Walldürn

Kreiserntedankfeier in Walldürn Redner gingen auf die Zukunft und Herausforderungen der Landwirtschaft ein

„Ohne Essen kann niemand leben“

Mit der Zukunft der Landwirtschaft, den Herausforderungen und Aufgaben, befassten sich die Redner bei der Kreiserntedankfeier in der Nibelungenhalle. Beklagt wurden Vorschriften und Auflagen.

Walldürn. Die Feier fand im Rahmen der Neckar-Odenwald-Tage 2019 statt, die anlässlich der 1225-Jahr-Feier der Stadt in Walldürn stattfinden. Veranstaltet wurde das Kreiserntedankfest von den Landfrauen, den Landsenioren und dem Bauernverband im Neckar-Odenwald-Kreis sowie von der Landjugend Mosbach. Für die musikalische Umrahmung sorgte die Odenwälder Trachtenkapelle.

Der Vorsitzende des Bauernverbandes Neckar-Odenwald-Kreis, Albert Gramling, sagte „es geht uns gut, wir haben genug und gesunde Nahrungsmittel zum Essen, wir leben in Frieden. Eigentlich fehlt es uns an nichts. Deshalb haben wir vielfältige Gründe zum Danken und zum Feiern an diesem Tag.“ Leider werde der Landwirtschaft das Leben zur Zeit aber sehr schwergemacht.

Bis Mitte Juni habe es zunächst nach einer Rekordernte ausgesehen, doch dann sei die große Hitzewelle, verbunden mit sehr wenig Niederschlag gekommen, was letztendlich zu Ertragseinbußen geführt habe.

Viel schlimmer für die Landwirtschaft aber seien die Gängeleien und die stetig wachsende Anzahl von Auflagen. Dies mache eine Betriebsentwicklung meist sehr schwierig und viele Betriebe würden zum Aufgeben gezwungen. Und dies, obwohl der Beruf Landwirt der wichtigste Beruf überhaupt sei, denn ohne Essen könne niemand leben.

Kritisch ging er auf die Themen „Neue Düngeverordnung“, „Volksbegehren Pro Biene“ oder „Reduktion der Pflanzenschutzmittel“ ein. Nachhaltig forderte er aus dem Klimaschutzpaket der Bundesregierung einen CO2-Ausgleich für die Landwirtschaft.

Damit sich der Landtag mit dem Anliegen aus der Landwirtschaft befassen müsse, sei vom Bauernverband und weiteren landwirtschaftsnahen Verbänden ein Volksantrag gestartet worden, der am 2. Oktober beim Landtag eingereicht worden sei und den Titel „Gemeinsam unsere Umwelt schützen“ trage. Damit ein solcher Volksantrag wirksam werde, benötige man 770 000 Unterschriften. Dann stimme der Landtag ab, ob das Volksbegehren ungeändert zum Gesetz werde oder nicht. Dann gebe es eine Volksabstimmung, wobei der Landtag dann auch einen Alternativvorschlag mit in die Volksabstimmung einbringen könne.

Grüne Kreuze als Mahnung

Die vielen in den letzten Wochen und Monaten zwischenzeitlich in der Landschaft und auf den Feldern und Wiesen im ganzen Neckar-Odenwald-Kreis aufgestellten „Grüne Kreuze“ sollen der Bevölkerung klarmachen, dass die Landwirtschaft mit den vielen Auflagen und Vorschriften so nicht weiter existieren kann.

Landrat Dr. Achim Brötel führte aus, die Landwirtschaft sei schon immer im Wandel gewesen, doch momentan würde man allerdings gerade so etwas wie eine Zäsur erleben. Zielkonflikte, die es in unserem Leben mehr und mehr gebe, würden kaum noch als solche formuliert, Ideologien hingegen aber ganz klar adressiert.

So sollen Lebensmittel nicht nur ausreichend vorhanden, sondern die Ernte auch sicher und für uns Verbraucher ansehnlich, vor allem aber günstig sein. Die Menschen sollen alle satt werden, aber der Bauer soll sich primär als Landschaftsgärtner profilieren. Pflanzenschutzmittel seien des Teufels, im Supermarkt wolle aber jeder natürlich nur den schönsten Salatkopf: Makellos, geschmacksintensiv, biologisch produziert und am besten auch noch umsonst. Und jetzt noch die Aktion „Rettet die Bienen“.

An diesem Sonntag nun sei Erntedank. Für ihn persönlich immer noch ein ganz besonderer Sonntag im Jahreslauf, und er halte es wirklich auch für wichtig, diesen Tag miteinander zu feiern. Deshalb danke er dem Kreisbauernverband ganz ausdrücklich dafür, dass er an dieser Tradition festhalte.

Umwelt-, Natur- und Klimaschutz würden heute längst zur täglichen Arbeit eines Landwirts gehören. Genauso richtig sei aber natürlich auch, dass Landwirtschaft Wirtschaft sei und nicht allein Pflege der Landschaft. Dass man in der landwirtschaftlichen Produktion höchste Standards und Qualitätsansprüche erfülle, helfe allein noch nicht. Die Verbraucher müssten nämlich auch erkennen, dass es das alles nicht zum Nulltarif gebe. Damit stünden wir deshalb alle miteinander gemeinsam in der Verantwortung. Wer eine regionale und deshalb ganzjährig gläserne landwirtschaftliche Produktion wolle, müsse deshalb auch mit Augenmaß an das herangehen, was er von den Bauern fordere. Eines stehe nämlich auch fest, dass die Betriebe in einem zunehmend härter werdenden globalen Wettbewerb stünden.

Bürgermeister Markus Günther sagte, der Erntedanktag sei ein Tag der Besinnung, und er rufe dazu auf, uns unsere Lebensgrundlagen zu erhalten und in unserem Handeln zukunftsfähig zu sein. Er rufe dazu auf, alles zu tun, damit wir auch weiterhin oder in stärkerem Maße gesunde Lebensmittel in ausreichender Menge erzeugen könnten. Alle seien angesprochen, Verantwortung dafür zu übernehmen, dass auch künftig eine gute und vor allen Dingen auch gesunde Ernte von den Landwirten eingefahren werden könne.

Nach der Festansprache von Dekan Rüdiger Krauth (siehe weiteren Bericht) sowie nach Worten zum Erntedank, vorgetragen von der Kreisvorsitzenden der Landfrauen im Neckar-Odenwald-Kreis, Renate Streng und von Inge Schneider, der Kreisgeschäftsführerin der Landfrauen im Neckar-Odenwald-Kreis, folgte die Überreichung der Erntegaben an die Leiterinnen der vier Kindergärten „St. Kilian“, „St. Georg“, „St. Martin“ und „Evangelischer Kindergarten“. ds

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