Weikersheim

Weikersheimer Schlossgarten Berühmtes Ensemble erblüht weiterhin in barocker Pracht / Erst den Pilz bekämpft, nun die grüne Raupe

Gärtner haben Zünsler gut im Griff

Archivartikel

Farbenprächtige Blumenrabatten prägen weiterhin das Bild des historisch erhaltenen Weikersheimer Schlossgartens. Den Buchsbaumzünsler haben die Schlossgärtnerinnen sicher im Griff.

Weikersheim. Die Figur des Helden Herkules prägt den Brunnen in der Mitte des barocken Lustgartens in Weikersheim.

Wohlgefällig blickt er, umgeben von Göttergestalten, hinab auf die Anlage auf der Südseite des Schlosses, die Graf Carl Ludwig um 1720 geschaffen hat. An den Garten von Versailles sollte sie erinnern. Ganz nach dem Vorbild des großen Sonnenkönigs sollte sie den Herrn des relativ kleinen und unbedeutenden Hohenlohe-Weikersheim als Herrscher erweisen, der die Macht in Händen hält, sich die ungebändigte Natur zu unterwerfen und sie kunstvoll zu ordnen.

Exakt geschnittene niedrige Buchshecken umrandeten damals die Broderien und die Blumenrabatten. Kugeln aus Buchs wechselten sich ab mit Sandsteinfiguren von Göttern und Naturgewalten, geschaffen von der Künzelsauer Künstlerfamilie Sommer und bis heute dort im Original zu bewundern.

Die Zahl der Blumen hat sich zur Gegenwart hin sogar vermehrt – im Sommer findet man mehr als 20 000 Pflanzen. Die grünen Einfassungen allerdings hat im August des Jahres 2010 der Buchspilz befallen, begünstigt von einer andauernden nassen Witterung. Die Blätter verfärbten sich braunorange und die Stängel bekamen hässliche schwarze Streifen.

Blumen als Ersatz

Eine Bekämpfung nach dem Befall, so informiert Brigitte Ihns, Ingenieurin für Landespflege und bei den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg (SSG) zuständig für Weikersheim, sei nicht möglich und an vorbeugende Spritzungen könne man in öffentlichen Gärten nicht denken. Als optischen Ersatz habe man nach der Entfernung der Einfassung einfach eine weitere Blumenreihe gepflanzt.

Zudem teste man seitdem vor Ort Ersatzpflanzen unterschiedlichster Arten von Berberitze über Ilex bis zur Eibe und auch eventuell widerstandsfähigere Buchssorten. Bisher habe sich aber noch keine Ersatzpflanze als Alternative bewährt. Doch „die Rabatten“, so Brigitte Ihns, „entfalten auch ohne die Buchseinfassung ihre Wirkung sehr gut und werden von den Besuchern auch in dieser Form begeistert angenommen“.

Buchs gehört zum Park

Prof. Dr. Hartmut Troll allerdings, Referent für Historische Gärten bei SSG, befriedigte das nicht. Er stürzte sich in die Archive und entdeckte dort das, was man bisher übersehen hatte: In seinen letzten Lebensjahren, um 1750, hatte Graf Carl Ludwig seinen Schlossgarten „entsprechend den Vorstellungen in den Schönbornschen Gartenanlagen abgewandelt“. Eintragungen in den Garteninventaren und ein etwas später entstandenes Gemälde beweisen dies. Da säumen Kübel mit schlanken Zypressen und Rosmarin an Stelle der runden Buchs-Kugeln die Wege – eine historische Gestaltung, die man wiederherstellen konnte. Seit vier Jahren ist diese originalgetreue Neubepflanzung zu sehen, wobei die Zypressen wegen ihrer Kälteempfindlichkeit teilweise durch den ähnlichen Wacholder ersetzt wurden. „Die Wertigkeit unseres Schlosses wird sich deutlich erhöhen“, freute sich damals Schlossverwalterin Monika Menth und sie hat Recht behalten. Wie die Schlossgärtnerinnen Sandra Özkan und Katja Bischoff bestätigen, kommt auch diese nahezu originalgetreue Bepflanzung bei den Besuchern sehr gut an.

An Buchsbaum blieben im Weikersheimer Garten nur die solitären Kübelbäumchen – manche nicht befallen, andere durch Fungizide gerettet. Für diesen Buchsbaumbestand drohte nun neues Unheil. Vor wenigen Monaten kam der „Buchsbaumzünsler“ in Weikersheim an, eine grüne Raupe, die die Blätter des Buchs komplett abfrisst. In Weikersheim wurden die Buchs-Kübel im Gartenbereich, der alte Buchsbestand in der „Nachtigall“ und die Formgehölze im Küchengarten befallen.

Doch gegen den Zünsler gibt es mit „Xentari“ ein gut wirkendes biologisches Mittel. Schön fünfmal wurde es in diesem Jahr gespritzt, eine arbeitsintensive Aufgabe für das Gärtnerteam.

Beute von Vögeln und Wespen

Allerdings überleben einige Tiere und vermehren sich weiter. „Bisher können unsere Gärtner die Schäden in Schach halten“, freut sich Brigitte Ihns.

Somit bietet der barocke Lustgarten von Weikersheim jedem Besucher auch in Zukunft ein unvergessliches Bild mit einer Vielzahl bunter Blumen und den Kübelpflanzen, die schon Auge und Herz des barocken Grafen Carl Ludwig erfreuten.

Zum Hintergrund: Der Buchsbaumzünsler kommt aus Ostasien, seit 2006 ist er auch in Deutschland anzutreffen; zunächst tauchte er im wärmeren Süden auf. Die Raupen sind hell- bis dunkelgrün, schwarz und weiß gestreift, bis fünf zentrimeter lang.

Sie fressen alles kahl

Die Raupen kommen nur an Buchsbäumen vor, fressen die Pflanze kahl und umgeben sie mit einem Gespinst. Der Falter ist weiß-braun und vermehrt sich in bis zu drei Generationen pro Jahr. Ursprünglich gab es keine Fressfeinde, inzwischen werden die Raupen aber zunehmend von Singvögeln und Wespen verzehrt.

Bekämpft werden kann der Zünsler mit dem biologischen Mittel Xentari. Es ist nicht bienengefährlich, tötet allerdings alle Schmetterlingsraupen. Auch Algenkalk wird derzeit erprobt.