Weikersheim

Helfertag an der GMS Weikersheim „Ersthelfer-Zirkeltraining“ für Viertklässler / Kooperation von Schulsanitätern, DLRG, DRK und Feuerwehr

Ernstfall-Üben kann viel Spaß machen

Archivartikel

Weikersheim.Blaulicht und ein Rettungsboot vor dem Weikersheimer Hallenbad, vorm Eingang zur Gemeinschaftsschule ein DRK-Auto und in der Mensa jede Menge Verbandsmaterial. Was ist da nur passiert? Nichts Schlimmes, sondern ganz und gar das Gegenteil: der „Helfertag“ stand auf dem Programm.

Die Mensa wurde Basislager: Jaqueline, Johanna, Josefin und Jule, allesamt Schulsanitäter aus der siebten Klasse, hatten gemeinsam mit ihren Klassen- und Sanitätskameraden Leon und Leonie, Nele und Owen für die Viertklässler ein komplettes Ersthelfer-Übungsszenario in fünf Stationen aufgebaut.

Wie und wo setzt man einen präzisen Notruf ab? „Mit dem Handy. 112 wählen!“ antwortet einer wie aus der Pistole geschossen. Mit Schulsanitätern wird das Telefonat mit der Leitstelle geübt. Vier „W“-Fragen sind zu beantworten: Wo ist’s passiert? Was ist passiert? Wie viele sind verletzt? Welche Verletzungen oder Symptome gibt es? Und dann gilt noch „W“ Nummer fünf: „Warten, ob die Leitstelle noch was wissen will!“

Keine Frage: In Sachen Notruf sind die Kids nach diesem Training firm. Besser als mancher Autofahrer wissen sie nach dem Helfer-Zirkeltraining in der Mensa, was drin ist im Verbandskasten oder wie man auch als noch kleiner Mensch einen Verletzten in die stabile Seitenlage bringt. Für den Ernstfall zu üben, kann Spaß machen – etwa, wenn bei den Seitenlagen-Übungen einer kitzlig ist. Hoch konzentriert üben die Kids an weiteren Stationen das Anlegen von Erstversorgungsverbänden: Da werden fachgerecht Finger verpflastert, mit Mullbinden und Verbandspäckchen einfache Verbände und Druckverbände angelegt. Spannend. „Ich werde auch Schulsanitäterin“, verspricht eine eifrig mit Mullbinden hantierende Schülerin. 45 Mädchen und Jungen haben die Ausbildung schon durchlaufen, weitere 15 absolvieren sie gerade.

Erste Hilfe also kein Problem? Vielleicht doch, zum Beispiel, wenn man im Ernstfall mit den „echten“ Rettungssanitätern zusammenarbeiten muss. Jan Breidenbach zeigt, was im rund 15 Kilo schweren Rettungsrucksack und im Einsatzfahrzeug steckt. Besonders spannend: Defibrillator und Beatmungsbeutel. Und im Musiksaal wird es fast noch spannender, denn Stefan Möhle hat die Herzmassage-Übungspuppe mitgebracht. Gewaltig ins Zeug gelegt haben sich die Kinder, um den richtigen Punkt – „Genau zwischen den Brustwarzen!“ – für die Herzmassage mit dem richtigen Druck zu bearbeiten.

Alles an Bord

Und wenn im Schwimmbad oder See jemand zu ertrinken droht? Die DLRG-Rettungsschwimmer Mario Sackmann und Daniel Brix führten im Hallenbad vor, wie man einen ermüdeten Badenden sicher an Land bringt, DLRG-Retter Heiko Lang erläuterte vom Beckenrand aus genau, wie es geht – und vorm Bad wartete DLRG-Retter Harald Neser mit dem DLRG-Rettungswagen und dem Wasserrettungsboot „Taube 1“.

Wahnsinn, was die alles an Bord haben: Neben der Erste-Hilfe-Ausrüstung, Lampen, reichlich Seilmaterial und der Schaufeltrage auch einen Strömungsrettungsanzug und einen zur Eisrettung. Natürlich dürfen die Schüler auch mal das Rettungsboot entern und sich bei Blaulichtbegleitung ins Fahrzeug setzen.

Fehlt noch die Feuerwehr, die ihre großen Fahrzeuge immer in Bereitschaft halten muss. Also auf zur Feuerwehrgarage. Chef Jürgen Friedel, Christian Krüger und Frank Eckert – letzterer sogar in kompletter Brandausrüstung mit Helm, Atemschutzgerät, Atemmaske, Flammschutzhaube und feuerfester Ausrüstung – zeigten, was alles drinsteckt im 15 Tonnen schweren HLF, dem Hilfeleistungs-Löschgruppen-Fahrzeug. Schläuche natürlich und Pumpen, aber auch eine Bergsteigerausrüstung, Äxte, Bolzenschneider, Spreizer und ein kleines Gerüst. Highlight: Einmal reinkrabbeln in die enge Kabine, in der die 45 Aktiven der Freiwilligen Feuerwehr zum Einsatz sausen. Einige der jungen Besucher haben Feuer gefangen und wollen am liebsten gleich voll einsteigen. Kein Problem, erklärt Eckert: In der Jugendfeuerwehr, die sich an jedem zweiten Freitag trifft, sind schon Achtjährige herzlich willkommen. Die nächste Übung findet am 16. November statt. Beginn ist jeweils um 18.30 Uhr.

Nach dem ersten landesweiten Grundschul-Helfertag im vergangenen Jahr richtete die GMS jetzt ihren „Helfen macht Schule“-Tag ohne offizielle landesweite Aktion gemeinsam mit der Weikersheimer Feuerwehr und den örtlichen DRK- und DLRG-Gruppen aus.

Rektor Peter Pflüger und Konrektorin Gudrun Wolf würdigten die Kooperation mit den freiwilligen Rettungsverbänden als „perfekt“. Die wiederum freuten sich über die höchst aufmerksamen Schüler. „Wenn’s hart auf hart geht, trauen sie sich vielleicht eher als mancher Erwachsene, beherzt als Helfer einzugreifen“, hoffen der DRK-Retter Stefan Möhle und seine Kollegen von DLRG und Feuerwehr.