Weikersheim

Landfrauen Weikersheim Zum 70-Jahr-Jubiläum servierte Angela Leupold köstliche Kabarett-Uraufführung / Spannender Vortrag zur Persönlichkeitsentwicklung

Krisenfest und einzigartig wie Porsche

Archivartikel

Ganz und gar nicht vorstellbar: Eine Weikersheimer Kärwe ohne Landfrauen-Kärwetreffen. Beim Fest gab es heuer sogar eine bunte Kabarett-Premiere.

Laudenbach. Kräftig geackert haben die Frauen schon immer im Vorfeld und während der Kärwe, wenn für die großen Familientreffen gekocht, gebacken und gewienert wurde. Selber zum Feiern der Kärwe kamen die Frauen früherer Generationen wirklich erst nach den vier tollen Tagen auf der Schwelle vom Sommer zum Herbst.

Die privat sicherlich schon seit nahezu ewigen Zeiten gepflegte Tradition der kleinen Kehraus- und Frauenkärwe haben die Landfrauen im Main-Tauber-Kreis weiterentwickelt und zum großen Frauen-Familientreffen mit viel Begegnung, Information und heiteren Beiträgen erweitert. In diesem Jahr verbanden die das Treffen ausrichtenden Weikersheimer Landfrauen ihre Kärwe mit der Feier ihres 70. Gründungsjubiläums.

Für Gerechtigkeit einsetzen

Eigentlich gibt es kein Landfrauen-Kärwetreffen ohne Bürgermeister Klaus Kornberger; in diesem Jahr musste er kurzfristig seiner Stellvertreterin Rosemarie Spitzley die Ehre des Grußworts abtreten. Er ließ grüßen und gratulieren und ausrichten, dass er sich jetzt schon aufs nächste, hoffentlich in der Tauberphilharmonie stattfindende Landfrauen-Treffen im 600. Kärwe-Jubiläumsjahr freue.

Auch Landrat Reinhard Frank war verhindert und entsandte Werner Rüger, der in seinem Grußwort auf etliche Parallelen zwischen den Weikersheimer Landfrauen und dem ebenfalls sieben Jahrzehnte feiernden Automobilhersteller Porsche aufzeigte: beide Jubilare, so Rüger, teilen Unverwechselbarkeit, Engagement, Innovationskraft, Krisenfestigkeit und Power.

Der Laudenbacher Pfarrer Burkhard Keck ergänzte um Lob für die zahlreichen Beiträge der Landfrauen zur Verbesserung der Situation von Frauen und Familien und forderte auf, weiter für demokratische und gerechte Strukturen aufzustehen und dumpfen Parolen entgegenzutreten.

Bereits ein Jahr vor den Weikersheimer Landfrauen hatte sich der Kreis-Landfrauen-Verband gegründet. Ursula Popp, stellvertetende Vorsitzende des Kreisverbandes, erinnerte an viele mutige Frauen, die unter anderem das Frauenwahlrecht und die Zulassung von Frauen zum Studium erkämpften.

Bereits 1901 hatte die österreichisch-ungarische Ärztin Anna Fischer-Dückelmann mit ihrem „goldenen Frauenbuch“ „Die Frau als Hausärztin“ ein bis heute hochaktuelles Nachschlagwerk publiziert, das Ursula Popp der Weikersheimer Landfrauen-Vorsitzenden Margret Beck als Jubiläumsgeschenk überreichte. Die Lebenstipps der Ärztin haben sich auch die Weikersheimer Landfrauen zu eigen gemacht: Im selbstlosen, Müßiggang meidenden Wirken für andere und offenem Ungang mit der Jugend ist der Verein auch nach sieben Jahrzehnten jung geblieben.

Gegründet hatten am 28. März 1948 genau 13 Weikersheimerinnen – Bäuerinnen und Arbeiterinnen, Haus- und Geschäftsfrauen – den Verein. Nicht als Ich-AG, sondern als „GmbH – Gesellschaft mit berechtigter Hoffnung“, so Margret Beck. Erste Großaktion war eine Tombola bei der Kärwe, um eine Sackflickmaschine – heute noch im Dorfmuseum zu bewundern – und einen Vorhang für die Theaterbühne zu kaufen. Der volle Erfolg der Aktion begründete schon im ersten Jahr die enge Verbundenheit mit der Kärwe.

Becks Rückblick auf die sieben Jahrzehnte des Weikersheimer Landfrauen-Ortsvereins ergänzte aufs köstlichste die Laudenbacher Neubürgerin, Sängerin und Kabarettistin Angela Leupold, die jahrzehntweise anhand typischer Hits von den Caprifischern bis zum Hit „Weil ich ein Mädchen bin“ in privaten und gesellschaftlichen Beziehungskisten kramte. Die Gäste waren hingerissen von der musikalisch-kabarettistischen Uraufführung, die jede Menge Lust auf mehr machte. Am 11.11. gastiert sie erneut in der Laudenbacher Zehntscheune.

Zum „Trainingslager für Persönlichkeit“ hatte die Uffenheimer Lebensberaterin Jutta Lenhart geladen: In sehr lebendigem Vortrag ermutigte sie die Anwesenden zu Selbstsicherheit: Wer sich eigener Stärken und Schwächen bewusst ist, könne zu eigenen Fehlern stehen, Kritik und Lob annehmen, kompromissfähig eigene Standpunkte finden und vertreten und in Verantwortung für sich selbst auch ganz anders Denkende gleichwertig annehmen.

Über Jutta Lenharts Denkanstöße wurde nicht nur an der reich gedeckten Landfrauen-Kuchentafel engagiert weiter gesprochen.

Festlich-heiter hatte der Landfrauen-Chor, diesmal unter der Leitung von Gudrun Schammann, den Nachmittag in der Laudenbacher Zehntscheuner umrahmt, der auch das Landfrauen-Lied anstimmte und damit das spezielle Landfrauen-Wir-Gefühl nochmals deutlich bekräftigte.