Walldürn

Festansprache bei der Kreiserntedankfeier Dekan Rüdiger Krauth sprach zum Thema „Der Wind des Wandels weht – wie gehen wir darauf ein“

„Nicht mit Angst, sondern mit Weisheit reagieren“

Walldürn.Der Höhepunkt der Kreiserntedankfeier war die Festansprache von Dekan Rüdiger Krauth vom Evangelischen Kirchenbezirk Adelsheim-Boxberg über das „Thema „Der Wind des Wandels weht – wie reagieren wir darauf?“. Er gliederte seinen Vortrag in die Bereiche „Wandel als Realität“, Wandel als Herausforderung“ und „Wandel als Verheißung auf.

Bei „Wandel als Realität“ befasste er sich mit dem Wandel des Erntedankfestes im Laufe des letzten Jahrhunderts. Das habe früher in einer einstmals agrarische geprägten Gesellschaft auf dem Land ein gesellschaftliches Großereignis dargestellt, während heute die allermeisten Menschen nur noch eine geringe Verbindung zum Säen und Ernten haben und deutlich weniger Gottesdienstbesucher als früher den Erntedank-Gottesdienst besuchen.

Freilich habe das Erntedankfest im eigentlichen Sinne mehr als nur die landwirtschaftliche Ernte im Blick. Es gehe auch um all das, was wir Menschen empfangen würden und was das Leben erst ermögliche und bereichere: Um das Geschenk des Lebens, um die Luft zum Atmen und das Wasser zum Trinken, um die Sonne und den Regen, um die Lebensmittel, die man genießen dürfe, und um all das das, was das Leben so wunderbar und wertvoll mache: die Familie, Freunde und die Arbeit.

Die große Überschrift über dem Erntedankfest sei die Haltung der Dankbarkeit gegenüber einem, der größer sei als wir Menschen und ohne den die Menschen nicht leben würden! Dieses Gefühl der Dankbarkeit sei in den letzten Jahrzehnten als Kirche und als Gesellschaft verloren gegangen, und als Kirche und Kirchenmitglieder hätten wir es nicht geschafft, diese Dankbarkeit und Freude als feste Größe des Lebens an die jüngeren Generationen weiterzugeben. Dies sei ein Wandel, der uns als Gesellschaft nicht guttue.

Nie gekannte Mobilität

Als ein weiteres Beispiel des Wandels wurde vom Dekan der unglaublich schnelle und enorme Wandel im Bereich der digitalen Entwicklung und des technischen Fortschritts genannt, die auch die Menschen mit ihren Verhaltensweisen und ihrem Denken und ebenso die Kultur des Umgangs und des gesellschaftlichen Miteinanders oft stark verändere und eine Beschleunigung in das Leben bringen, die viele nicht verkraften und die viele krank macht. Der Mensch von heute habe eine nie gekannte Mobilität, der Preis dafür sei jedoch hoch: die Belastung der Natur und damit menschlichen Lebens zeige sich immer deutlicher.

Bei „Wandel als Herausforderung“ fragte er, habe der Wind des Wandels uns Menschen in den letzten Jahrzehnten nicht reich beschenkt?“ Gerade der Mauerfall 1989, der die Trennung Deutschlands beendete, sei ein leuchtendes Beispiel dafür gewesen, dass Wandel etwas Großes und Gutes bedeuten könne. Wandel als Herausforderung bedeute, dass man diesen Wandel nicht immer selbst gestalten, nicht immer voraussehen und auch nicht immer beeinflussen könne. Dennoch möchte er den Wandel als Herausforderung ansehen, denn wir Menschen könnten stets unter-schiedlich auf Veränderungen reagieren. Das Neue stelle einem meist vor Entscheidungen. Man kann das Neue ablehnen oder benutzen und sich bis ins Detail mit ihm befassen und beschäftigen und dabei lernen, wo das Neue Vorteile bringt und wo es Gefahren beinhaltet.

Obwohl der Wandel Realität sei und unser ganzes Leben bestimme, gebe es nicht nur Begeisterung für den Wandel, sondern auch viele Bedenken, Sorgen und Ängste. Angst sei oft ein schlechter Ratgeber. Das Leben und diese Welt seien komplex und es gebe auf viele Fragen und Veränderungen selten einfache Antworten. Er persönlich wolle die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer darauf lenken, stets auf die Haltung und Einstellung gegenüber dem Leben und seinen Wandlungen sowie auf die innere Motivation zu achten.

Doch wie komme man zu einer Haltung, die offen sei für den Wandel?. Die Antwort laute: „Wenn wir wissen, wohin wir wollen, dann bringen wir auch die nötige Fantasie, die Kreativität und die Kraft zusammen, um zum Ziel zu gelangen.“ Das heiße: Wenn der Wandel komme, dann nicht mit Angst, sondern mit Klugheit und Weisheit regieren und darüber nachdenken, was die anstehenden Veränderungen für mich bedeuten und wie ich darauf antworten könne. Dabei gelte es, das allgemeine, weit verbreitete Verständnis von „Fortschritt“ zu überdenken, der in der heutigen Gesellschaft oftmals nur Wohlstand, Wirtschaftswachstum, Steigerung des Bruttosozialprodukts, mehr Geld bedeute.

Aus dem eigenen Lebensweg wüssten wir, dass es zum Menschsein gehöre, reifer zu werden im Laufe der eigenen Entwicklung. Da gehörten Eigenschaften wie Besonnenheit, Weisheit, Gelassenheit, Dankbarkeit und Zuversicht in wesentlichem Maße mit dazu. Viele der heute im Berufsleben geforderten Eigenschaften und Fähigkeiten wie schnelles Denken, Fachwissen, digitale Kompetenzen seien gewiss wichtig, aber zur persönlichen Reife würden sie nicht unbedingt viel beitragen.

Beim Thema „Wandel als Verheißung – Gottvertrauen und Zuversicht und die Botschaft vom letzten großen Wandel“ ging er auf die Frage nach menschlichen Sehnsüchten, nach Lebensmotivation und nach Religion ein. Das menschliche Leben stehe immer vor dem Wandel und vor Herausforderungen und man solle dabei darauf vertrauen, dass das Leben einen Sinn hat und Gott dieses Leben zum Heil führen wird. Dieses Grundvertrauen und dieser Glaube an Gott könne einem viel Kraft geben. Letzte Ausführungen des Referenten galten noch der Vergänglichkeit: Am Ende des irdischen Lebens komme mit dem bevorstehenden Tod der große Wandel und wir Menschen können dabei nur loslassen und darauf vertrauen, dass Gott uns auffange.

In seinem abschließenden Plädoyer appellierte Dekan Krauth an die Zuhörer, keine Angst vor dem Wandel zu haben, denn er gehöre zum Leben, stets die Jungen und deren Gesellschaft zu suchen, Dinge gelassen hinzunehmen, die nicht zu ändern sind, im klugen Gespräch mit Anderen stets Antworten auf die vielen Herausforderungen zu suchen, die Dinge zu bewahren, die unvergänglichen Wert behalten, sowie stets die Liebe zu den Menschen, zur wunderbaren Schöpfung und zur Wahrheit zu bewahren sowie die Hoffnung an denn Sinn des Lebens und den Glauben an Gott nicht aufzugeben. ds

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