Walldürn

Mitgliederversammlung Forstbetriebsgemeinschaft Hornbach zog Bilanz / Holz schnell aufgearbeitet

„Mit blauem Auge davongekommen“

Archivartikel

Hornbach.Extreme Wetterlagen sowie Borkenkäfer- und Pilzbefall bereiten den Privatwaldbesitzern große Sorgen. Deutlich wurde dies bei der Mitgliederversammlung der Fortsbetriebsgemeinschaft (FBG) Hornbach am Freitagabend im Gasthaus „Zum Lamm“. In seinem Bericht legte Vorsitzender Theo Dörr den Schwerpunkt auf die Wetterextreme des zurückliegenden Geschäftsjahres und die daraus resultierenden Folgen. Sein Fazit: „Wir sind noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen“.

Verheißungsvoll begonnen habe das Jahr im Neckar-Odenwald-Kreis mit 300 Millimetern Niederschlag pro Quadratmeter im Winter und nochmals 250 Millimetern im Frühjahr. Mitte März hätten die Sturmtiefs Eberhardt und Franz erfreulicherweise nur geringe Schäden verursacht. Das Holz sei von den FBG-Mitgliedern rasch aufgearbeitet und zum Verkauf angeboten worden.

Nach 18 Hitzetagen im Juni und Juli mit Temperaturen zwischen 30 und rekordverdächtigen 40 Grad Celsius hätten sich die FBG-Mitglieder den ganzen Sommer über mit Trocken- und Borkenkäferschäden beschäftigen müssen, so Dörr. Vorbildlich sei das Holz aufgearbeitet und an die Waldstraßen gebracht worden.

Der Holzpreis habe sich aufgrund des Überangebotes ungebremst im freien Fall befunden. Trotzdem sei man immer wieder überrascht gewesen, wie schnell das Holz abgefahren und je nach Valuta abgerechnet wurde. Außerdem habe sich trotz eines größeren Arbeitsaufwands gezeigt, dass das Einschneiden von Kurzholzsortimenten der richtige Weg sei. Dörr dankte für die gute Zusammenarbeit mit der Geschäftsstelle der Forstlichen Vereinigung Odenwald-Bauland und der Forstbetriebsleitung Walldürn. Forstbetriebsleiter Jörg Puchta habe die FBG Hornbach immer wieder mit aktuellen Informationen zur Forstneuorganisation und zum Schadholzgeschehen versorgte.

In seinem Rückblick erinnerte Dörr auch an die Teilnahme an einer Waldbegehung mit Minister Peter Hauk im März in Waldstetten, an einer Veranstaltung des Lionsclubs Madonnenland zum Projekt „Pro Forst“ im Sommer, an einer Demonstration mit dem Motto „Soforthilfe für den Wald“ Anfang September in Stuttgart und an der Mitgliederversammlung der Forstlichen Vereinigung Odenwald-Bauland Anfang November in Walldürn.

Geschäftsführer Thomas Geier berichtete anschließend über 537 Festmeter Holzeinschlag zwischen November 2018 und Oktober 2019. In der FBG Hornbach seien aktuell 22 Mitglieder mit insgesamt 270 Hektar Wald organisiert. Kassenprüfer Alexander Stich bescheinigte Thomas Geier eine gute Kassenführung. Dem gesamten Vorstand erteilte die Versammlung einstimmig die Entlastung.

Zügiger Abtransport

Über die Lage auf dem Holzmarkt informierte von der Forstlichen Vereinigung Odenwald-Bauland Helmut Schnatterbeck. Man habe immer mehr mit Borkenkäferbefall zu kämpfen. Deshalb bat Schnatterbeck die Waldbesitzer, befallenes Holz so schnell wie möglich aus dem Wald zu entfernen und abtransportieren zu lassen. Der Abfluss des Stammholzes zu den Sägewerken gehe mit 60 bis 80 Lkw-Ladungen pro Woche zügig voran.

Der Markt sei aktuell mit Kieferholz übersättigt. Zur Herstellung von Spanplatten könne man die Kiefer in Deutschland kaum noch vermarkten, weil die Produktion hierzulande zu teuer geworden sei. In östlichen Nachbarländern würden Spanplatten deutlich billiger hergestellt. Deshalb empfahl Schnatterbeck den Waldbesitzern, die Kiefer stehenzulassen. Nadelbäume wie Fichte, Douglasie und Lärche seien dagegen noch gut zu vermarkten. Ebenso Stammholz aus Misch- und Laubwäldern.

Über die Situation des Waldes in der Region sprach von der Forstbetriebsleitung Walldürn Forstbetriebsleiter Jörg Puchta. Er wies besonders auf die Schäden des Borkenkäfers und den Pilzbefall aufgrund der extremen Wetterverhältnisse der vergangenen Jahre hin.

Peter Hauk, Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, informierte über die Neuorganisation der Forstverwaltung in Baden- Württemberg, bei der die Privatwaldbesitzer mit 240 000 Hektar Fläche entsprechend berücksichtigt werden müssen, über die zukünftige Beförsterung, die Kostensätze der Betreuung und über die Kartell- und die Vermarktungsproblematik. Ferner ging Hauk auf den Zustand des Waldes ein. Er empfahl den Waldbesitzen, Kahlflächen schnellstmöglich zu bepflanzen.

Ortsvorsteher Wolfgang Stich dankt der FBG sowie den Forstbetrieben für die im Jahresverlauf geleistete Arbeit. hape

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