Walldürn

Land und Leute Der Berufsreiter Rob George ist auch mit seinen Songs in den USA erfolgreich

Mit „Dust“ den Sprung in die Charts geschafft

Countrymusik hat es Rob Georg angetan. Seit der Kindheit schwärmt er für die Musik und ist mit seinen Liedern auch erfolgreich. In den USA ist er mit seinen Songs in den Charts zu finden.

Glashofen. Bezüglich deutscher Countryklänge denkt der halbwegs Musikinteressierte wohl zunächst an die Stadt Maschen bei Hamburg, wo die erfolgreiche Combo „Truck Stop“ seit Jahrzehnten ansässig ist. Es liegt jedoch nah, dass er bald Glashofen in einem Atemzug mit Maschen nennen muss – dort lebt und wirkt Rob (Robert) Georg, dessen erstes Album „Radio Cowboy“ jüngst veröffentlicht wurde und sich bereits in der Radio-Promotion befindet. Wie er mehr zufällig zu dieser Produktion kam, erzählte er den Fränkischen Nachrichten.

„Countrymusik begleitet mich durch mein ganzes Leben“, erklärt der 44-Jährige, der das Genre über seinen Vater und dessen Musikgeschmack für sich entdeckt hatte, und bezeichnet Legenden wie Willie Nelson, Johnny Cash und Kenny Rogers, aber auch deutschsprachige Country-Interpreten als seine musikalischen Lieblinge.

Unterbrochen wurde Rob Georgs Affinität nur durch Klavierunterricht: „Bis ich mir mit zwölf Jahren in Stuttgart meine erste Gitarre kaufte und mir über Lehrbücher das Spielen beibrachte, schlug ich immerhin sechs Jahre lang in die Tasten“, betont er im FN-Gespräch. Anschließend musizierte er zwar durchgehend, aber „eigentlich nur im kleinen Rahmen“ an Festen mit der Familie und engen Freunden, wie er sagt.

Dabei wurden nicht nur Countrysongs gespielt: „Meine Repertoiremappe umfasste vorwiegend leicht spielbare, heitere Cover bekannter Pop- und Schlagertitel“, räumt Robert Georg ein, der noch heute oft in froher Runde singt und zum Tanzvergnügen aufspielt.

Mit einer professionellen Produktion eigener Lieder hätte er noch vor rund zwei Jahren nie gerechnet – und es war ein Schicksalsschlag, durch den der seit 2007 in Glashofen lebende Rancher sich noch intensiver mit der Musik befasste. Die Vorgeschichte dazu liegt in seinem Beruf als Profi-Reiter begründet: Gemeinsam mit seiner Frau Melanie widmet er sich mit viel Engagement dem in den USA sehr populären „Cutting“, bei dem der Reiter in einer Rinderherde ein Rind auswählt, das er vom Rest der Herde separiert und über eine gewisse Zeit – je länger, umso besser – von seinen Artgenossen trennt.

„Es ist die drittbeliebteste US-Sportart nach Golf und Tennis“, informiert Rob Georg. Im Januar 2019 starb sein langjähriger Cuttingtrainer und guter Freund, was der 44-Jährige in seinem ersten selbstverfassten Titel „Push That Horn“ verarbeitete. Das „Horn“ steht hier für das Sattelhorn des Westernsattels, an dem man sich beim Cutting festzuhalten hat: „Die Formulierung ist in dieser Sportart ein geflügeltes Wort“, erklärt er. Kurze Zeit später musste er Abschied von seinem geliebten Cuttingpferd „Prime Time Shorty“ nehmen und widmete dem Wallach das Lied „Carry The Wind“.

Schließlich nahm er sich eine Auszeit und erfüllte sich damit einen langgehegten Traum. „Ich musste nach dem Tod meines Seelenpferdes dem Alltag entfliehen und buchte Gesangsunterricht in Nashville, wo ich dann fast zwei Wochen lang Coversongs vortrug“, schildert er. Wie es der Zufall wollte, präsentierte er seiner damaligen Gesangslehrerin und heutigen Produzentin Kristin K. Smith dann auch „Push That Horn“ und rannte offene Türen ein. „Sie war der Meinung, dass dieses Lied ins Radio gehört“, blickt Rob Georg zurück.

So kam es dann zur ersten Single-Veröffentlichung im Juni 2018, um sich im Herbst 2018 an Ort und Stelle wieder zu treffen und neue Songs aufzunehmen, im Gegensatz zu ersten Single, die unplugged aufgenommen wurde, sollten es jetzt Full-Band Aufnahmen werden. Zu diesem Zeitpunkt hatte Rob Georg 23 eigene Kompositionen erstellt, von denen 15 im Studio vertont wurden. „Nachdem Kristin K. Smith vielleicht ungelenk wirkende Formulierungen meines ‚Schulenglischs’ dem US-amerikanischen Sprachgebrauch angepasst hatte, ging es los“, informiert er und schwärmt noch heute von diesem Erlebnis: „Die Studioatmosphäre ist zwar ganz anders, als ich sie mir vorgestellt hatte, aber sie ist absolut genial“, resümiert er und spricht von einem freigeistigen, ungezwungenen Miteinander im Sinne der Musik.

Besonders hatten ihn die Studiomusiker beeindruckt: „Sie hören einen Song am Aufnahmetag zum ersten Mal in ihrem Leben und sind bereits am gleichen Tag in der Lage, ihn fehlerfrei und aufnahmereif zu spielen. Für einen Song wird für die Band vom ersten Hören bis zur fertigen Aufnahme eine Stunde im Studio eingeplant“, betont der Wahl-Badener, der vor seiner Tätigkeit als Rancher im kaufmännischen Bereich beschäftigt war.

Als Backgroundsängerin konnte er seine Frau Melanie gewinnen, die auch den Titel „Dust“ verfasst hatte. Nun musste noch ein Titel für das Album gesucht werden und wurde mit einem Blick auf die Biografie Rob Georgs alsbald gefunden: „,Radio Cowboy’ beschreibt den Wandel vom ‚Rodeo Cowboy’ zum ‚Radio Cowboy’“, umschreibt Georg sein Werk, dessen Beiheft („Booklet“) rund 100 Arbeitsstunden beanspruchte und neben den Texten in Nashville aufgenommene Fotos beinhaltet.

Jedenfalls scheint das „Gesamtpaket“ die Zielgruppe zu erfreuen: In den USA ist Rob Georg bereits mit dem vierten „Radio-Release“ namens „Dust“ am Start und belegt den ersten Platz der Country-/AM-FM-Charts von „New Music Weekly“ sowie Platz 18 der nationalen „Radio Hit Charts“ mit steigender Tendenz.

Damit wiederholt er die Erfolge voriger Single-Auskopplungen und ist für den „New Music Award“ sowie den „Fair Play Country Music Award“ der sehr breit aufgestellten niederländischen Country- und Westernszene nominiert. Dem sympathischen Musiker bleibt zu wünschen, dass er diese Erfolge auch in Deutschland wiederholt, um Glashofen als zweite deutsche Country-Hochburg neben Maschen zu etablieren.

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