Weikersheim

Weikersheimer Stadtkirche St. Georg Abend zum Reformationstag / Grandiose Klänge der „Hanke Brothers“

Luther hätte seine Thesen wahrscheinlich getwittert

Archivartikel

Weikersheim.Ein sachkundiger Vortrag vom Direktor des Stuttgarter Oberkirchenrats und faszinierende Musikbeiträge der „Hanke Brothers“ gehörten zum Abend des Kirchenbezirks Weikersheim zum Reformationstag in der Stadtkirche St. Georg.

„Würde Luther heute auch chatten? – Reformation und Digitalisierung“ war das Thema der Veranstaltung. Die Kirche, so betonte dazu Stefan Werner, könne es „sich gar nicht leisten, sich nicht mit Digitalisierung auseinanderzusetzen, wenn sie nahe bei den Menschen bleiben will“. Große Chancen biete die Digitalisierung für die Kirche unter dem Kommunikationsaspekt. So hätte Martin Luther „seine Thesen heute womöglich getwittert“, denn er habe es zu seiner Zeit verstanden, „die Klaviatur der medialen Vermittlung zu spielen“. Damals seien es eben Flugblätter und erschwingliche Bücher gewesen. Neu und spannend für Luther wäre sicher der „digitale Rückkanal“ gewesen, denn damit hätten die Menschen die Möglichkeit gehabt, direkt auf seine Thesen zu reagieren.

Klar sei, dass heute die digitale Kommunikation immer wichtiger werde, doch „sie wird die Begegnung von Mensch zu Mensch nicht ersetzen. Gemeinsame Gottesdienste, Gemeindekreise, Synoden und natürlich die Seelsorge bleiben wichtig“. Das „Janusgesicht der Digitalisierung“ werde auch in vielen ethischen Debatten deutlich – und da werde seiner Beobachtung nach die Kirche immer wieder von der Industrie um Einmischung und Stellungnahme gebeten. Hier „muss die Kirche mit dem christlichen Menschenbild Gehör finden“. Die Landeskirche beteilige sich in ihrem Bereich bereits an der Digitalisierung mit einer „digitalen Roadmap“. Deren zehn „Meilensteine“ hatte Stefan Werner im ersten Teil seines umfassenden Referats dargestellt. Es gehe dabei um Kommunikation und Verwaltung, Mitarbeiter und Vernetzung. Problematisch sei das Ersetzen menschlicher Entscheidungen durch Algorithmen und die ungebremste Nutzung von Daten.

Analog und digital

„Grandios und virtuos“, so Dekanin Renate Meixner, hatte das Quartett der „Hanke Brothers“ den Abend eingeleitet. Die vier Brüder zwischen 18 und 28 Jahren aus Sindelfingen bilden eine Kammermusikformation neuer Art und „bringen auf faszinierende Weise analog und digital zusammen“.

Mit Blockflöte (David) und Tuba (Fabian), Viola (Lukas) und Klavier (Jonathan) präsentierten sie auch in Weikersheim ihren höchst individuellen Stil, der die Brücke schlägt von der Klassik über Jazz und Pop hinein in die gegenwärtige Musikszene. Kein Wunder, dass die begeisterten Zuhörer immer wieder in langanhaltenden Beifall ausbrachen.

Es gab für sie ja zusätzlich zum aufregend neuen Hörgenuss auch Ungewohntes zu sehen – etwa wie Jonathan Hanke in Sekundenschnelle vom Klavier zum digitalen Synthesizer wechselte oder am Tablet die Klänge eines kompletten Schlagzeugs entstehen ließ. Aus den so verschiedenen Charakteren ihrer Instrumente gestalteten die vier Brüder überraschend dahinschwingende Klangteppiche, die die Besucher verzauberten. Die Werke, teilweise von Jonathan Hanke selbst komponiert, verbanden perfekte Beherrschung der Instrumente mit zu Herzen gehenden Melodien und aktuellen Rhythmen.

In der altehrwürdigen Stadtkirche St. Georg wurde so der ganz eigene musikalische Dialekt der „Hanke Brothers“ lebendig, den die jungen Künstler beständig weiter entwickeln. Bei solch unglaublichem Musikgenuss hätte man dem Abend deutlich mehr Besucher vor allem aus der mittleren und jüngeren Generation gewünscht. peka