Weikersheim

Evangelische Kirche Württemberg wählt am ersten Advent / Kandidaten zur Landessynode stellten sich vor

Die Herzen der Menschen erreichen

Archivartikel

Am 1. Dezember sind Kirchenwahlen in Württemberg. Jetzt stellten sich die Kandidaten zur Landessynode vor. Der Wähler wird bei seiner Entscheidung Persönlichkeit und Herkunft zu wägen haben.

Niederstetten. Die Landessynode ist das Parlament der evangelischen Landeskirche. Sie beschließt den Haushalt und berät über wesentliche Ordnungen des kirchlichen Lebens. Im Wahlkreis Crailsheim-Blaufelden-Weikersheim werden zwei Nichttheologen (im Kirchendeutsch „Laien“ genannt) und ein Pfarrer gewählt. Parteien gibt es in der Synode nicht, nur lockere Gruppierungen – „Gesprächskreise“ genannt. Die Kandidaten präsentierten sich in einer öffentlichen Sitzung der Bezirkssynode.

„Aufbruch ist angesagt, damit Kirche im Gespräch bleibt, betonte der Crailsheimer Pfarrer und Oberstudienrat Peter Gansky vom Gesprächskreis „Kirche für morgen“. Es gelte, die Ehrenamtlichen ernst zu nehmen. Falsch sei , dass sich „die Kirche gerade durch ihr Sparprogramm ‘abschafft’, indem sie Pfarrstellen streicht“. Als Religionslehrer komme er ins Gespräch mit jungen Menschen und könne ihnen „den Glauben schmackhaft und verstehbar machen“. Als Stadtrat in Crailsheim habe er zudem Gremiumserfahrung.

Vorschriften abbauen

Für den gleichen Gesprächskreis steht Christiane Pappenscheller-Simon, Dipl.-Päd., Lehrerin i.R., aus Crailsheim. Ihre Kandidatur, so hob sie hervor, „erweitert die demokratische Wahl“. Gremien bräuchten Frauen, weil die „eine ganze Bandbreite an Erfahrungen“ mitbrächten, die sich nicht allein auf den Beruf bezögen. Als langjährige Prädikantin habe sie „einen Rundumblick, was Gemeindeleben betrifft“. Sie stehe für christliche Werte, die sich an Jesu Worten von der Nächstenliebe orientierten. Vorschriften müssten abgebaut werden, damit christliches Tun wieder im Mittelpunkt stehe.

Für den Gesprächskreis „Lebendige Gemeinde“ stellt sich Dekan Siegfried Jahn aus Blaufelden zur Wahl – bereits seit 2007 Mitglied der Landessynode. Die Kirche muss nach seinen Worten „durch ein ausgeprägtes Profil erkennbar sein“. Sie müsse „Freude am Evangelium zeigen und sie verbinden mit der Freude an den Menschen“. Eine missionarische Kirche wünsche er sich. Sein Hauptanliegen sei, „unsere Kirche nah bei den Menschen zu lassen“.

Dazu müsse auch die Familienarbeit deutlicher gestärkt werden. Strukturveränderungen seien daran zu messen, ob die Pfarrer durch sie mehr Zeit haben „für ihre wichtigen Aufgaben der Verkündigung, Seelsorge und den Unterricht“.

Ebenfalls für die „Lebendige Gemeinde“ kandidiert Dr. Markus Ehrmann, Landwirt aus Rot am See.

Als Mitglied im Kirchenbezirksausschuss und Jugendkreisleiter in seiner Gemeinde wisse er, dass es „neue Aufbrüche“ brauche, damit sich Jugendliche „wieder mehr in unserer Kirche zuhause fühlen“. Durch seinen beruflichen Werdegang sei er in der akademischen Welt zuhause und auch Landwirt, der zu diesem Bereich in der Synode fundiert Stellung nehmen könne.

