Walldürn

DRK-Ortsverein Walldürn wird 125 Jahre alt Blick in die ereignisreiche Geschichte der Ortsgruppe

Viele Herausforderungen bewältigt

Archivartikel

Der DRK-Ortsverein feiert in diesem Jahr Jubiläum: Vor 125 Jahren wurde er gegründet. Grund genug, einen Blick in die Annalen des Vereins zu werfen und die Historie zu beleuchten.

Walldürn. Bei einem Festakt im Jugend- und Kulturzentrum „Alter Schlachthof“ (die FN berichteten) boten die drei Vorstandsteammitglieder Markus Huber, Michael Wöhl und Manuel Sturm einen geschichtlichen Rückblick über die Geschichte des DRK-Ortsvereins, wovon hier auszugsweise berichtet wird.

1894 gründete der Turnverein Walldürn unter der Leitung des damaligen Bürgermeisters Wilhelm Hildebrand eine Sanitätskolonne – das war die Geburtsstunde des DRK-Ortsvereins. Diese Gemeinschaft wurde wegen mangelnder Beteiligung kurze Zeit später aufgelöst und durch eine „Freiwillige Sanitätskolonne“ des Militär- und Veteranenvereins abgelöst. 1901 wurde dann ein neuer Versuch zur Gründung durch den damaligen Kolonnenarzt Dr. Rheude unternommen. Allerdings währte die Existenz dieses Vereins nur bis 1906, ehe er erneut aufgelöst wurde. Es wird spekuliert, dass dann Ende des 1. Weltkriegs wieder eine Neugründung erfolgte, wobei das Walldürner Krankenhaus als Lazarett genutzte wurde. Im Anschluss hieran schien die Tätigkeit des DRK Walldürn wieder einmal beendet gewesen zu sein.

Sanitätskolonne gegründet

1929 gründete der Arzt Dr. Sauer dann offiziell mit Spenden von Verbandsmaterial und Unterrichtsbüchern die „Freiwillige Sanitätskolonne Walldürn“. Diese Kolonne sollte Erste Hilfe bei Unglücksfällen aller Art und bei großen Menschenansammlungen leisten. Kolonnenführer wurde im August 1929 Vinzenz Löhr, der die Leitung über 25 Mitglieder hatte. Unter der Leitung des Vorsitzenden Michael Geier erfolgten 1930 insgesamt 34 Erste-Hilfe-Leistungen.

Bis 1933 schloss die Sanitätskolonne immer mit einem Kassendefizit ab, obwohl die Hilfeleistungen von Jahr zu Jahr anstiegen, ehe man 1934 erstmals schwarze Zahlen schrieb. Mittlerweile leistete man 86 Mal im Jahr Erste Hilfe. Die Resonanz dieses Vereins wurde nun immer größer und größer, und aus diesem Grunde wurde ein Ortsmännerverein des DRK gegründet. Auch einen weiblichen Zug der Sanitätskolonne gab es ab 1935, die Sanitätskolonne zählte in diesem Jahr über 40 Mitglieder. Nun nannte man sich „DRK-Bereitschaft Buchen, Zug 2 Walldürn“ und mietete 1939 den Saal des Gasthauses „Römischer König“ als Schulungsraum. Über die Zeit während des 2. Weltkrieges liegen nur sehr wenige Informationen vor.

1948 rief der damalige Landrat Schmerbeck als Vorsitzender des DRK-Kreisvereins zum Wiederaufbau der Ortsvereine auf. Dieser Aufruf hatte in Walldürn großen Erfolg. Insgesamt 71 Mitglieder schlossen sich zum „Ortsverein Walldürn vom Roten Kreuz“ zusammen und wählten Gastwirt Karl Mairon zum Vorsitzenden und Dr. med. Hugo Lohner zum Ausbildungsarzt. Der 1. Juli 1952 stellte den Beginn des Wallfahrtsdienstes in Walldürn dar.

Der damalige Bürgermeister Dr. Trautmann erreichte, dass dem DRK ein Raum im Kellergeschoss der Volksschule überlassen wurde, und 1960 dann endlich in Räume umgezogen wurde, die erstmals als „DRK-Heim“ bezeichnet werden konnten. Sie befanden sich in den städtischen Ämtern Ecke Adolf-Kolping-Straße / Friedrich-Ebert-Straße. Hier hatte man Platz und die Möglichkeiten, Mitglieder auszubilden. Da die Möglichkeit der Ausbildung auch viele Jugendliche interessierte, kam es im Winter 1963/1964 zu einem immensen Ansturm, so dass 1964 das Jugendrotkreuz Walldürn gegründet wurde, das zur damaligen Zeit spontan auch einen Spielmannszug gründete, der bis 1972 Bestand hatte.

