Weikersheim

Turngau Hohenlohe Gauehrenriege feierte ihr 60-Jahr-Jubiläum am Gründungsort / Friedrich Bullinger empfängt elf neue Mitglieder

Bullinger zählt „gerade auf die Älteren“

Archivartikel

Die Gauehrenriege des Turngaus Hohenlohe hat an ihrem Gründungsort ihr 60-Jahr-Jubiläum gefeiert und elf neue Mitglieder aufgenommen.

Weikersheim. In Weikersheim wurde die Idee der Gauehrenriege geboren, hier gestaltete vor beinahe hundert Jahren der Küfermeister August Frobenius den seit sechs Jahrzehnten mit den Alterstreffen wandernden Eichenholzpokal.

Am Gründungsort – vor sechs Jahrzehnten mit einem Festakt im Rittersaal besiegelt – feierte die Riege der verdienten Turnsenioren jetzt in der Tauberphilharmonie ihr 60-jähriges Bestehen.

Die meisten Angehörigen der Gauehrenriege haben sich bereits vor dem Festakt zu einer Schlossführung getroffen, bei der Carola Rollmann die Gäste auf echt hohenlohisch und nach standesgemäßem Einzug selbstverständlich auch im Rittersaal willkommen hieß.

Über 80 000 Sportvereine

Im Wittenstein-Saal der Tauberphilharmonie eröffneten dann Antonia Neumann und Sophia Ball mit wunderschönem von Lukas Herold am Klavier begleitetem Duett-Gesang das nachmittägliche Festprogramm, zu dem die stellvertretende Turngauvorsitzende Christel Kantenwein empfing.

Herzlichst zum Jubiläum gratulierte der Turngauvorsitzende Friedrich Bullinger auch im Namen des gesamten Vorstands und der 137 Mitgliedsvereine und ihrer 44 000 Mitglieder.

Insgesamt über 80 000 Sportvereine gibt es in Deutschland, die mit über zwei Millionen Ehrenamtlern jährlich rund eine halbe Milliarde Arbeitsstunden leisten. Diese Einsatzbereitschaft gelte es zu erhalten und zu pflegen, um auch weiterhin sowohl dem Breiten- und dem Leistungssport als auch Trendsportarten eine Heimat zu geben, so Bullinger.

Bullinger sagte, er zähle gerade auf die nicht mehr durch beruflichen Terminstress gebundenen Älteren, die sich als Wiedereinsteiger in den Vereinen fit halten können und dort auch wieder Verantwortung übernehmen könnten.

Heute, so Bullinger mit kritischem Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen, müsse mancher, der laut Forderungen und Ansprüche stelle, Begriffe wie Verzicht und Verantwortung googeln. Die Gesellschaft pendle auch sportlich zwischen Extremen wie einerseits Bewegungsmangel und Fettsucht, andererseits Extremsport und Magersucht.

Frage nach der Mitte

Nachdenklich und kritisch fragte er nach, wo eigentlich „die Mitte“ bleibe. Heimat könnten da, meint Bullinger, Vereine wie die Sportvereine anbieten, die auch gesellschaftliche und soziale Tugenden pflegten. Nicht nur den Anwesenden rief er zu: „Treiben Sie Sport – es ist eine Überlebensstrategie!“ Nach dem ehrenden Totengedenken für Paul Bierbaum (TSV Künzelsau), Manfred Frank (TSV Michelbach/Bilz), Gisela Haaf (TSV Kupferzell), Franz Lauber (TV Rot am See), Hans Munz (TSV Bitzfeld) und Inge Wüst (TG Forchtenberg) hieß Klaus Kornberger die rund 120 Teilnehmer im neuen Gebäude willkommen.

„Beste Rahmenbedingungen“

Weikersheim strebe auch für den Sport beste Rahmenbedingungen an. Die „ein bisschen sportverrückte“ Stadt habe die beiden abteilbaren Turnhallen erst kürzlich durch einen neuen Sportplatz ergänzt.

Den gastgebenden TSV Weikersheim stellten Rosemarie Spitzley, die den Hauptverein seit 19 Jahren leitet, und Günter Steinmüller, seit 1996 Leiter der Turnabteilung, gemeinsam vor.

