Weikersheim

Am Tauberwehr in Elpersheim Fischabstieg hergestellt / Tauber wird auch zur Energiegewinnung genutzt

Durchgängigkeit vorbildlich gewährleistet

Archivartikel

Elpersheim.Der Elpersheimer Energieversorger „Hermann Geuder Elektrizitätswerk“ hat mit einer umfangreichen Baumaßnahme an seiner Wasserkraftanlage einen Fischabstieg hergestellt. Durch diese Maßnahme sei die Durchgängigkeit am Tauberwehr für den flussauf- und -abwärts wandernden Fisch vorbildlich gewährleistet, heißt es in einer Pressemitteilung des Elektrizitätswerkes. Die Wasserkraft wird zudem für die Energiegewinnung genutzt. Über das Unternehmen informierte sich jetzt Landrat Reinhard Frank.

Im Frühjahr 2019 ist die Baumaßnahme durch die Fischereibehörde im Regierungspräsidium Stuttgart in enger Zusammenarbeit mit dem Umweltschutzamt im Landratsamt Main-Tauber-Kreis offiziell abgenommen worden. In Betrieb ist die Anlage seit über einem Jahr. Grund genug für Landrat Reinhard Frank und Dezernent für Kreisentwicklung, Jochen Müssig, sich von der Wirkungsweise dieser eher ungewöhnlichen Anlage ein Bild zu verschaffen. Bernd Nagel, der geschäftsführende Inhaber des Familienunternehmens, empfing neben den Vertretern des Landratsamtes auch Bürgermeister Klaus Kornberger, Ortsvorsteher Hans-Joachim Haas, mehrere Kreis-, Stadt- und Ortschaftsräte sowie Vertreter der Fischereivereinigung Mergentheim und der lokalen Wirtschaft.

Die Geschichte des 22 Meter breiten und drei Meter hohen Tauberwehrs reicht bis ins Jahr 1954 zurück, dem Jahr seiner Erbauung durch Hermann Geuder, dem Großvater des heutigen Firmeninhabers. Seither verfügt Elpersheim über einen ortsbildprägenden Stausee an zentraler Lage der Ortschaft, der insbesondere auch von Radtouristen auf der Tauberbrücke gerne als Kulisse für Erinnerungsfotos genommen wird. Mittlerweile wurde auch der von engagierten Elpersheimer Bürgern hergestellte Tauberstrand zu einem vielbeachteten Kleinod der Naherholung für Jung und Alt.

Im Jahr 2008 wurde die bereits 1954 im Stellwerk errichtete Fischtreppe abgelöst durch ein Umgehungsgerinne als Wanderhilfe auf der Tauber-Nordseite.

Als Rahmen für die im Jahr 2018 durch den Betreiber der Wasserkraftanlage durchgeführte Maßnahme diente aufgrund der Schutzbedürftigkeit des Europäischen Aals die 2007 in Kraft getretene EU-Aalverordnung mit Maßnahmen zur Wiederauffüllung des Bestands des Aals. Nach den Vorgaben dieser EU-Aalverordnung wurde ein deutscher Aalbewirtschaftungsplan für das Rheineinzugsgebiet erstellt. Das Ziel der Verordnung besteht darin, die Abwanderung von Aalen aus den Binnengewässern in Richtung des Laichgebiets Sargassosee (Karibik) zu ermöglichen. Damit, insbesondere bei Niedrigwasser, der Fischbestand durch das bloße Folgen der Lockströmung Richtung Wasserkraftanlage gefährdungsfrei flussabwärts abwandern kann, wurde im Mühleinlaufkanal ein Bypass vor der eigentlichen Wasserkraftanlage angelegt. In drei Metern Tiefe führt ein 500 mm starkes Ableitungsrohr die Fische aufwärts in ein Vorbecken. Dort können sie dann mit einer definierten Wassermenge von 115 l/sec in ein zweites, niedriger liegendes, Becken eintauchen und somit durch ein weiteres Verbindungsrohr ins zirka 15 Meter entfernte Unterwasser (der Wasserbereich nach dem Wehr) abschwimmen.

Ergänzend informierten sich Landrat Frank und Dezernent Müssig über die Energieversorgung im Ort, welche durch das E-Werk seit 1909 sichergestellt werde, wie es in der Pressemitteilung weiter heißt.

In seiner Funktion als Schirmherr und Initiator des Klimaschutzkonzeptes des Main-Tauber-Kreis legte Landrat Frank sein besonderes Augenmerk in der Diskussion auf die klimafreundliche Herstellung der Energie aus erneuerbaren Quellen. Neben der Nutzung der Wasserkraft wird noch mit über 1,3 MW installierter Photovoltaikleistung auf über 100 Dächern Elpersheims umweltfreundlicher Strom hergestellt – und das schon seit 2001. Umgerechnet auf die knapp 350 Haushalte verfügt Elpersheim somit über eine außerordentlich hohe Dichte an Photovoltaikanlagen. Das Stromnetz wurde hierzu in den vergangenen Jahren immer wieder ausgebaut und verstärkt, um so das Einspeisen der Energie zu ermöglichen. Seit Anfang des Jahres betreibt das E-Werk an der Tauberbrücke eine eigene Ladestation mit zwei Stellplätzen des Standard-Stecker-Typs 2 (bis zu 22kW Ladeleistung) für die Elektromobilität in unmittelbarer Nähe zur neuerrichteten Umspannstation Molkerei. Mittlerweile gibt es mehrere Elektroautos im Ort, so dass die Ladestation eine regelmäßige Nutzung erfährt.

Über den Standort direkt am Radweg-Klassiker „Liebliches Taubertal“ zeigte sich auch Dezernent Müssig erfreut, da auch ein Beladen der E-Bikes und Pedelecs möglich ist. Gemeinsam mit Bürgermeister Kornberger und Ortsvorsteher Haas, die mit der Bereitstellung des öffentlichen Grunds einen wesentlichen Beitrag zur Standortwahl geleistet haben, wurde die Ladestation nunmehr förmlich eingeweiht.