In den 1960er Jahren erlebte der DRK-Ortsverein einen erfreulichen Aufschwung mit dem Ergebnis, dass der Verein einen Mitgliederstamm von 70 Personen aufwies. Kurz vor dem 70-jährigen Jubiläum 1964 bekam der DRK-Ortsverein Walldürn den Betreuungszug des Katastrophenschutzes übertragen.

In den 1970er Jahren wie auch zu Beginn der 1980er Jahre war das DRK im Krankenhaus sowie in einer alten Scheune in der Oberen Vorstadtstraße untergebracht, wo sich heute die AWO-Altenwohnanlage befindet. Im August 1983 folgte dann der ein Einzug in das neu gebaute Feuerwehrgerätehaus. Wolfgang Döhling als damaliger Vorsitzender war derjenige, der damals häufig die Blutspendeaktion in Walldürn organisierte. Von 1949 bis heute wurden über 25 000 Blutspenden in Walldürn verzeichnet. Ein weiterer Höhepunkt waren die Jubiläumsveranstaltungen zum 90-jährigen Bestehen 1984. Im September 1989 wurde der Ortsverein mehrmals in Alarmbereitschaft versetzt, um bei der Aufnahme von Flüchtlingen aus der ehemaligen DDR über Ungarn zu helfen. In der Kaserne wurde damals auch ein entsprechendes Auffanglager eröffnet.

Der DRK-Ortsverein feierte 1994 sein 100-jähriges Bestehen. 1996 erfolgte eine erneute Wiedergründung des Jugendrotkreuzes in Walldürn. Bis zum heutigen Tage kann das Jugendrotkreuz Walldürn nunmehr auf stetig wachsende Mitgliederzahlen blicken.

1997 fand die erste Sanitätsausbildung Teil A + B in Walldürn statt. Diese Maßnahme war notwendig gewesen, da 2000 die Schnelleinsatzgruppe Walldürn ins Leben gerufen wurde. Dass sich die SEG Walldürn bis zum heute Tag etabliert hat, sieht man an den Jahreseinsatzzahlen, die sich auf rund 300 belaufen.

2002 wurde der Osten Deutschlands von einem Jahrhunderthochwasser heimgesucht. Spontan hat sich der DRK-Ortsverein unter der Leitung von Reiner Wöhl dazu entschlossen, den Opfern zu helfen; umgehend entschied man sich dabei für das Hilfsprojekt „Freital“. Innerhalb von drei Wochen wurden rund 25 Tonnen Hilfsgüter von Kleidung über Spielsachen bis hin zu Möbeln gesammelt, die man dann durch die Unterstützung des damaligen Kommandeurs des Instandsetzungs-Bataillons 12, Oberstleutnant Kömpel, zunächst im Depot „Leinenkugel“ vor dem Start des Hilfskonvois zwischenlagerte, sortierte und verpackte. Durch die Hilfsbereitschaft der Walldürner Bäckereien, Frisöre und Metzgereien wurden zusätzlich noch rund 5000 Euro an den DRK-Kreisverband Freital übergeben.

Im Oktober 2004 fand zum ersten Mal in Walldürn eine SAN-Ausbildung C unter der Leitung von Ausbilder Thomas Huber statt und 2007 kam es zum wohl spektakulärsten Einsatz der HvO-Gruppe, als diese zu einem „Zugunglück“ in den Nachtstunden auf der Bahnstrecke zwischen Miltenberg und Walldürn gerufen wurde.

Leistungsmodul übernommen

Als die damalige Kreisbereitschaftsleitung eine Nachfolgeregelung der Betreuungskomponente für die Einsatzeinheit des Katastrophenschutzes suchte, wurde dieses Leistungsmodul vom DRK-Ortsverein Walldürn übernommen. Eine Fachdienstausbildung war für den Herbst 2015 angedacht, doch dann erhielt man einen inoffiziellen Voralarm und die Information, dass man durch den Landrat beauftragt werden sollte, die Betreuungserstaufnahmeeinrichtung (BEA) in Hardheim zur Aufnahme von 350 Flüchtlingen zu betreiben.

Dieser Einsatz erforderte dann einen extremen Personaleinsatz im 24-Stunden-Betrieb über den Zeitraum von vier Tagen hinweg, ehe der Auftrag dann an die Bundeswehr übergeben wurde. Nach dieser Feuertaufe schickte man im Herbst 2015 insgesamt 20 Helfer in die Fachdienstausbildung.

Am 29. Januar 2017 kam es zu einem verheerenden Brand im Sägewerk Bödigheim, wo die Einsatzeinheit dann alle Einsatzkräfte der Feuerwehr und des THW verpflegte. Ein weiterer wichtiger Einsatz war im Juni 2017 nach einem Starkregen während der auf dem Walldürner Flugplatz veranstalteten „Odenwald Klassik“ die Evakuierung des gesamten Geländes und für die betroffenen Besucher und Teilnehmer eine Notunterkunft in der Nibelungenhalle einzurichten. ds

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