Als 1959 die Gauehrenriege gegründet wurde, zählte der damals noch ohne Abteilungen aktive, 1963 von den Turnern gegründete TSV 531 Mitglieder.

Inzwischen ist der Verein auf rund 1200 Mitglieder in sechs Abteilungen angewachsen. Fußball wird seit 1923 gespielt, 1961 kam die Tennisabteilung dazu, 1993 ging aus der Turnabteilung die Volleyballabteilung hervor, 1998 gesellte sich sie Badminton-Abtelung hinzu, und 2006 gründeten die Ju-Jutsu-Turner die bislang jüngste eigene Abteilung.

Die aktuell 550 Mitglieder, also einigen mehr, als der Gesamtverein 1959 zählte, betreuen 28 Übungsleiterinnen und ein Übungsleiter. Das Angebot reicht vom Eltern-Kind-Bereich über Vorschulturnen, Breitensport und der Talent-Kids-Gruppe zur Nachwuchsförderung im Leistungsturnbereich.

Großer Zulauf

Großer Zulauf sorgt teilweise für Wartelisten, so Steinmüller, der auch kurz auf die ein- oder zweijährig stattfindenden Highlights wie die Kinderolympiade während der Kärwe, die Sportschau und den Turntag hinwies. Was schon die Jüngsten zu bieten haben, präsentierten die vier bis sechsjährigen „Turntiger“ mit ihren Übungsleiterinnen Kathrin Jäger und Julia Tremml, ehe Öhringens stellvertretende Bürgermeisterin Irmgard Kircher-Wieland den hölzernen Pokal an Weikersheims Bürgermeister Klaus Kornberger weiterreichte, der dem mit vier intarsierten Turnvater Jahn-„F“ – frisch, fromm, fröhlich, frei – verzierten Eichenholzpokal einen gebührenden Platz im Rathausfoyer zusagte.

Kircher-Wieland erinnerte daran, dass der damalige Turngauvorsitzende Carl Weber einst die Ehrenriege gegründet habe. Den ersten Schluck aus dem Pokal der jung gebliebenen Senioren nahm 1959 Oberlehrer Wurst als Vertreter des damaligen Weikersheimer Bürgermeisters Hirsch.

Heuer füllte man vorsichtshalber den Übergabewein nicht in den Pokal: die Jahre haben der feinen Küferarbeit doch etwas zugesetzt, und ohne vorheriges ausdauerndes Wässern wäre wohl zu viel der edlen Tropfen aus dem Gefäß geronnen.

Die Talent-Kids-Gruppe sorgte mit Salti und Spagat im teilweise zur Sporthalle mutierten Wittenstein-Saal für begeisterten Beifall, ehe der Turngauvorsitzende elf neue Mitglieder in der damit auf 178 Mitglieder anwachsenden Gauehrenriege feierlich empfing.

Neu aufgenommen

Neu in die Gauehrenriege aufgenommen wurden Rainer Biedermann (SV Gailenkirchen), Werner Buksch (TSV Sulzdorf), Anneliese Laukenmann (SV Gründelhardt-Oberspeltbach), Franz Mihsler (TSV Weikersheim), Armin Neuhaus (SV Gailenkirchen), Gerhard Obernosterer (TSV Ohrnberg), Rosemarie Spitzley (TSV Weikersheim), Monika Stendler (SC Bibersfeld), Josef Stendler (SC Bibersfeld), Martin Tuffentsammer (TG Forchtenberg) und Rolf Wolfarht (TSG Öhringen).

Sie alle sind auch im Rentenalter aktive und vorbildliche Sportler, die seit Jahrzehnten ihren Vereinen unter anderem in langjährigen Leitungsfunktion die Treue halten.

Den musikalischen Schlussakkord setzten die Festgäste zum Akkordeon stehend mit der Turnerhymne.

Bei der Gründung vor sechs Jahrzehnten im Rittersaal hatte der Öhringer Spielmanns-und Fanfarenzug die Hymne vorgetragen.