Weikersheim

„Fabrikkultur“ Kabarettist Oliver Tissot begeistert das Publikum am zweiten Abend in den Hallen von CeraCon in Weikersheim

Ein Schnelldenker mit viel Wortwitz und voller Elan

Archivartikel

Spritzig und voller Elan springt Oliver Tissot in seiner rot-karierten Manteljacke und der schwarzen Schirmmütze auf die Bühne und unterhält das Publikum mit kurzweiligen Wortspielen.

Weikersheim. Mit großem Wortwitz führt er beim zweiten Abend der „Fabrikkultur“ der Firma CeraCon in Weikersheim aus, warum er am Welttollwuttag gekommen ist. „Früher war es eine tolle Wut“, so Tissot, „heute hingegen schäumt man vor Wut“. Und das macht ja bekanntlich auch CeraCon – Schäumen. Deswegen ist es der ideale Tag für den promovierten Soziologen Tissot, um bei CeraCon auf der Fabrikbühne zu stehen.

Recht geistreich

Unglaublich geistreiche und feinsinnige Wortspiele werden von ihm benutzt, um den Zuhörern die Welt, das Ortsgeschehen und die Firmenzusammenhänge bei CeraCon zu erklären. Er leitet witzig, anschaulich und gestenreich die Herkunft und die Bedeutung der Namen der Geschäftsführer her und feuert einen Gag nach dem nächsten ab. Immer wieder baut er kurzweilig und unterhaltsam das Firmengeschehen in seinen Auftritt ein. Doch auch das Lokalkolorit kommt nicht zu kurz. Vom Gänsturm über die Tauberphilharmonie, die Jeunesses, die Grafen von Hohenlohe und die 600-jährige Kärwe bis hin zu St. Georg wird alles amüsant beleuchtet. Vom Schlossgarten, der dem Versailler nachempfunden ist, kommt er über die dreieckige Anordnung des Weikersheimer Schlosses auf die Freimaurer und spannt den Bogen einfallsreich bis zu den Illuminati weiter. Auch Politik und Kunstgeschichte werden nicht ausgelassen. Kabarettistisch sinniert er über Söder und das damit verbundene „Söderbrennen“, spricht über Dürer und Michelangelo und nimmt auch Bürgermeister Kornberger spaßig-kritisch unter die Lupe.

Zuweilen hektisch redend und hechelnd rennt er über die Bühne und spielt mit dem Mann-Frau-Klischee oder dem Status des Frankenlandes. Zusammenhalten müsse man, so meint er, egal ob Bayerisch-Franken oder Baden-Württemberg-Franken. Und gerade das Fränkische und der Heimatbezug sowie seine Selbstironie machen Tissot authentisch. Nur mit Mikro in der Hand gelingt es ihm, das Publikum durch seine außergewöhnliche Bühnenpräsenz von der ersten Sekunde an zu begeistern.

Die Besucher werden vom Künstler immer wieder in das Programm miteinbezogen. So läuft er durch die Zuschauerreihen und fragt nach den Berufen einzelner Personen, um dann geschickt eine Geschichte daraus zu spinnen. Nicht nur ist Tissot ein Meister der Rhetorik, auch als Schnelldenker fasziniert er. Informationen werden von ihm direkt verarbeitet und als Lachsalven an die Zuhörerschaft abgefeuert. So entzündet er ein Feuerwerk an Wortwitz. An diesem Abend lag die Gag-Frequenz eindeutig über dem Durchschnitt. Zum Schluss wendet sich Tissot noch einmal schelmisch grinsend ans Publikum und gibt Ratschläge fürs Leben: „Traut euch mehr zu und fangt an zu netzwerken“, denn man ist immer „nett zu Zwergen“, meint er etwa, oder: „Seht die Welt einfach anders, weil es genau das ist, was alles lustig macht“. Denn was in Erinnerung bleibt, ist der Blödsinn. Und dieser grandios-humorvolle Abend mit seinen intelligent-hintergründigen Pointen wird den begeisterten Besuchern sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben. pm