Walldürn

Land und Leute Franz Brunn hat mit 82 Jahren Gedichte schreiben als sein Hobby entdeckt

„Reime kommen schnell in den Sinn“

Walldürn.Man ist nie zu alt, um ein neues Hobby zu entdecken: „Anfang 2017 hatten mich die Redner der fränkischen Fastnacht aus Veitshöchheim so sehr beeindruckt, dass ich im Alter von 82 Jahren selbst zu dichten begonnen habe“, sagt der Walldürner Hobby-Dichter Franz Brunn, der Generationen von Schülern noch aufgrund seiner Lehrertätigkeit an der früheren Auerberg-Hauptschule ein Begriff sein dürfte. Seine letzten Gedichte drehen sich um die Corona-Pandemie, auf die er in kross gereimten Versen einen kritischen Blick wirft.

Der inzwischen 85-Jährige teilt als Heimatvertriebener - seine Wiege steht in Schüttwa im böhmischen Landkreis Bischofteinitz unweit der bayerischen Grenze – das Schicksal einer ganzen Generation und gelangte 1946 im Zuge der Vertreibung nach Kaltenbrunn. „Zwischendurch wohnte, studierte und lebte ich in Oberbayern und Hessen, kehrte aber 1966 wieder zurück nach Walldürn“, erinnert sich Franz Brunn, der im Februar 1997 pensioniert wurde und fünf Sprachen fließend spricht.

So beschäftigen sich einige seiner Dichtwerke mit sehr persönlichen Themen, die er in seiner eigenen Vergangenheit suchte und fand. So widmete er sich unter anderem einer ab Oktober 2015 geplanten Gedächtnisfahrt nach Schüttwa und den vor Ort sichtbaren Veränderungen, dem 73. Jahrestag der Vertreibung im Juli 2019 und dem Jahr 1965, in dem er sein Heimatdorf erstmals wieder besuchte („46 sind wir von Schüttwa fort, 65 war ich zum ersten Mal wieder dort – Tschechien, ein kommunistisches Land, der Böhmerwald, Schüttwa in desolatem Zustand“) und sich an die Anfangsjahre des Neuanfangs in der noch jungen Bundesrepublik erinnert hatte.

Berührende Reise

Zudem hatte er sich bereits im Januar 2017 in seinem Gedicht „Mein Schüttwa in 100 Versen“ intensiv mit der Heimat auseinander gesetzt und eine berührende Reise auf dem Jakobsweg dichterisch aufbereitet. Die andere Perspektive seines Schaffens markieren Parodien etwa auf Wilhelm Buschs „vollen Sack“ oder Eugen Roths „Fantasie“, die er auf aktuelle Begebenheiten ausrichtete.

Eine besondere Schwierigkeit sieht Franz Brunn im Dichten unterdessen nicht, wie er den Fränkischen Nachrichten erklärt: „Die Reime kommen mir meist sehr schnell in den Sinn. Sobald ich an meinem Schreibtisch sitze, fällt mir in der Regel rasch ein passendes Wort ein!“ Dennoch ist das Befassen mit den eigenen Gedichten in anderer Hinsicht nicht immer ganz einfach: „Man neigt zwar dazu, seine eigenen Zeilen nachträglich ‚optimieren’ zu wollen, sollte jedoch zur rechten Zeit einen Schlussstrich ziehen, sonst kommen die Zweifel“, verrät der Hobbydichter.

Dass er mit seinen zunächst handschriftlich aufgesetzten und danach an der Schreibmaschine abgetippten Gedichten an die Öffentlichkeit geht, war ursprünglich nicht sein Ansinnen gewesen. Dann aber kam die Corona-Pandemie: Auch ihr widmete sich Franz Brunn mit zwei langen Gedichten und einer parodistisch-essayistisch gehaltenen Glosse. „Regelmäßig dichte ich über gesellschaftspolitische Begebenheiten, die mich berühren und beschäftigen“, schildert der 85-Jährige und bezeichnet seine beiden „Corona-Gedichte“ als „ganz persönliche Verarbeitung der Seuche aus ganz persönlicher Sichtweise“.

So handelt er in seinem 54-zeiligen Epos „Der Mensch, die Krone der Schöpfung, von Corona bedroht“ den gesellschaftlichen Ausnahmezustand der Gegenwart ab, um im Gegenzug nach Antworten für häufig gestellte Fragen zu suchen. Ein weiteres, die Pandemie in 36 Versen aufgreifendes Gedicht kommt unter der fragenden Überschrift „Gibt es einen Ausweg aus der Coronakrise?“ behufs der immer wieder im Kreuzfeuer der Medien stehenden Maßnahmen und Regelungen zu einem klaren Fazit: „Und fest steht: Wir haben uns verrannt. Wenn wir uns auch mächtig wehren, uns bleibt nur umzukehren. Und auch der Dümmste sieht inzwischen ein: Es muss sein – ein ‚Weiterso’ ist ein zu großes Risiko.“

Zum Thema