/20 auf 675 000 Euro aufstocken konnten. Nicht angreifen will man die Logierhaus-Reserve von 160 000 Euro, die für die Instandhaltung auf Halde liegt – und selbstverständlich hat man auch nicht vor, den rund 100 000 Euro teuren Flügel im Tauberphilharmonie zu veräußern: Ohne die bauliche und musikalische „Hardware“ wäre die Musikakademie eben keine mehr.

Erstaunlich ruhig berichtete Wüster dem Gremium über die zahlreichen erfolglosen Versuche, Corona-Hilfen in Anspruch zu nehmen. Man falle schlicht durch sämtliche Raster. Auf die 30 000 Euro Soforthilfe, gedacht als Insolvenzhilfe, habe die Musikakademie ebenso wenig Zugriff wie aufs mit einer Milliarde Euro aufgelegte Hilfsprogramm „Neustart Kultur“, weil die Musikakademie nicht als Kultur-, sondern als Bildungseinrichtung zählt. Pech, dass das Bildungsministerium keinen Hilfsfonds aufgelegt hat.

Kein Zugriffsrecht hat die Musikakademie auch auf die Hilfe für kleine und mittlere Unternehmen, die zwar ins Trudeln gekommene Jugendherbergen, nicht aber öffentlichen Unternehmen unter die Arme greife – und die Musikakademie zählt nun einmal als letzteres. Das sind längst nicht alle Fördertöpfe, die die Musikakademie vergeblich anzuzapfen versuchte. Etwas Hoffnung setzt man noch auf den im Mai für Baden-Württemberg angekündigten „Masterplan Kunst“ – doch von dem sei aktuell noch nichts weiteres zu hören. Immerhin: das Kurzarbeitergeld konnte die Musikakademie fürs Personal in Anspruch nehmen. Auf öffentliche Hilfen jedoch setze er derzeit nicht mehr.

Vielmehr mache man sich daran, durch die Wiederöffnung wieder Geld zu verdienen. Mit ausgefeiltem Hygienekonzept und dem großen Platzangebot hat die Musikakademie auch Vereinen und Schulen viel zu bieten. Letztere allerdings dürfen derzeit noch keine Verbindlichkeiten eingehen.

Einen hörbaren Einstieg in die Corona-Realität bietet die Deutsche Streicherphilharmonie: Das Orchester reist in zwei Gruppen nacheinander zu Proben an und krönt die Aufenthalte auch mit zwei Orchesterkonzerten. Das erste findet am 8., das zweite am 12. Juli statt. Wüster appellierte: „Kaufen Sie Karten!“ Der Besuch der Konzerte sei nicht nur ein Akt der Solidarität, sondern auch ein musikalischer Genuss.