Weikersheim

Schloss Weikersheim Gräfin Magdalena von Hohenlohe-Weikersheim war Apothekerin und Wohltäterin / Todestag am 16. Mai

Eine kluge und selbstbewusste Frau

Weikersheim.Sie war klug und selbstbewusst, Apothekerin und Wohltäterin: Gräfin Magdalena von Hohenlohe-Weikersheim: Heute ist ihr Todestag. Der 16. Mai ist der Todestag einer Landesmutter, die Weikersheim und Hohenlohe vor 400 Jahren prägte. 1633 starb an diesem Tag im ehrwürdigen Alter von 85 Jahren Gräfin Magdalena von Hohenlohe. Die Gräfin, geboren im Adelshaus Nassau-Diez-Katzenelnbogen-Dillenburg, hatte im Jahr 1567 im Alter von 20 Jahren den Grafen Wolfgang II. von Hohenlohe geheiratet.

Ihre Familie hatte in der europäischen Politik des 16. und 17. Jahrhunderts großen Einfluss. Ihr Bruder, Wilhelm I. von Oranien, spielte eine zentrale Rolle beim Kampf der protestantischen Niederlande gegen die Spanier um ihre Unabhängigkeit.

Mutter von 14 Kindern

Jeder Besucher des Weikersheimer Schlosses erblickt das Bild der Gräfin Magdalena, in Stuck gestaltet, an der Stirnwand des prächtigen Rittersaals. Wie sie da liegt, zusammen mit zwei ihrer 14 Kinder unter der großen Ahnentafel, könnte man denken, sie sei eine der vielen adligen Frauen gewesen, die für ihren Gemahl mit Liebreiz und Kindern das Bestehen des Herrscherhauses sichern und damit zufrieden sein mussten. Weit gefehlt – Gräfin Magdalena (1547-1633) war ihrem Mann Graf Wolfgang II. durchaus ebenbürtig. Er ließ im Taubergrund das Renaissance-Schloss erbauen, doch im Finanzwesen der Grafschaft spielte sie eine wichtige Rolle. Viele Rechnungen tragen die Unterschrift der Gräfin, gleichberechtigt mit der ihres Mannes. In religiösen Fragen war sie Gesprächspartnerin des Grafen, der mit einer Kirchenordnung die Reformation in Hohenlohe festigte und sein eigenes Glaubensbekenntnis verfasste. Am greifbarsten aber ist ihre Bedeutung für die Heilkunde im Haus Hohenlohe. Sie stand den Gedanken des Paracelsus nahe und war an den philosophischen, magischen und medizinischen Aspekten dieses Gelehrten interessiert. Im Schloss Weikersheim richtete sie eine Apotheke ein, die sie zusammen mit einer Apothekengehilfin betrieb. Mit den Arzneien versorgte sie immer wieder auch bedürftige Untertanen aus der Stadt Weikersheim.

Hinter dem Schloss legte sie einen Garten mit Heilkräutern an. Das Ergebnis ihrer Studien war die Vollendung eines über 600 Seiten starken Arzneibuchs, das ihre Mutter Anna begonnen hatte. Das Interesse an Naturwissenschaften verband sie mit ihrem Ehemann Graf Wolfgang II., der sich mit der Alchemie, einer Vorform der heutigen wissenschaftlichen Chemie, beschäftigte. Dafür ließ der Graf an der Schlossmauer eigens ein Laboratorium errichten. Das Gebäude ist längst abgebrochen, auf seiner Grundfläche befindet sich heute der Alchemie- und Hexengarten.

Harmonische Ehe

Die Ehe muss ungewöhnlich harmonisch gewesen sein. In der Leichenpredigt für Graf Wolfgang aus dem Jahr 1610 stellt der Hofprediger fest: „Es haben solche beyde Grävenliche Eheleut... zu Liebs- unnd Leidtszeiten ihre Eheliche pflicht einander so treulich geleistet, daß in ihrem Alter auß hertzlicher liebe je eines mit dem andern begehrte zu sterben.“

Gräfin Magdalena hatte eine stabile Gesundheit. Sechs Jungen und acht Mädchen brachte sie zur Welt, das war selbst für ihre Zeit eine große Kinderschar. Trotz ihrer hohen Lebensleistung überlebte sie ihren Mann um 23 Jahre.

Als Witwe, so war es im Ehevertrag festgelegt, konnte sie zwischen den Schlössern von Öhringen und Schrozberg als Wohnsitz wählen. Sie entschied sich für Schloss Öhringen, wo sie 1633 starb.

Schloss und Schlossgarten Weikersheim sind wieder geöffnet – täglich von 10 bis 17.30 Uhr (letzter Einlass 17 Uhr). Im Schloss sind bis auf weiteres nur der Rittersaal und dessen Vorzimmer zu sehen. Führungen finden nicht statt. Die Preise sind deshalb ermäßigt. peka