Weikersheim

Evangelische Gottesdienste in Corona-Zeiten Große Abstände voneinander, Maskenpflicht und das Gesangsverbot stehen Gemeinschaftsgefühl etwas im Weg

Ein gewisses Gefühl der Unsicherheit

Archivartikel

Eine Predigt am Bildschirm ersetzt nicht die Gemeinschaft beim Gottesdienst – selbst wenn der eigene Pfarrer zu hören ist. Viel Zustimmung fanden daher die ersten Gottesdienst nach der Pause.

Weikersheim/Main-Tauber-Kreis. Die Vorgaben der Landesregierung waren eindeutig – und alle baden-württembergischen Kirchen hatten sich darauf geeinigt, sie aus Fürsorge für die oft älteren Gottesdienstbesucher noch etwas zu verschärfen: Zwei Meter Abstand sind in den Kirchen verordnet anstelle der staatlichen Vorgabe von 1,5 Metern.

Das führte dann dazu, dass selbst geräumige Gottesdiensträume nur noch für eine relativ geringe Besucherzahl freigegeben waren – die Jodokuskirche Althausen für 32 Personen, die Stadtkirche St. Georg Weikersheim für 50 Personen oder das Paul-Gerhardt-Gemeindezentrum Igersheim für 19 Besucher. Wenn allerdings Familien gemeinsam kommen, dürfen sie zusammensitzen und dann könnte sich die Gesamtzahl etwas erhöhen.

Sehr ungewohnt

Sehr ungewohnt: Das gemeinsame Singen war wegen der Infektionsgefahr nicht erlaubt, Orgelmusik allerdings schon. Bei der Premiere der Neuregelung am letzten Sonntag gab es damit keine Probleme, wie eine Umfrage unserer Redaktion bei allen Pfarrämtern ergab.

Der eingesetzte Ordnungsdienst, meist Kirchengemeinderäte oder Mesner, zeigten die Standorte der Desinfektionsmittel und wiesen die gekennzeichneten Plätze zu. Das Anlegen der Mund-Nasen-Bedeckung war, in den einzelnen Gemeinden unterschiedlich, empfohlen oder verbindlich. „Die gehören doch jetzt zum Alltag“ – so eine Stimme. Ein Prediger allerdings fand es „gewöhnungsbedürftig, in vermummte Gesichter zu sehen“. Die Zahl der Besucher war so, dass der verfügbare Platz – soweit uns mitgeteilt – überall ausreichte. Überwiegend große Freude herrschte bei denen, die gekommen waren. Man habe die Gemeinschaft der Christen gespürt, die miteinander gefeiert haben, war zu hören und „wir haben Kraft und Stärkung für unser Leben und die neue Woche erfahren“. Die Gemeinsamkeit beim Gottesdienst sei „durch nichts zu ersetzen“.

Manche sprachen von einem gewissen „Gefühl der Unsicherheit“ und davon, dass Nachbarn erst einmal wissen wollten, wie es denn war, bevor sie sich entschlössen, es beim nächsten Mal auch selbst zu wagen. Dass man gerade am Sonntag „Kantate (Singet)“ nicht gemeinsam einen Choral anstimmen durfte, störte offenbar mehr Pfarrer und Kirchenmusiker als die Gäste. Es sei, so war zu hören, „eine wohltuende Erfahrung gewesen, zur schönen Orgelmusik die Liedtexte zu lesen“. Überhaupt empfanden es viele Menschen bewegend, die Orgel wieder zu hören. Und „emotional war auch die Verlesung der in der Zwischenzeit Verstorbenen“.

Nähe zu Bedürfnissen

Besondere Nähe zu den Bedürfnissen ihrer Gemeindemitglieder zeigten einige Pfarrer im Creglinger Distrikt. Damit möglichst viele Leute mitfeiern konnten, wurde dort zum Auftakt in allen der Kirchen Gottesdienst gefeiert, nicht wie sonst abwechselnd. Während der coronabedingten Gottesdienstpause wurden von einigen der Pfarrerinnen und Pfarrer neue digitale Formate entwickelt – Andachten auf Papier wurden ausgelegt oder in die Häuser gebracht, Video-Gottesdienste ins Netz gestellt. Sie brachten einen Erfolg, der sich dank moderner Technik genau messen lässt: Die Videos des Elpersheimer Pfarrers Horst-Frithjof Tschampel wurden bis zu 300-mal aufgerufen. In Igersheim gibt Pfarrer Uwe Krauß das Gottesdienst-Video erst genau zur Gottesdienstzeit frei. Gut 60 Aufrufe gibt es dann, weiß er – und daheim säßen dann oft ganze Familien vor dem Bildschirm und feierten besinnlich mit.

Auch hinterher werde so ein Video noch angeschaut – das vom Palmsonntag verzeichne inzwischen rund 600 Klicks. „Wir erreichen so also deutlich mehr Menschen als im normalen Gottesdienst, stellt Uwe Krauß fest. Trotzdem bleibe der Gottesdienst der „Königsweg“, denn die Gemeinschaft in Kirche oder Gemeindezentrum sei nicht zu ersetzen. Dieses Spannungsfeld lösen einige Kirchengemeinde so auf, dass sie bis auf Weiteres zusätzlich zum normalen Gemeindegottesdienst noch Audio-Andacht oder Video-Gottesdienst anbieten.

Weil die Vorbereitung eines ansprechenden Videos nicht nur geschickte Mitarbeiter braucht, sondern auch viel Zeit kostet, werden in Igersheim Video- und Gemeinde-Gottesdienste zunächst abwechselnd gefeiert.

In der Verbundkirchengemeinde Schäftersheim-Nassau-Elpersheim-Markelsheim gibt es für die ganze Gemeinde nur den einen Gottesdienst am Samstagabend, in dem auch die Video-Aufnahme erfolgt.