Walldürn

Perga-Plastic GmbH in Altheim Gründung des Unternehmens im März 1970 / Expansionskurs in den 1990er Jahren

Langer Weg, bis die erste Folie vom Band lief

In der Aufbruchstimmung der Nachkriegszeit mussten Willy Hummel und Horst Wiechert nicht lange überlegen. Sie gründeten 1970 die Firma Perga-Plastic GmbH in Altheim.

Altheim. „Werden wir es schaffen?“, fragten sich am 26. März 1970 Willy Hummel und Horst Wiechert (verstorben 1998), als sie in Altheim die Firma Perga-Plastic GmbH gründeten. „Ja, wir schaffen das, weil unsere Idee gut ist“, machten sie sich Mut.

Als ehemalige Papieringenieure waren sie nach Südafrika ausgewandert. Dort lernte Willy Hummel 1965 die Extrusionsblastechnik für High- Density-Polyethylen-Folien (HDPE) kennen und war ob ihrer Eigenschaften begeistert. Der Beschluss der Freunde war gefasst: Sie wollten eine Firma zur Folienherstellung aufbauen. Ihre Ehefrauen Helga und Eva mussten nicht lange überredet werden: Damals herrschte große Aufbruchstimmung. Durch Hinweise eines Mitarbeiters der (Alt-)Kreisverwaltung Buchen stießen sie auf die ehemalige Mühle in Altheim, die das nötige Format für eine Blasfolienanlage aufwies.

Es war ein langer Weg, bis die erste verkaufsfähige Folie vom Band lief. Die Kunden mussten von den Vorteilen überzeugt werden, da Fleisch- und Wurstwaren gewöhnlich nur in Papier oder Wachspapier eingepackt wurden. Nach einiger Zeit holte Eva Wiechert aus dem Saarland den ersten Großauftrag für Beutel und Zuschnitte. Die erste Vertriebsfirma wurde unter dem Namen „KUPA“ (Kunststoff-Papier-Altheim) gegründet.

Diese Aktivitäten waren nicht sehr erfolgreich und man entschied, die Produkte mit der Handelsmarke „Allfolen“ unter Perga-Plastic zu vermarkten. Später wurde die Marke in „Allfolin“ umbenannt und ins Markenregister eingetragen. Der Name „Perga“ wurde gewählt, weil dünne Folien aus HDPE an Pergament erinnern. 1975 erwarben die Unternehmer ein Grundstück im Tiefenweg. Die Nachfrage nach Perga-Produkten stieg rasant. Das erste große Investitionspaket (Bau, technische Ausrüstung, Maschinen zur Herstellung und Weiterverarbeitung) zog sich über mehrere Jahre hin.

Die 1980er-Jahre bedeuteten den Übergang vom Handwerk in die Industrie. Beständiges Wachstum und Erfolg erforderten straffe Organisation. Eine Reihe neuer Mitarbeiter war ebenso nötig wie die Regelung der Verantwortlichkeiten im Betrieb. Außendienstmitarbeiter wurden bundesweit eingesetzt, um insbesondere im Fleischereibereich neue Kunden zu gewinnen.

Brand in Lagerhalle

Der Schreck war groß, als 1981 ein Feuer in einer Lagerhalle ausbrach. Aber Willy Hummel trieb die Entwicklung der sogenannten „ETW-Folien“ weiter voran. Seinerzeit war Perga-Plastic einer der wenigen Hersteller, die im Blasverfahren Materialdicken von bis zu 0,4 Millimetern herstellen konnte. Dies öffnete die Tür zu neuen Anwendungsbereichen für den Bereich Industriefolien aus HDPE als zweites Standbein des Unternehmens.

1987 verstärkten die Unternehmensgründer das Management: Fritz Paul trat in die Firma ein. Im Jahr darauf wurde der Erweiterungsbau der Abteilung Extrusion abgeschlossen. Mit dem Fall der Mauer in Berlin im November 1989 schrieb Deutschland Geschichte – und bei Perga-Plastic befasste man sich mit der Frage, wie man die ehemaligen DDR-Gebiete mit Folien und Verpackungsmaterialien versorgen könne.

1989 fassten die Eigentümer den Entschluss, das Unternehmen zu verkaufen und nahmen das von Geschäftsführer Fritz Paul unter Zuhilfenahme dreier Kapitalanlage-Gesellschaften (3i/KdV/UdW) unterbreitete Übernahmeangebot an: Zum 1. Januar 1990 wurde der Gesellschafterwechsel vollzogen. Nach den Beitrittsverhandlungen gründete die Perga-Plastic GmbH 1990 mit zwei Partnern die „Halle-Pack GmbH“ als Vertriebsfirma für die neuen Bundesländer. 1993 wurden Maschinen und Beschäftigte einer in Walldürn ansässigen Druckerei für Papierprodukte übernommen und in die Perga-Plastic integriert.

Wesentlicher Zugewinn an Druckkapazität und Bindung eines in Neunkirchen (Saarland) sitzenden Mutterunternehmens mit einem Liefervertrag für HDPE-Folien – beides passte exakt in die Langfristplanung. Die 1990er Jahre waren geprägt durch internationale Messeauftritte etwa in Düsseldorf und beim „Salon de l‘emballage“ in Paris 1997.

Ein Meilenstein war die Entwicklung und Vermarktung gefüllter HDPE-Werkstoffe. Unter den Bezeichnungen „Allfolin-Cell“ und „Allfolin-Print“ eroberten weitere Produkte den Markt, die bessere Eigenschaften als Papier mitbrachten und zum weiteren Wachstum beitrugen. Schließlich wurde dem Unternehmen ein Entwicklungsprojekt angetragen: Binnen weniger Wochen wurden die ersten Folienrollen für den niederländischen Blumenzwiebelmarkt bereitgestellt. Eine günstige Gelegenheit bot sich 1995 durch den Kauf des Nachbargeländes (früher „Friwo-Compit“). So konnte die gesamte Konfektion in Altheim untergebracht werden. Zudem wurde eine neue Lagerhalle an das Gelände angebaut.

Firmen übernommen

Das Expansionstempo stieg durch die Beteiligung an einem Hersteller von Low-Density-Polyethylen-Folien in der Schweiz (Pavag AG) 1997. Ferner wurde das Unternehmen Fiwo-Plastik GmbH in Worms im Folgejahr übernommen und später in die Perga-Plastic integriert. Zuletzt stimmten die neuen Kapitalgeber der 1999 realisierten Beteiligung an der „Flexo-Film“ GmbH in Holdorf zu.

Den Schlusspunkt der Investitionsoffensive setzten die neuen Konfektionsanlagen und der Austausch von sechs alten Extrudern gegen drei neue Hochleistungsmaschinen in den 1990er-Jahren. Die neue Maschinengeneration konnte Folien in einer Materialstärke von 0,006 Millimetern herstellen – was einem Zehntel eines menschlichen Haares entspricht. Da alle Unternehmen zentral in Altheim betreut wurden, arbeitete die EDV teilweise Tag und Nacht.

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