Weikersheim

Weikersheimer Gemeinderat Grünes Licht für drängende Maßnahmen / 730 000 Euro bleiben an Stadt hängen / Auch Brücken-Sanierung vorgesehen

Busbahnhof wird komplett neu gebaut

Er sieht optisch derzeit noch wie ein „sozialer Brennpunkt“ aus – jetzt bringt der Weikersheimer Gemeinderat die Neugestaltung des Omnibusbahnhofs auf den Weg.

Weikersheim. Für den modernen Verkehr ist der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) am Weikersheimer Bahnhof längst untauglich geworden. Er genügt z.B. den Anforderungen an die Barrierefreiheit nicht mehr – und das ganze Umfeld ist, um es klar zu sagen – verlottert. Beschmierte, besprayte Betonsockel an der Fußgängerbrücke zu den Schulen, das Bauwerk selbst ist dringend sanierungsbedürftig.

Aktuell kein schöner Anblick

Fahrradhalterungen sind abgerissen, „wilde“ Schrott-Zweiräder baumeln an den Halterungen. Und der kaputte, neben seinem Haltesockel stehende Mülleimer quillt über; Abfall verteilt sich darum herum. Kein schöner Anblick, wenngleich die Anlage an sich durchaus noch funktioniert. Doch so ein ZOB ist auch eine Eintrittskarte für die Stadt, die vielen Radtouristen, die Bus und Bahn nutzen haben hier den ersten Eindruck.

Vor dem Weikersheimer Gemeinderat war der ZOB am Donnerstag das große Thema. André Metzger vom örtlichen Ingenieurbüro Dreikant stellte nach einer umfassenden Bedarfsermittlung seine ersten Planungen und den möglichen Bauverlauf für die Umgestaltung des Areals vor. Die finanzielle Perspektive hier zuerst: Rund 1,2 Millionen Euro werden insgesamt benötigt. Nach möglichen Förderungen werden wohl um die 730 000 Euro an der Stadt Weikersheim hängen bleiben. Umgesetzt werden soll der gesamte Bau im Jahr 2020 bei rund fünf Monaten Bauzeit.

Das Thema ZOB ist insgesamt komplex, denn es sind einige gesetzliche Anforderungen unter einen Hut zu bringen. Am wichtigsten ist die geforderte Barrierefreiheit, die bis Ende 2021 gesetzlich vorgeschrieben ist. Wenige Kommunen werden das schaffen, war sich Metzger vor dem Bürgergremium sicher. Für Weikersheim stehen die Chancen aber ganz gut.

Im Kürze die Problemfelder am ZOB: Verdrückungen und Spurrinnen auf den Fahrbahnen, die bisherigen „Bus-Bahnsteige“ zwingen beim Umsteigen zu ungeschickten Umwegen, Fahrgastinformationen fehlen oder sind unzureichend, es fehlt an der Ausstattung, es gibt ein „Konfliktpotenzial zwischen den Verkehrsteilnehmern“.

Moderne Lösungsansätze

Die bisherigen Pläne von Metzger ebenfalls in Kürze: Die Bushaltebuchten sollen um eine zentrale „Insel“ angelegt werden (auch wegen der zunehmenden Länge der neuen Bustypen), es entsteht ein so genannter Mittelbussteig mit Informationssystem über sämtliche Verkehrsbewegungen. Ein taktiles Leitsystem wird eingebaut; es führt Sehbehinderte übers Gelände. Dieses wird auch für Rollstuhlfahrer angepasst, etwa durch Hochborde. Im westlichen Teil soll eine öffentliche Toilette entstehen.

Die Fußgängerbrücke, über die in mehreren ermittelten Stoßzeiten große Schülerzahlen die Gleise überqueren, soll saniert werden – sie fällt allerdings in den Verwantwortungsbereich der Bahn.

In der Gemeinderatssitzung war von einer „geplanten Sanierung“ die Rede. Offenbar will die Bahn das eigentliche Brückenbauwerk erhalten; der vielfach marode Sockel- und Aufgangsbereich, der vom Niveau des Bahnhofs hinauf auf die „Schulebene“ führt, muss wohl neu gebaut werden.

Die solide Planung steht und wurde ohne große Diskussion vom Gemeinderat gebilligt. Der Antrag auf Fördergelder wird eingereicht, im kommenden Jahr rechnet die Stadt mit den Zusagen, die je nach „Gewerk“ unterschiedlich ausfallen können. Im Herbst 2019 soll die Ausschreibung erfolgen – Umsetzung um die Sommerferien 2020. Weil sich die Maßnahme kaum in der Ferienzeit realisieren lässt, muss die Stadt im Bauzeitraum über einen „Ersatzbusbahnhof“ nachdenken.