Er stehe für eine Kirche, die „der Gesellschaft dient“, aber gleichzeitig fokussiert sei auf ihr Hauptziel, die Predigt des Evangeliums. Er stehe auch „für eine Kirche, in der die Unterschiedlichkeit als Stärke wahrgenommen wird“.

Die beiden Kandidaten aus dem Main-Tauber-Kreis gehören zum Gesprächskreis „Offene Kirche“. Matthias Widmayer ist nach dem Gemeindepfarrdienst in Wachbach jetzt Pfarrer für Religionsunterricht. Er möchte „mit den jungen Menschen ins Gespräch kommen“ und ihnen die „grundlegende Botschaft“ deutlich machen: „Du bist Gott wichtig, du bist wertvoll!“. Im Ehrenamt ist er aktiver Feuerwehrmann und Leiter der Notfallseelsorge im Main-Tauber-Kreis. Als Kirchenmusiker hat er Organistendienst versehen und den Kirchenchor Wachbach geleitet. Einsetzen wolle er sich für Offenheit und Gerechtigkeit, die Kirche müsse „ihre Stimme erheben und auch politisch sein“.

Die „Sprache des Volkes“

Dr. Martina Klärle aus Schäftersheim, Professorin für Landmanagement und Umwelt in Frankfurt, war lange Jahre Mitarbeiterin in der Kinderkirche, sie gehörte der Bezirkssynode an und ist seit sechs Jahren Mitglied der Landessynode. „Ich bin Christin durch und durch, aber in der Organisation Kirche nicht mit allem einig“. In der Landessynode habe sie sich auch darum bemüht, „die Sprache des Volkes der Kirche näher zu bringen“. Engagieren wolle sie sich weiterhin für den ländlichen Raum, den Klimaschutz und die Demokratie. Grundlage der kirchlichen Botschaft müsse das Reden Jesu von der Liebe bleiben.

In der Diskussion setzt die Kandidaten individuelle Akzente bei der Frage der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. Einig waren sie darin, dass „jeder ein Mensch Gottes ist“ (Markus Ehrmann) und „jeder den Segen Gottes verdient hat“ (Siegfried Jahn). Unterschiedlich war die Bewertung biblischer Texte und damit die Zustimmung zur Segnung der Partnerschaft. „Entwürdigend“ fand es Martina Klärle, dass jetzt nur ein Viertel der Gemeinden die Erlaubnis zu solchen Segnungen bekämen.

Gefragt nach den Möglichkeiten, jüngere Leute wieder „Lust auf Kirche“ zu vermitteln, war man sich einig, dass man die Jugendlichen „da abholen muss, wo sie sind“ (Martina Klärle). Möglich sei das durch Profilierung der Gottesdienste (Matthias Widmayer), andere Musik und spirituelle Lieder (Christiane Pappenscheller-Simon) und „Übersetzung der christlichen Wort-Hülsen“ (Peter Gansky). Markus Ehrmann wünschte mehr Zusammenarbeit der Gemeinden und Siegfried Jahn erinnerte daran, dass man nicht einfach mehr Teilnahme am Gottesdienst fordern dürfe – die Herzen der Menschen müsse man erreichen.

Die hohe Leistung der Prädikanten wurde übereinstimmend gewürdigt. Ob eine Bezahlung ihres Dienstes als Anerkennung sinnvoll sei, blieb unklar. Uneinigkeit herrschte über den Sinn der für 2030 geplanten letzten Runde des „Pfarrplans“. Man dürfe „einen halbfertigen Prozess nicht abbrechen“, betonte Siegfried Jahn, unterstützt von Martina Klärle.

Matthias Widmayer stellte fest, nach den Pfarrplänen müsse es jetzt einen „Gemeindeplan“ geben und Christiane Pappenscheller-Simon bemerkte „Wenn wir Theologen haben, ist das Geld kein Thema“. An denen fehle es aber – darum müsse man „die Bürokratie runterfahren und den Beruf attraktiver machen“.