Weikersheim

Tauberländer Dorfmuseum Flohmarkt, Führungen und „Waschtag anno dazumal“ begeisterten die Besucher beim 2. Museumsfest

Alltagsgeschichte lebendig gemacht

Das zweite Museumsfest des Tauberländer Dorfmuseums machte Alltagsgeschichte lebendig. Flohmarkt, Führungen und „Waschtag anno dazumal“ begeisterten.

Weikersheim. Für den Verein Tauberfränkische Volkskultur begann der Tag mit einer Zitterpartie: Hält das Wetter? Es hielt! Kein Regen überm Marktplatz.

Flugs wurden aus Museum und Depots uralte Stücke von ausgestopften Vögeln über Gemälde und Mobiliar bis hin zu Tellern, Tassen, Gläsern herbeigeschleppt. Auf dem Marktplatz spannten Waschfrauen im Uralt-Outfit Wäscheleinen und schleppten Zinkwannen, Waschbrett, Bürsten und alte Kernseifenstücke herbei, dazu Waschkorbweise alte Socken, Laken und Bezüge, Leibwäsche und dergleichen, und aus dem Uralt-Schlacht- und Wäschetopf begann es zu qualmen und zu dampfen.

Selbst die Radlergruppe, die schon gut eine Stunde vor Festbeginn weiter musste, zückte Handys und Kameras. „Das kenn’ ich noch, so ein Ding stand bei Oma in der Waschküche.“ Was ist denn das – zwei Walzen, schweres Schwungrad? Und das da - ein Rundholz, dazu Bretter mit Griffen? Die „Waschfrauen“ Barbara Deeg und Barbara Hofmann erklärten die Funktion dieser Vorgänger der Bügelmaschine geduldig immer wieder. Besonders für die Kinder waren Mangel, Waschbrett und Wäschestampfer ungeheuer spannend. Mal selber drehen? Na klar doch: anders als im Museum im Normalbetrieb war hier das selbst versuchen höchst erwünscht. „Es ist halt doch was anderes, ein Ding als Exponat zu sehen oder selbst damit zu hantieren“, hatte Birgit Bulenda, die Vorsitzende des Vereins Tauberfränkische Volkskultur, der das Museum und die Meider-Sammlung rein ehrenamtlich betreut, im Vorfeld vorausgesagt. Dass so ein Waschtag richtig harte Arbeit war, können sich die Festbesucher jetzt wirklich vorstellen. Erstauntes Köpfeschütteln und manche Erinnerungsdebatte lösten auch Uromas Fleckweg-Rezepte aus. Wer hätte schon noch gewusst, dass neben der Wiesenbleiche und Salz in Zeiten vor Chlorbleiche und Waschmaschine auch Milch, Eigelb, sogar frischer Senf zum Einsatz kamen, wenn Gras, Kaffee, Jod oder ähnliches die damals noch wirklich teure Kleidung verunziert hatten? Spannend war auch die Flohmarktrunde: Was da alles zu finden war! Christian Bulenda, Renate Gröner und Roland Kroneisen erklärten, zeigten, ordneten ein, was da zu sehen war. Da gab’s etwa das Uralt-Waffeleisen, einzulegen in den mit Holz befeuerten Herd; den Bremsschuh, ohne den die alten Zuggefährte manchen steil abfallenden Steig nicht heil hinunter gekommen wären; natürlich alte Truhen, Kisten, Kasten.

Manch kleines oder auch größeres Stück wechselte beim Flohmarkt den Besitzer. Fragen und schauen macht hungrig und durstig: Stärken konnten sich die Gäste mit verschiedenen Spezialitäten. Auch Schneeballen gab es. Gut 500 Stück hatten insgesamt über 20 Helferinnen heuer in der Küche der Förderschule ausgebacken. Das stärkte für die bis hoch unters Kornkastendach führenden Sonderführungen, die Helmut Fehler anlässlich des Tages des offenen Denkmals anbot: Getreide, Frucht und Wein wurde in dem auch als „Korn“- oder „Fruchtkasten“ bekannten Kornbau, der heute Weinkeller und Museum beherbergt, gelagert, um Handel treiben zu können. Weikersheim war Getreidebörse und einer der größten Handelsplätze in Nord-Württemberg, der in Stoßzeiten mehrere hundert Fuhrwerke am Tag abfertigte. Der fränkische Ständerbau trug die schwere Last dank der als Sprengwerk gebauten Balkenkonstruktion, die das Gewicht auf die Außenmauern lenkte, erläuterte Fehler bei zwei Führungen.

Besucher aus nah und fern zeigten sich begeistert über das Museumsfest, bei dem der Landfrauenchor unter der Leitung von Margret Stier musikalische Akzente setzte und unter anderem mit Gottlob Haags Hohenlohe-Lied und Land und Leuten bestens vertrauten Weisen das „Museumsfest“ musikalisch abrundete.

„Wann gibt’s das wieder?“ wurden die Akteure immer wieder gefragt. „Nächstes Jahr!“ – „Mit Waschtag?“ Nein: Dann wird der Verein ein anderes Lebens- und Arbeitsfeld aus der guten alten Zeit in die Gegenwart holen. Informationen gibt es auf der Homepage unter www.tauberlaender-dorfmuseum.de