Weikersheim

club w 71 Geschichte der „Kärwe-Club-Ausstellungen“ beleuchtet / Von 50 Jahre Jeunesses bis „Kirche – Kärwe“

Am Anfang war es nur ein Versuch

Archivartikel

Die Fotoausstellungen des club w 71 gehören mittlerweile einfach zur Kärwe dazu. Wir werfen einen Blick auf ihre Geschichte.

Weikersheim. Elsbeth Schmidt, Norbert Bach und Robert Schuler gehören zu denen, die den phasenweise legendären Weikersheimer „club w 71“ mit aufgebaut und geprägt haben. „16 Jahre alt musste man sein, um offiziell Mitglied werden zu können“, erinnern sie sich. Und daran, wie ungeduldig sie mit den Hufen scharrten, bis es so weit war. Natürlich hatten sie auch schon vorher reingeschaut. Nach anderthalb Jahren Streit mit Bürgermeister, Gemeinderat, den Arrivierten, nach reichlich Leserbriefschreiberei und Vereinsgründung öffnete im Oktober 1971 der Weikersheimer Club. Er legte mit Karikaturen-Ausstellung, Lesung, dem ersten großen Free-Jazz-Konzert und jeder Menge politischer Diskussion im Vorfeld der anstehenden Gemeinderats- und Kreistagswahlen ein anspruchsvolles Programm auf. Da war selbst der älteste der drei oben Genannten gerade mal 15. Verpasst hat er nur das allererste Clubjahr. Sein anspruchsvolles Kulturprogramm finanzierte der Club von Anfang an überwiegend während der Kärwetage und -nächte. Da hatte der Jugendclub lange auf, Zeltgäste kamen anschließend zum „Absacker“. Immer mal wieder lud man zu Ausstellungen ein: Jazz-Plakate, junge Künstler und regionale Talente waren dann zu sehen. Sogar Reingard Glass stellte im Club aus. Als – das ist gut zwei Jahrzehnte her – das Interesse an der Kärwe zu schwinden schien und in der Folge die Einnahmen karger flossen, suchte das Vorstandsteam nach neuen, zugkräftigen Ideen.

Entschlossen rief der Club 2002 übers Amtsblatt dazu auf, für eine Kärwe-Club-Ausstellung die Familienalben nach alten Kärwebildern zu durchstöbern. Das machte neugierig, war eine Idee, mit der der Club besonders die ältere Generation überraschte. Die blätterte gern in alten Alben, Clubmitglieder löcherten ihre Familien, und schon im Vorfeld sprach sich schnell herum, dass da etwas passiert, das interessant werden könnte.

Die Idee kam blendend an, und als die Kärwebilder hingen, summte es im Club nur so. „Das bin ich, guck mal!“, „Ist das nicht...?“ und „Weißt Du noch?“ waren Sätze, die man öfter vernahm.

Kinder und Enkel drückten sich fast die Nasen platt an den fotografierten Kärwegeschichten. Manch eine Erzählung bekam nun ein erstes Mal ein Gesicht. Als im Jahr darauf der Sportverein sein Jubiläum feierte, fragte der nach, ob der Club nicht auch dazu eine Fotoausstellung machen könnte.

Man konnte: Im Folgejahr entschied sich das rührige Trüppchen, lokale Sozialgeschichte aufzugreifen und sammelte Bilder zum Arbeitsalltag in Weikersheim.

Damit war eine Tradition geboren, für die 2005 dann erstmals mit Plakaten geworben wurde – auch, weil das Bild der drei Frauen, die ihren Nachwuchs über den Marktplatz schoben, sich als Plakatbild zum Thema „Kindheit in Weikersheim“ regelrecht aufdrängte.

Neue Ideen sprudelten

Dann folgten Jahr für Jahr, mal auf Vorschlag von Vereinen und Organisationen, mal aus Interesse an speziellen Lokalaspekten geboren, neue Themen, etwa zum 50-Jahr-Jubiläum der Jeunesses Musicales (2007) oder in diesem Jahr: „Kirche –Kärwe“. Ein Hauch von Nostalgie und Veränderungserkenntnis wehte das Publikum der 2015er Ausstellung „Weikersheimer und ihre Häuser“ an. „Wie, das gab es mal?“ und „Schade – auch weg!“ war zu hören. Diesen Prozess griff das Ausstellungsteam im Folgejahr mit der ersten vergleichenden Ausstellung „Weikersheim verändert sich – Ansichten gestern und heute im Vergleich“ auf. Ohne Eugen Pichler, der viel Zeit aufwendete, um die perfekte Gegenwartsergänzung zu den alten Fotos machen zu können, wäre eine vergleichende Ausstellung bei drei voll berufstätigen Organisatoren nie möglich gewesen. Es war von Anfang an ein Riesenaufwand, die eingehenden Bilder zu sichten, rund 80 Aufnahmen auszuwählen, Repros anzufertigen und, in Themenblöcken zusammengestellt, zu rahmen.

Der Aufwand für vergleichende Ausstellungen – eine zweite war im vergangenen Jahr zu erleben – ist ungleich größer. Und der Effekt ist ein anderer: Zum manchmal verklärend-nostalgischen oder auch abschätzigen Blick zurück gesellte sich Nachdenklichkeit über vergangene, gegenwärtige und manchmal auch künftige Veränderungen.

Die Doppelbilder werfen Fragen auf: „War das gut so? Geht das so weiter? Wollen wir das?“ Das inzwischen mit Hannah und Eugen Pichler zur Fünfer-Gruppe aufgestockte Ausstellungsteam kann mit seiner immensen ehrenamtlichen Arbeit zufrieden sein: Es leistet nicht nur einen unverwechselbaren lokalgeschichtlichen Beitrag zur Kärwe, sondern hinterlässt auch späteren Generationen ein thematisch geordnetes Bildarchiv, das spätestens 2020 über 1500 Bilder umfassen wird: eine perfekte Ergänzung zu Stadtarchiv und Stadtmuseum. Und Fotograf Robert Schuler appelliert gemeinsam mit den Mitstreitern, alte Fotoalben nicht einfach wegzuwerfen, sondern sie dem club w 71 zumindest vorher zur Durchsicht zur Verfügung zu stellen.