Walldürn

Vereinsarbeit in Zeiten von Corona Die Kolpingsfamilie Walldürn ermöglichte Gemeinschaft

Kreative Ideen während der Pandemie

Archivartikel

Vereinsarbeit in Zeiten von Corona – das ist keine einfache Aufgabe. Kreative Ideen der Kolpingsfamilie Walldürn sorgten für Aktivitäten während der Pandemie, um Gemeinschaft zu ermöglichen.

Walldürn.Wie kann man die Gemeinschaft eines Vereins erhalten, während man nicht zusammen kommen darf? Das war die große Frage, der sich auch die Kolpingsfamilie Walldürn seit Beginn der Corona-Pandemie stellte, und deren Erfahrungen hier exemplarisch dargestellt werden. Unter besonderen Bedingungen, mit Abstand und speziellen Hygienemaßnahmen traf sich der Vorstand im Sommer das erste Mal seit mehreren Monaten. Thema war neben einzelner verwaltungsorganisatorischer Punkte vor allem, wie man den Verein in diesen Zeiten wieder beleben kann, wie man Gemeinschaft auf Distanz ermöglichen kann.

Die Kolpingsfamilie ist ein Verein, der sich vor allem durch Gemeinschaft, Diversität, gemeinsame Werte und ein umfassendes, familienfreundliches Angebot auszeichnet. Von Jugendarbeit über gemeinsamen Fußball, Yogaangebote und Brauchtumspflege bis hin zum Stricken bieten die einzelnen Untergruppen ein breites Portfolio an gemeinsamen Aktivitäten. Und natürlich traf man sich bis zum neuerlichen Lockdown gerne auch im Gesamtverein zum regelmäßigen Austausch, etwa beim monatlichen „Offenen Kolpingheim“.

„Die Kolpingsfamilie lebt von der Gemeinschaft über alle Altersgrenzen hinweg. Unser Angebot richtet sich an alle Familienmitglieder von jung bis alt“, so Bernhard Kehl, Vorstandssprecher der Kolpingsfamilie. Doch genau diese altersübergreifende Gemeinschaft war zum Erliegen gekommen. Keine persönlichen Treffen, kein Austausch und zwischenzeitlich auch keine Einnahmen aus der Vermietung des Kolpingheims. Erschwerte Bedingungen also für einen Verein, der von so viel Gemeinschaft lebt.

Kreative Lösungen

Wie kann man nun unter Einhaltung der Hygienevorschriften trotzdem für die Vereinsgemeinschaft sorgen? Besondere Kreativität und Einfallsreichtum sind zwei positive Aspekte, die sich auch bei der Kolpingsfamilie bewährt haben. Kurzerhand entwickelte der Vorstand Ideen, wie man verschiedene Termine im Vereinsjahr doch stattfinden lassen kann.

Eine kreative Lösung hat das Zeltlagerteam der Kolpingjugend gefunden. Zu Beginn der Pandemie wurde schnell klar, dass das zweiwöchige Ferienlager in einer solchen Lage nicht stattfinden kann. Das Risiko einer Ansteckung zum Beispiel beim Schlafen mehrere Personen in einem Zelt, war zu groß und die Verantwortung den freiwilligen Team-Mitgliedern nicht zumutbar.

Das Team wurde kurzerhand in einer digitalen Videokonferenz kreativ und stellte ein viertägiges Programm für die Walldürner Ferientage zusammen. Der Termin für das Zeltlager im nächsten Jahr (2. bis 14. August) steht indes schon fest. Lagerleiter Lukas Schnabel hofft, dass man wieder zum normalen Ablauf zurückkehren kann.

Vor allem in den ersten Wochen der Coronazeit besann sich die Kolpingsfamilie auf ihre Grundprinzipien. Bei einer Aktion in den sozialen Medien meldeten sich viele Mitglieder und schnürten zuhause Überraschungspäckchen, um einsamen und isolierten Menschen in dieser Zeit eine Freude zu bereiten. Die Pakete wurden im Geriatriezentrum St. Josef in Walldürn an die Bewohner verteilt. Diese durften nicht besucht werden und freuten sich deshalb sehr über die Aufmerksamkeiten.

Auch im Bereich Brauchtumspflege wurde die Kolpingsfamilie wieder aktiv. Ende Juli ernteten und droschen die Mitglieder Haferstroh für die Strohbären. Nach getaner Arbeit kamen beim anschließenden Vesper auch die Gespräche nicht zu kurz.

Die Yoga-Gruppe nahm ab den Sommermonaten ihre gemeinsame Stunde im Kolpingheim wieder auf. Bislang waren die Teilnehmer im ersten Stockwerk eingezogen, das sich durch die Abstandsregelung jedoch schnell als zu klein erwies. Mit der maximalen Teilnehmerzahl von 30 Personen wich man kurzerhand auf den Saal im Erdgeschoss aus.

Negative Auswirkungen

Obwohl zu Beginn der Pandemie auch sportliche Aktivitäten wie das Training der Kolping-Fußballer ausfallen mussten, wurde hierfür ein Hygienekonzept entwickelt. Unter speziellen Vorgaben fand das gemeinsame Training seit Mitte des Jahres in der Glashofener Sporthalle statt.

Bei allen kreativen Lösungen musste auch auf vieles verzichtet werden. Ein „Offenes Kolpingheim“ beispielsweise ist noch immer nicht möglich. Kulturelle Veranstaltungen wie das Kolpingforum fallen aus. Nicht zuletzt reißen die ausgefallenen privaten Vermietungen des Kolpingheims ein großes Loch in den Vereinshaushalt, denn diese sind wichtig für einen wirtschaftlichen Betrieb und die Instandhaltung des Gebäudes.

Die aktuelle Situation und die immer wieder neuen Änderungen bei den Verhaltensregeln beeinflussen weiterhin viele geplante Aktionen. Vor allem mit Blick auf die anstehenden Wintermonate werden die Nikolausaktion, die Adventsfeier oder der Kolpinggedenktag nicht oder nur in kleinem Rahmen stattfinden können.

Blick nach vorne

Trotz aller Einschränkungen hat sich gezeigt, dass auch in der derzeitigen Lage ein bisschen Normalität möglich ist, etwa bei der allgemeinen Vereinsorganisation oder die Arbeit des Vorstands. Auch wenn die Corona-Pandemie sich noch einige Zeit hinziehen wird, hofft die Kolpingsfamilie darauf, dass im kommenden Jahr wieder mehr Aktivitäten stattfinden können. Mit Blick auf das Jahr 2021 stehen nämlich einige Jubiläen an: Die Kolpingsfamilie feiert ihr 125-jähriges Bestehen, der Brauch des Strohbärtreibens jährt sich zum 40. Mal und auch die Nikolausaktion gibt es dann seit 30 Jahren.

Für das Vereinsjubiläum ist im Herbst 2021 eine mehrtägige öffentliche Veranstaltung in der Planung. Um Interessierte schon heute mit auf eine Reise in die Vergangenheit zu nehmen, wurde bei der Mitgliederversammlung Anfang Oktober der von Friedbert Günther erstellte Bildband „40 Jahre Strohbären der Kolpingsfamilie – 1981 bis 2021“ vorgestellt.

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