Walldürn

„Blühende Naturparke“ Das Projekt setzt auf Wildblumenwiesen für Bienen und Schmetterlinge

Neue Lebensräume für Insekten

Archivartikel

Die Naturparke Baden-Württembergs engagieren sich beim Projekt „Blühende Naturparke“ für den Insektenschutz, indem Wildblumenwiesen oder eine Pflegeumstellung geschaffen werden.

Neckar-Odenwald-Kreis. Artenreiche Wiesen gebietsheimischer Pflanzen bieten Insekten Lebensraum, Nahrungsquellen und Überwinterungsmöglichkeiten. Seit 2018 beteiligt sich auch der Naturpark Neckartal-Odenwald an dem Projekt. Zuletzt waren beispielsweise die Kommunen Buchen, Hardheim, Hüffenhardt, Limbach und Mudau dabei.

Im Jahr 2017 hat es eine Krefelder Studie bestätigt: In den letzten 27 Jahren ist die totale Biomasse an fliegenden Insekten um 75 Prozent zurückgegangen. Dieser stetige Rückgang an Insektenarten hat große Folgen auf verschiedenen ökologischen und auch wirtschaftlichen Ebenen: Er führt zu einer allgemein niedrigeren Rate in der Samenbildung von Pflanzen und somit zu einer Problematik für das zukünftige Bestehen zahlreicher Pflanzenarten.

Diese Problematik macht auch keinen Halt vor unserer Landwirtschaft: Rund 80 Prozent der heimischen Kulturpflanzen sind auf die Bestäubung durch verschiedene Insektenarten angewiesen und somit in ihrer Produktion gefährdet. In Hinblick auf die wirtschaftliche Leistung der Honigbienen mit ihren wilden Artgenossen wird von einem jährlichen Betrag von über 2,5 Milliarden Euro ausgegangen.

Kein einzelner Schuldiger

Für die Ursache des Rückgangs der Insektenbiomasse kann kein einzelner Schuldiger gefunden werden; es ist vielmehr ein Zusammenspiel aus Veränderungen in der Siedlungsdichte und der Landwirtschaft. Ausbreitungen von Siedlungen sowie der Ausbau des Straßennetzes führten zum Verlust von Lebensräumen. Zudem werden im Hausgarten immer häufiger große geradlinige Rasenflächen und Anlagen mit nicht heimischen Pflanzen angelegt; abgeblühte Pflanzen werden zudem schnell entfernt. Für Wildbienen und Schmetterlinge wird somit die Suche nach geeigneten Blüten und Brutplätzen zum Hürdenlauf.

Das Projekt hat sich das Ziel gesetzt, neue Lebensräume und Nahrungsquellen für Bienen und Schmetterlinge zu schaffen. Hierzu werden Flächen innerhalb des Projekts „Blühender Naturpark“ gesucht, die in mehrjährige Wildblumenwiesen umgewandelt werden können. Auf diese Weise entsteht ein Netzwerk an bunten Blumenwiesen, das sich durch den ganzen Naturpark zieht und die Suche nach Blüten für Bienen und Co. erleichtert.

Der Naturpark Neckartal-Odenwald unterstützt die interessierten Flächeninhaber in Form von Seminaren rund um die Themen Bodenvorbereitung, Aussaat und Pflege. Bei Flächen mit einer Größe von über 1000 Quadratmetern wird ein Experte zum Thema Wildblumenwiesen den Standort begutachten und Empfehlungen in Sachen Wildblumenmischung und Maßnahmen geben.

Die Aussaat erfolgt mit der Hilfe von kommunalen Kindergärten und Schulen, um so auch schon die Kleinen an das Thema Biodiversitätsverlust und die Rolle der Bienen heranzuführen.

Wilde Bereiche belassen

Neben Kommunen sind auch Privatpersonen angesprochen, sich an dem Projekt zu beteiligen. Der Appell der Initiatoren: „Belassen Sie auch in Ihrem Garten wilde Bereiche und schaffen Sie so insektenfreundliche Oasen.“ Wilde Wiesen müssen ein bis drei Mal im Jahr gemäht und das Schnittgut abgetragen werden. Viel Potenzial bieten auch Gemüse- und Kräuterbeete, wenn Insekten genug Raum gelassen wird. Auf chemische Hilfsmittel soll verzichtet werden. Besonders Kräuter wie Rosmarin, Salbei, Borretsch, Kapuzinerkresse und Oregano sind wahre Insektenmagneten.

Ökologisch sehr wertvoll ist eine Abgrenzung durch eine Trockenmauer aus Natursteinen. Sie sollte nach Süden ausgerichtet sein und die Fugen mit Sand, Erde oder kleinen Steinen gefüllt sein. Wem blanke Fugen nicht grün genug sind, der kann trockenheitstolerante Pflanzen setzen.

Zur Abgrenzung kann aus Reisig eine Totholzhecke angelegt werden. Sie bietet nicht nur Insekten Unterschlupf, sondern wird auch von Amphibien, Eidechsen, Zaunkönigen und Igeln gerne genutzt. Auch ein lebendiger Zaun aus Weiden ist eine sinnvolle Lösung.

Wildbienen helfen

Hohle Schilfstängel oder Brombeerranken sind schnell gebündelt und bieten einigen Wildbienenarten Nistmöglichkeiten. Rund drei Viertel aller Wildbienen nisten jedoch im Boden. Sie benötigen offene Bodenflächen, Sandhaufen, sandgefüllte Fugen, kahle Hänge oder Abbruchkanten. pm

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