Walldürn

Umfrage der FN Geschäfte von Restaurants und Hotels laufen nach Lockerungen der Corona-Maßnahmen nur verhalten an

„Leute rennen uns nicht die Türen ein“

Archivartikel

Die Geschäfte von Restaurants und Hotels laufen nach den Lockerungen der Corona-Maßnahmen nur verhalten an. Das zeigt eine Umfrage der FN. Die bisherige Bilanz ist ernüchternd.

Buchen/Walldürn/Hardheim. Restaurants dürfen seit gut drei Wochen wieder öffnen, Hotels seit etwa zwei Wochen auch wieder Touristen beherbergen. Doch die Bilanz der Gastronomen in der Region ist ernüchternd: Gäste bleiben weitgehend aus.

„Die Leute strömen nicht so, wie man sich das vorgestellt hatte“, stellt Karin Jaegle vom Hotel „Prinz Carl“ in Buchen fest. Im Restaurant herrsche eher ruhiger Betrieb, nicht zu vergleichen mit dem, was normalerweise zu dieser Jahreszeit los ist.

Karin Jaegle schätzt das Gästeaufkommen auf 20 Prozent. Allerdings versteht sie die Leute, die lieber zuhause bleiben. „Essengehen hat etwas mit Vergnügen zu tun“, sagt sie. „Vielen sind die Hygienevorschriften zu anstrengend.“ Da bisher nur zwei Personen aus unterschiedlichen Haushalten an einem gemeinsamen Tisch Platz nehmen durften, war Ausgehen im Freundeskreis nicht möglich. Eine achtköpfige Personengruppe musste sich auf vier Tische verteilen. „Das hat nichts mehr mit Geselligkeit zu tun“, stellt die Gastronomin fest.

Kunden fehlen

Auch der Hotelbetrieb läuft nicht besser. Nach den Worten von Jaegle übernachten normalerweise viele ausländische Gäste im „Prinz Carl“, meist Geschäftspartner hiesiger Firmen. Diese Kunden fehlen jetzt. Das Geschäft mit inländischen Geschäftsleuten laufe erst allmählich an. Auch im Hotelbereich ist der Umsatz auf 20 Prozent gegenüber dem Normalbetrieb gefallen. „Aber wir sind trotzdem guter Dinge“, sagt Karin Jaegle.

Costa Pantelidou vom „Hotel Ritter – Restaurant Akropolis“ in Walldürn muss doppelt leiden: Zum einen verhindert die anhaltende Corona-Krise, dass sein Geschäft in Schwung kommt. Zum anderen halte die Baustelle vor seinem Haus Menschen davon ab, zu ihm ins Restaurant zu kommen. „Wir haben 20 Prozent Umsatz gegenüber Normalbetrieb“, stellt er fest.

„Unter der Woche kann man das Geschäft vergessen. Am Wochenende läuft ein wenig.“ Wegen der ausgefallenen Hauptwallfahrtszeit klafft im Hotelbetrieb ein großes Loch. „Wir hoffen auf das nächste Jahr“, sagt Costa Pantelidou. Er wünscht sich Werbung durch das Stadtmarketing für hiesige Geschäftsleute und Gastronomen.

Schleppendes Geschäft

Von einem sehr schleppenden Geschäft berichtet auch Irmgard Genzel vom Hotel „Riesen“ in Walldürn. Im Hotel- und Restaurantbereich fehlen ihr die Wallfahrer und Geschäftsleute gleichermaßen. Normalerweise ist das Haus während der Hauptwallfahrtszeit ausgebucht. „Unsere Auftragsbücher waren voll“, sagt sie. „Jetzt sind die Leute noch sehr zurückhaltend. Ich glaube, da muss man viel Geduld haben.“

Existenzielle Ausmaße nimmt die Krise für das Hotel „Frankenbrunnen“ in Reinhardsachsen an. „Wenn das so weitergeht, sind wir bald pleite“, sagt Anne Berberich. Alle Mitarbeiter befinden sich in Kurzarbeit. Die Betreiber haben „viel Geld investiert für Hygienemaßnahmen.“ Das Geschäft laufe im Hotel und Restaurant allerdings genauso verhalten wie zu Beginn der Corona-Zeit. „Wir beherbergen ein paar Geschäftsreisende unter der Woche. Die Anfrage von Urlaubern hält sich in Grenzen“, stellt Anne Berberich fest.

Obwohl es schlecht für ihr Geschäft ist, hat sie Verständnis dafür, dass die Leute vorsichtig sind. „Corona sollte man ernst nehmen“, sagt sie. „Erst mit einem Impfstoff wird es besser.“ Normalerweise bildet die Unternehmerin im Sommer Rücklagen, um den umsatzschwachen Winter zu überstehen. Doch diese fehlen jetzt. Anne Berberich hofft auf staatliche Hilfe.

„Der Restaurantbereich und der Außenbereich sind gut angelaufen“, stellt Armin Münster von der Wohlfahrtsmühle in Hardheim fest. Allerdings seien die Auflagen sehr aufwendig. Man müsse zum Beispiel alle 30 bis 45 Minuten die Toiletten reinigen, Handläufe und Türklinken regelmäßig desinfizieren und den Besuch der Gäste dokumentieren. Das bedeutet, dass Münster mehr Personal einsetzen und höhere Kosten tragen muss. „Feierlichkeiten und Bankettveranstaltungen sind komplett weggebrochen“, sagt der Wirt.

„Die Stimmung ist für Feierlichkeiten nicht geeignet.“ Deshalb musste Münster Stornierungen von Feiern bis einschließlich Juli hinnehmen. Er rechnet nicht damit, dass Veranstaltungen mit mehr als 20 Personen in diesem Jahr noch nicht stattfinden werden. Eigentlich wollte Armin Münster in diesem Jahr sein 30-jähriges Betriebsbestehen mit mehreren Veranstaltungen feiern. Das musste er auf nächstes Jahr verschieben. Das Geschäft für die Sommerferien ist noch nicht richtig angelaufen. „Über Pfingsten waren wir ausgebucht“, freut sich Münster.

Weit weg vom Normalbetrieb

„Um diese Jahreszeit ist normalerweise viel mehr los“, stellt auch Christian Reinhardt vom Hotel „Reichsadler“ in Buchen fest. „Die Leute rennen einem nicht die Bude ein.“ Den Gang ins Restaurant würden die Leute noch meiden. „Im Außenbereich gab es aber schon einige gute Tage“, sagt der Gastronom. Während der Schließungsphase sei der Außer-Haus-Verkauf von Essen sehr gut gelaufen, vor allem an den Wochenenden. Dieses Angebot wolle man beibehalten.

Christian Reinhardt schätzt, dass er derzeit rund die Hälfte des Umsatzes macht wie normal. Das trifft auch auf den Hotelbereich zu. Zwar hätten die Übernachtungszahlen durch Geschäftsreisende zugenommen. „Das ist wieder ganz gut“, sagt er. Doch Privatreisende fehlten noch. „Wir sind noch weit weg vom Normalbetrieb.“

Das Frühstück für die Hotelgäste wird zurzeit serviert, da ein Büffet aus hygienischen Gründen nicht möglich ist. Dafür muss Reinhardt eine Arbeitskraft mehr einplanen. Die höheren Kosten gibt er nicht an seine Hotelgäste weiter.

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