Walldürn

Frankenlandschule Walldürn Autorin Anne Grießer las ausgewählte Passagen aus ihrem neuesten Roman „Der Fluch des Blutaltars“

Leben, Lieben und Leiden einer Bildhauerdynastie

Archivartikel

Walldürn.Zwei interessante Lesungen haben am Donnerstag das schulische Leben der Frankenlandschule aufgelockert: Abwechslung vom Stundenplan versprach Anne Grießer, die aus ihrem zweiten, im Frühjahr 2019 edierten Roman „Der Fluch des Blutaltars“ las.

Die aus Walldürn stammende Autorin entführte die Jugendlichen in die spannende Zeit des Mittelalters. Im Jahr 1622 bereitet sich Philipp Juncker auf seine bevorstehende Laufbahn als Bildhauer vor und träumt davon, den neuen Altar für die Basilika seiner Heimatstadt Walldürn gestalten zu dürfen. Als er bei einem Unfall sein Augenlicht verliert, muss er schweren Herzens seinem Bruder Zacharias Juncker den Vortritt lassen.

Sonderbare Vorfälle

Doch das ist nicht das zentrale Thema: Eingebettet ist die Erzählung rund um das Leben, Lieben und Leiden der Bildhauerdynastie in die Kriegswirren, in denen die gepeinigten Menschen des Odenwalds Halt in abergläubischen Philosophien suchen. So erklären sich die Bürger auch diverse sonderbare Vorfälle während des Altarbaus in erster Linie mit Gründen, die auf magische Kräfte, Hexerei und Wahnwitz zurückzuführen seien. So gerät auch Philipps große Liebe Katharina in den Verdacht der Hexerei und bewirkt ein Umdenken. Obgleich blind, beginnt er, sich die Welt und die mittelalterliche Gesellschaft in seinen ganz eigenen Farben auszumalen.

Dabei begibt er sich mit seinem Hund auf eine Reise, die ihn unter anderem nach Bad Mergentheim auf die dortige Feier der Hexen- und Werwolfverbrennung und danach in das dortige Gefängnis führt: Nach dem „Genuss“ eines Glases Branntwein der Landstreicherei, der Bettlerei und des Suffs beschuldigt, lernt er hinter schwedischen Gardinen die ehemaligen Soldaten Johannes und Konrad kennen, die ihn als den jungen Miltenberger Bildhauer wieder entdecken und mit ihm auf große Fahrt gehen: Als Wahrsager mischt das Trio die Landbevölkerung auf und orakelt über gern gehörte Wunder wie das urplötzlich bevorstehende Ende des Krieges.

Neben dem Vortrag ausgewählter Textpassagen verdeutlichte Anne Grießer den interessierten Zuhörern den hohen Wert fundierter Recherche, in deren Zuge sie sich historische Unterlagen über Walldürn zu Gemüte geführt und originale Schauplätze des Geschehens besucht hatte. Auch sei die Hexenverfolgung keine reine „Mittelaltergeschichte“ gewesen, während das dafür oftmals propagierte Sinnbild „rothaariger Kräuterfrauen“ ebenso nur bedingt der Wahrheit entsprochen habe. „Ob es in Walldürn direkt jemals eine Hexenverbrennung gab, kann mangels Überlieferungen nicht mehr belegt werden, ist jedoch aufgrund in umliegenden Ortschaften nachgewiesenen Scheiterhaufen durchaus denkbar“, erklärte Anne Grießer.

Vor der Fragerunde, in denen sich die Jugendlichen mit durchaus kritischen und hintergründigen Gedanken an die in Freiburg lebende Autorin wandten, erinnerte Anne Grießer noch an die aus heutiger Sichtweise skurril bis makaber wirkende Bewandtnis der bis etwa zum 17. Jahrhundert praktizierten Tierprozesse. Dabei wurden Tiere, die einer bestimmten Untat bezichtigt wurden, vor den Kadi geführt und je nach Urteil sogar zum Tode verurteilt. Das arbeitete Anne Grießer mit dem Kapitel um Philipp Junckers Hund „Schlitzohr“ auf und verband damit eine fiktive Handlung rund um den Vierbeiner mit aus realen Prozessakten übernommenen Fakten und Worten.

Angesichts der spannenden Rahmenhandlung und des regionalen Bezugs dürfte mancher Jugendliche am Donnerstag Impulse zur näheren Beschäftigung mit Büchern und der Geschichte Walldürns bekommen haben. ad

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