Weikersheim

Landwirtschaft zum Anfassen Vierbeinige Models auf dem neuen Laufsteg zwischen Kleintierzüchtern und Schützenhaus

Kälbervorführung der Kinder ein echter Magnet

Archivartikel

Ein bunter Mosaikstein der Weikersheimer Kärwe ist die Jungviehprämierung des Rinderzuchtvereins Main-Tauber, der in zwei Jahren seinen hundersten Geburtstag feiern kann.

Weikersheim. Weil immer weniger Menschen direkten Kontakt zur Rinderhaltung haben und Eltern dies ihrem Nachwuchs vermitteln wollen, ist die Kälbervorführung der Kinder zu einem Publikumsmagneten geworden. Erfreulicherweise wollen auch immer mehr Mädchen und Jungen beweisen, dass es ihnen gelingt, die oft eigenwilligen Vierbeiner gut präsentieren und deren Nahrungsvorlieben und Familiengeschichte erzählen können.

Jung, dynamisch und weiblich. Mit ungewöhnlicher Frauenpower wird der Rinderzuchtverein Main-Tauber-Kreis geführt. Normalerweise repräsentieren ältere Herren die Rinderzuchtvereine. Bei der Hauptversammlung im Januar ereignete sich bei den Wahlen eine emanzipatorische Revolution, einmalig nicht nur in Baden-Württemberg, sondern in ganz Deutschland. Die Agrarwirtschafterin Julia Stolz ist jetzt Geschäftsführerin des Zuchtvereins. Die junge Mutter ist Außendienstmitarbeiterin der RBW und wohnt mit ihrem Mann und Tochter, der in der Hof Aischland Milch-GbR tätig ist, in Weikersheim-Laudenbach. Mit Sabine Ott aus Weikersheim-Nassau wurde erstmals eine Frau zur Vorsitzenden des Rinderzuchtvereins gewählt. Zusammen mit ihrem Mann leitet die Mutter von vier Kindern einen Familienbetrieb mit 100 Milchkühen. Das weibliche Trio wird verstärkt durch Heike Kappes aus Boxberg-Bobstadt. Die Landwirtin und Buchhalterin und Mutter von drei Kindern ist jetzt für die Kasse des Vereins zuständig.

Bei der Jungviehprämierung anlässlich der Weikersheimer Kärwe konnte der interessierte Laie anhand der Erläuterungen der Zuchtfachleute Michael Schmidt (RBW) und Daniel Stier viel dazu lernen. Das Exterieur, also das äußere Erscheinungsbild eines Rindes, wird immer von den Faktoren Genetik und Umwelt bestimmt. Die Gene oder Erbanlagen sind maßgeblich verantwortlich für Größe, Form, Farbe, Beschaffenheit der Klaue oder den Bau des Euters. Diese Merkmale können jedoch durch die Umwelt des Rindes wesentlich beeinflusst werden. Ziel der Exterieurbeurteilung ist es, die Stärken und Schwächen eines Tieres herauszufinden und so die zukünftigen Leistungsträgerinnen zu erkennen. Mit so einer Schau konnte auch den vielen Verbrauchern der hohe Stand der hiesigen Rinderzucht vermittelt werden.

„Die Jungviehprämierung demonstriert den Stand der Rinderzucht in unserem Vereinsgebiet und ist gleichzeitig ein Züchterwettbewerb, um die schönsten Tiere herauszufinden, zudem wollen wir den Verbrauchern zeigen, dass es unseren Tieren gut geht, weil wir verantwortungsvoll mit den uns anvertrauten Geschöpfen umgehen“ führte Sabine Ott aus. „Den Züchtern gebührt ein ganz besonderer Applaus für das Herrichten und an den Strick Gewöhnen der freilaufenden Tiere“, betonte Ott genauso wie Bürgermeisterstellvertreter Norbert Beck und der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Friedrich Reinhart.

Sehr viele Besucher waren gekommen, darunter viele Familien mit Kindern. Vor allem die Stadtkinder wollten miterleben wie die 25 Kinder im Alter zwischen fünf und 14 Jahren ihre Kälber präsentierten.

Aus fünf nach dem Alter gestaffelten Wettbewerbsklassen wurden die besten Fleckviehtiere ausgesucht. Mit einem korrekten Bein und einer harmonischen Oberlinie beeindruckte bei den Jungrindern im ersten Ring eine sehr elegante Tochter des Bullen Vegas aus der Herde von Rainer und Sabine Ott aus Nassau, an zweiter Stelle rangierte eine Stallgefährtin mit gut gelagertem Rumpf. Im zweiten Ring stand ein ausgeglichenes Rind mit gutem Fundament aus dem Stall der Weber GbR Boxberg, eine Miamitochter vorne, dahinter kam eine Walotochter aus der Herde der Familie Habel aus Creglingen-Weiler.

Im dritten Parcours lag eine Nutilltochter mit einem vorzüglichen Fundament der Familie Weber an der Spitze. Ihr folgte eine elegante und fehlerfreie Imperativtochter mit einer geschlossenen Oberlinie und sehr guter Mutterleistung aus dem Stall von Hof Aischland. In der vierten Klasse wurde eine Guccitochter, ein sehr harmonisches Rind mit einem wunderbaren Seitenbild aus dem Stall von Rainer und Sabine Ott an die Spitze gestellt. Den zweiten Platz belegte ein tiefes Rind mit vielversprechender Euteranlage eine Manolotochter von Hof Aischland. Ein harmonisches Rind im Zweinutzungstyp gezüchtet von Claus Habel beeindruckte im fünften Ring mit seinem schönen Euterkörper und einer weit entwickelten Euteranlage. Es folgte eine Moratatochter aus dem Stall auf Hof Aischland .Am Ende des Wettbewerbs traten die Siegerinnen aus den Klassen der jungen und älteren Rinder gegeneinander an. Die Miamitochter der Weber GbR wurde Siegerin bei den Jüngeren vor der Vegastochter der Familie Ott. Bei den älteren Rindern gelangte die Ruppintochter von Habelsan die erste Stelle, gefolgt von der Guccitochter der Familie Ott mit wunderbarem Fundament .

Besondere Aufmerksamkeit und eine großes Publikum erfuhren die Kinder, die ihre Kälber vorführten. Weil die Zusammenarbeit zwischen Kalb und Vorführerin vorbildlich war, wurde die fünfjährige Milena Schlundt bei den jüngeren Kindern zur Siegerin gekürt. In der zweiten Kindergruppe siegte Fenja Hofmann und in der dritten Gruppe die neunjährige Felicitas Lang. Finja Ott war schon letztes Jahr erfolgreich, dieses Mal in der vierten Gruppe. Verena Neef war in der fünften Gruppe und Marie Ott in der sechsten Gruppe vorne.