Weikersheim

Neues Buch erschienen Helmut Wörner präsentiert spannende Ergebnisse seiner Forschung über einstiges herrschaftliches Bauwerk in Weikersheim

Künstliche Ruine diente zur „Stimmungssteigerung“

Archivartikel

Weikersheim.Ein „Ruingarten“ mit einem Lusthaus in Form einer künstlichen Ruine gehörte seit 1741 zum Weikersheimer Schloss. Hinein in die Geschichte des Hohenloher Grafenhauses stellt sie ein neues Buch von Helmut Wörner.

Um hochgestellte Gäste zu beeindrucken und Macht und Reichtum zu präsentieren, hatte Graf Carl Ludwig seinen barocken Lustgarten mit der zweiflügligen Orangerie gestalten lassen.

Doch wenn er Ruhe suchte, bevorzugte er den Aufenthalt im Schlösschen auf dem „Carlsberg“.

Auch seinem Sohn Albrecht Ludwig Friedrich stand der Sinn nach einem solchen Rückzugsort. Zunächst genügte ein „Gartensaal“ in dem von ihm genutzten Schäftersheimer Garten seinen Bedürfnissen.

Gefährliche Ebbe

Es blieb ihm auch gar nichts Anderes übrig, denn in der Kasse des Hofes herrschte durch aufwändige Baumaßnahmen und Einrichtungsprojekte gefährliche Ebbe.

Wie es in dieser Lage trotzdem zum Bau eines „Ruin“ kam, beschreibt der kundige Autor in seinem Büchlein, herausgegeben von den „Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg“, detailliert und trotzdem angenehm zu lesen. Helmut Wörner, Mitarbeiter im Hohenloher Zentralarchiv Neuenstein, hat die in großer Fülle vorhandenen Akten aus Weikersheim genau studiert und präsentiert dem Leser spannende Ergebnisse seiner Forschungen.

Garten als Wohnstätte

Im Garten des Rokoko, so führt er aus, sei „der Garten nicht mehr der ganz große Festsaal, er wird mehr zur Wohnstätte“. Der „Zug ins Große“ werde aufgegeben zugunsten eines eher gleichrangigen Nebeneinander vieler einzelner Gartenteile. Künstliche Ruinen seien dabei als „stimmungssteigernde Elemente“ unverzichtbar geworden.

Von daher wird es verständlich, dass der junge Graf einige Gartenstücke „vor dem unteren Tor“ inmitten bürgerlicher Gärten erwarb – dort, wo heute die Orgelbaufirma Laukhuff ihren Sitz hat. Ans Bauen denken konnte er allerdings erst dann, als seine Frau, die Herzogin Christian Louise, als Erbteil einen stattlichen Betrag erhielt.

Tragisch

So war auch nicht der Graf Eigentümer des Geländes und des dort errichteten „Ruin“, sondern die Herzogin. Es wurde ein repräsentativer Bau mit gut 200 Quadratmetern und zwei Türmen, verbunden mit einer Galerie. Neben Saal und Küche zählte er sechs Zimmer, Inventar und Geschirr verrieten Stilempfinden und Wohlstand.

Tragisch war es, dass wenige Jahre später, im Juli 1744, Graf Albrecht Ludwig Friedrich beim Ritt vom „Ruin“ zum Carlsberg einen tödlichen Reitunfall erlitt und damit das Haus Hohenlohe-Weikersheim ausstarb.

Vollständig zerstört

Helmut Wörner berichtet ausführlich auch vom weiteren Schicksal des „Ruin“.

Als herrschaftliches Bauwerk blieb er erhalten, wurde Anfang des 20. Jahrhunderts zu einer repräsentativen Villa ausgebaut und im April 1945 vollständig zerstört.

Bauliche Reste sind nicht erhalten, das neu erschienene Buch erhält das Andenken nun angemessen lebendig.

Erhältlich ist das Buch „Helmut Wörner: Der ‘Ruin’ als herrschaftlicher Lustgarten und seine illustre Geschichte“ in Weikersheim an der Schlosskasse und bei „Buch und Papier“. peka