Weikersheim

Sternwarte Weikersheim Fotografen postierten ihre Stative in den Feldern rings herum / Weniger Besucher aufgrund von Corona

Blick auf Kometen „Neowise“ genossen

Archivartikel

Um einen Blick auf den Kometen „Neowise“ zu erhaschen, waren einige astronomisch Interessierte zur Weikersheimer Sternwarte gekommen.

Weikersheim. Langsam verblasst der Komet wieder: für die letzten Blicke auf den Weltraumbrocken brauchte man schon ein Fernglas. Ohne die Corona-Pandemie hätten sicher einige hundert Interessierte den Blick durchs große Teleskop der Astronomischen Vereinigung Weikersheim genießen können. Als vor 23 Jahren Hale Bopp der Erde nah kam, gaben sich an einem einzigen Tag 600 Besucher die Klinke in die Hand.

Doch da die Viren auch die Augen als Infektions-Einfallstor nutzen können, mussten die Weikersheimer Astrofreunde Besucher vom Okular des Teleskops fern halten. Dennoch ging es an den Abenden der größten Annäherung des Kometen recht lebendig zu rund um die Sternwarte.

Tipps von den Profis

Fotografen und mit Ferngläser ausgerüstete Menschen suchten sich rund um den Sternwarten-Standort dunkle Fleckchen, um zumindest den Standortvorteil bei der Beobachtung zu nutzen – und freuten sich, wenn Mitglieder der Astronomischen Vereinigung, darunter der Vorsitzende Rainer Zierlein und sein Stellvertreter Jens Hackmann, ihren Ausguck verließen und ihnen Tipps für gelingende Aufnahmen gaben, in Gesprächen außerhalb der Beobachtungskuppel und des Seminarraums Fragen zum Kometen beantworteten.

Auch für die Mitglieder der Astronomischen Vereinigung hatte die Pandemie sämtliche Planungen durchgerüttelt. Schon der Märzvortrag und die Veranstaltung zum bundesweiten Tag der Astronomie fielen aus, im April und Mai blieb die Pracht von Venus, Mars und Merkur für Beobachter fern, erst seit Juli konnte der Verein wieder ersten Besuchern in kleinen Gruppen von bis zu sechs Personen im Seminarraum den Blick in den Sternenhimmel näher bringen. In normalen Jahren statten zwei- bis dreieinhalbtausend Gäste der Sternwarte einen Besuch ab; für die Sterne und die Beobachtungstechnik interessieren sich Schulkinder ebenso wie semiprofessionelle Sternbeobachter, berichtet Jens Hackmann. Selbst die quirligsten Kinder hören genau zu, wenn er oder ein anderes Mitglied der Astronomischen Vereinigung mit fassbaren Vergleichen anschaulich über Planeten, Sonnensystem, Milchstraße, Kometen und Sternschnuppen erzählen.

Die Hitliste der am häufigsten gestellten Fragen führt eindeutig die nach außerirdischem Leben an. Da komme man dann schon mal ins Philosophieren und Spekulieren, berichten die Mitglieder des Vereins, die trotz ihres wissenschaftlichen Ansatzes „ein bunter und geselliger Haufen“ sind. Bunt gemischt ist die Truppe allemal: Unter den 122 Mitgliedern sind sämtliche Bildungsabschlüsse und Altersgruppen vom Grundschulkind bis zum gut 90-jährigen Senior vertreten. Dass vom Zimmermann über Schmied und Installateur bis zu Elektronikprofis, Ingenieuren und Verwaltungsfachleuten nahezu alle Berufsgruppen vertreten sind, kommt der Sternwarte durchaus zugute: Etliches kann mit eigenen Kräften geregelt werden, etwa, wenn ein Anstrich der Kuppel fällig ist oder die Technik Wartung braucht.

So vielfältig wie die Vereinsmitglieder sind auch die Besucher: Schulklassen, Vereine, Geburtstagsgesellschaften und Firmenabteilungen waren schon da und riskierten den Blick auf die Sterne. Im barrierefreien Seminarraum, in dem man bei Bedarf live mitverfolgen kann, was das Teleskop gerade anvisiert, ließen sich auch schon Gruppen mit Handicaps auf den Zauber des Alls ein. Gerade bei der Annäherung eines Kometen Besuchern diese Möglichkeit vorenthalten zu müssen, schmerzte – und ließ die Astonomische Vereinigung zu ganz neuen Möglichkeiten greifen: Im April boten sie den ersten virtuellen Beobachtungsabend an, übertrugen via Handykamera live den Blick auf die Sterne.

Rund 2000 Menschen verfolgten begeistert die Beobachtung an ihren Endgeräten in aller Welt. Selbst ein Gruß aus Oklahoma erreichte die Weikersheimer Sterngucker. Ein Videomitschnitt (https://youtu.be/cSC6AqpS4CA) ist vorhanden. Einen Ausflug ins virtuelle Planetarium ist ebenfalls möglich per kostenlosem Download über die Homepage der Astronomischen Vereinigung Weikersheim e.V. (www.sternwarte-weikersheim.de). Auch, wenn die Technik so immerhin einen Ersatz bot, hoffen die Mitglieder, ab September langsam wieder in eine Art „Normalbetrieb“ unter Coronabedingungen übergehen zu können.

Zwar ist es kaum wahrscheinlich, dass dann bei Führungen bereits wieder alle 30 Plätze im Seminarraum zur Verfügung stehen werden; derzeit dürfen sich dort nur sechs Personen mit Maske gleichzeitig aufhalten.

Zum Trost gibt’s bis dahin via Handy, Tablet, PC den Blick aufs Stellarium der Astronomischen Vereinigung – und via Youtube (Link: https://youtu.be/p5BgIH1AEtg) auch den auf Neowise.