Walldürn

Besuch auf der Walldürner Höhe Dr. Marcel Klinge, tourismuspolitischer Sprecher der FDP, informierte sich über Corona-bedingte Sorgen der Tourismusbranche

Zwei von drei Reisebussen abgemeldet

Busunternehmer wie Uwe Berberich haben es in Corona-Zeiten besonders schwer. Vor allem die uneinheitlichen Regeln machen der Reisebranche zu schaffen.

Glashofen.Über die Corona-bedingten Sorgen der Tourismusbranche sowie die Anliegen des ländlichen Raums verschaffte sich am Montag Bundestagsabgeordneter Dr. Marcel Klinge (Villingen-Schwenningen) ein Bild. Der FDP-Politiker ist tourismuspolitischer Sprecher der Fraktion und Mitglied im Ausschuss für Tourismus sowie im Ausschuss für Wirtschaft und Energie. Er kam auf Einladung des Höpfingers Martin Berberich auf die Walldürner Höhe. „Wir in Berlin sind immer dankbar, wenn wir aus erster Hand von Problemen und Wünschen der Bürger und Branchen erfahren“, konstatierte Klinge.

Arbeitsessen

Erste Station des Besuchs war das Lokal „Zafferano“ am Neusaßer Golfplatz. Während eines Arbeitsessens unterhielt sich Klinge mit Bürgermeister Markus Günther und dem Glashofener Reisebus- und Transportunternehmer Uwe Berberich, den die Corona-Pandemie bereits im März betroffen hatte.

„Praktisch über Nacht wurde der Reisebusbetrieb eingestellt und bis Ende Juni untersagt“, resümierte Berberich, aus dessen Fuhrpark zwei von drei Reisebussen abgemeldet sind. „Der Dritte läuft als Reserve“, betonte er.

Ein Verkauf der Fahrzeuge sei nie infrage gekommen und zugleich unrentabel: „Es gibt Anfragen von Schnäppchenjägern, man kann aber keinen Bus weit unter Wert abtreten – zumal man als Unternehmer einen Bus nicht aus der Portokasse zahlt“, sagte Berberich und dankte der Stadt Walldürn, die den durch die Glashofener Firma betriebenen Stadtbusverkehr aufrecht erhielt.

„Die als Hauptkundschaft anzusehenden Senioren haben sich aber nicht zur Ortsrunde mit Schwätzchen getroffen, sondern waren sehr dankbar über die weiterhin bestehende Fahrmöglichkeit als Mittel zum Zweck“, versicherte er.

Risiken vermeiden

Klinge erklärte, dass Risiken durch Einhalten der Regeln vermieden werden können, Maßnahmen jedoch „im Verhältnis zu stehen haben“. Insofern plädierte er für einheitliche Regeln und „klare Linien“, die auch zu mehr Vertrauen in Politik und Politiker führten. „So richtig rund sind viele den ÖPNV betreffende Corona-Konzepte nicht. Sie sorgen viel mehr für Verunsicherung“, merkte der FDP-Politiker an.

Bürgermeister Markus Günther bestätigte, dass nicht alles nachvollziehbar sei. Man müsse stärker auf Praktiker hören, statt auf Politiker: „Rückmeldungen aus der Branche wären aussagekräftiger als Entscheidungen von Beamten in Amtsstuben und sollten daher auch in Stuttgart und Berlin mehr Gehör finden“, hielt Klinge fest, während Günther die Aufgaben einer Kommune nicht im täglichen Umgang mit neuen bürokratischen Regelungen sah.

„Freitagabends treffen Formulierungen ein, die montags umzusetzen sind. Das kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein“, so der Walldürner Rathauschef. Dennoch sah Günther in der Pandemie auch eine Chance: „Viele junge Familien entdecken den ländlichen Raum für sich, nachdem Fernreisen in der Sommersaison nicht empfehlenswert waren“, merkte er an.

Auch die Ängste der Politik bezüglich Corona seien „nicht immer rational“, wie Marcel Klinge am Beispiel der Debatte um das Beherbergungsverbot zu verdeutlichen versuchte. Dennoch glaube er trotz der allgemeinen Krise und der davon unabhängig bereits zu verzeichnenden Auswirkung der Thomas-Cook-Pleite vom Spätsommer 2019 fest an eine Zukunft der Reise- und Tourismusbranche.

Freilandmuseum besucht

Das konnte Uwe Berberich bestätigen: „Der Beginn des Jahres 2021 wird schwer sein, aber es kann und wird nicht zu einem Stillstand kommen.“ Er propagierte „einheitliche Regelungen zugunsten aller Beteiligten“. In seinem Betrieb gewährte er anschließend informative Einblicke in Touristik und Transport und erinnerte an den Vorteil, den die Firma in Corona-Zeiten hatte und hat. „Wir sind breit aufgestellt“, bemerkte Berberich, ehe der Tross im Odenwälder Freilandmuseum (Gottersdorf) von Leiterin Margareta Sauer erwartet wurde. Dort reihte sich Klinge in die 20 000 pro Jahr begrüßten Besucher ein und verschaffte sich ein Bild über den Häuserbestand des Museums, das in Corona-Zeiten seinen Nimbus als regionales Ausflugsziel weiter ausbauen konnte.

Bei frischgebackenem Apfelkuchen endete ein ereignisreicher Nachmittag, ehe Klinge sich bei Martin Berberich für die Gelegenheit zum fachlichen Austausch in entspannter Runde sowie die straffe Organisation bedankte.

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