Weikersheim

Schloss Weikersheim Barocker Garten steht in voller Blüte

Bunter Sommerflor aus rund 22 000 Pflanzen

Archivartikel

Weikersheim.Im August präsentiert sich der barocke Schlossgarten Weikersheim in seiner ganzen Farbenpracht: Die Rabatten, nach alten Pflanzmustern angelegt, stehen in voller Blüte – letzter bunter Glanz vor den sanfteren Farben des Herbstes. Was vielen heute gar nicht mehr bewusst ist: Im 18. Jahrhundert, in der Zeit, als der Garten entstand, waren viele Pflanzen noch exotische und kostbare Neuentdeckungen aus fernen Kontinenten; darunter auch heute ganz vertraute Gartenblumen.

Dahlien, Fuchsien, Zinnien, Cosmeen und sogar der gelbe Sonnenhut: Was heute das Bild eines sommerlichen Gartens ausmacht und in fast jedem Garten zu finden ist, das war zur Zeit der Entstehung des Weikersheimer Schlossgartens noch fremd und exotisch. Die Blütenpflanzen kamen mit der Entdeckung und Erforschung der fremden Kontinente nach Europa: Überwiegend kamen sie aus der Neuen Welt, aus Mittel- und Südamerika, das das Ziel vieler Botaniker und Naturforscher war. Dahlien etwa wurden schon bald nach der Eroberung des Aztekenreichs im 16. Jahrhundert von den Europäern bewundert, Fuchsien beschrieb ein Naturforscher erstmals im 17. Jahrhundert und Cosmea, Zinnie und Sonnenhut fanden erst im Lauf des 18. Jahrhunderts den Weg von Amerika in die europäischen Gärten.

Die leuchtend bunten Blütenpflanzen setzte man im 18. Jahrhundert dicht in üppigen Rabatten zusammen, sodass sich ein abwechslungsreiches und vielfarbiges Bild ergab – farbintensiv wie ein kunstvolles Emaille-Band. Die Gartenhistoriker kennen diese Art der Pflanzung aus den Gartenlehrbüchern der Zeit. In Weikersheim ist besonders gut zu sehen, wie das Gesamte des Gartens komponiert wurde: Das farbige Band der blühenden Rabatten erhielt Akzente durch in geometrische Formen geschnittene Bäumchen in Kübeln.

Viel Arbeit für Gärtner-Team

Der Sommerflor im Schlossgarten besteht aus etwa 22 000 Pflanzen in 60 unterschiedlichen Sorten. Dazu kommen die Kübelpflanzen: 280 Bäumchen sind es in Weikersheim, davon allein 70 Töpfe mit Zitrusgewächsen. Den Winter haben sie im sicheren Glashaus verbracht – und das ist im Weikersheimer Garten die berühmte barocke Orangerie, ein architektonisches Kleinod. Der Schlossgarten erstreckt sich auf sieben Hektar. 7000 Quadratmeter Rasen haben die Schlossgärtner zu pflegen und insgesamt 1,5 Kilometer Rabatten mit ihrer reichen Bepflanzung. Außerdem kümmert sich das Gartenteam um 650 Bäume. In der Hochsaison arbeiten bis zu 15 Personen im Schlossgarten. ssg