Walldürn

Vortrag in der Nibelungenhalle Professor Dr. Schellnhuber sprach über die Folgen und Auswirkungen zu einem aktuellen Thema

Klimawandel globale Herausforderung

Archivartikel

„Herausforderung Klimawandel“ – unter diesem Motto stand ein Vortrag von Professor Dr. Dr. h.c. Hans Joachim Schellnhuber. Der Klimaschutz müsse zu einem Kernthema der Politik werden.

Walldürn. In Kooperation mit der Volksbank Franken und mit der Schulleitung der Frankenlandschule Walldürn veranstaltete der Verein der Freunde der Frankenlandschule Walldürn das bereits 28. Forum „Wirtschaft, Gesellschaft und Politik“, zu dem rund 500 Besucher in die Nibelungenhalle gekommen waren. Professor Schellnhuber ist Direktor Emeritus des Potsdam Instituts für Klimaforschung.

Bankdirektor Rainer Kehl begrüßte die Gäste und stellte den Referenten vor. Der fordere seit langem schon, dass der Klimaschutz zu einem Kernthema der Politik werden müsse. Mit dieser Forderung habe er inzwischen in den höchsten Ebenen der Weltpolitik Gehör gefunden. Mit dem brandaktuellen Thema „Herausforderung Klimawandel“ und dem Referenten an diesem Donnerstagabend liege man im Trend der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Diskussion.

Zielgerichtet vorgehen

Professor Schellnhuber sagte, wichtig sei es bei aller Problematik, keine Panik aufkommen zu lassen, und Lösungsmöglichkeiten in Gemeinsamkeit möglichst sachlich und zielgerichtet anzugehen.

Durch Aktionen wie die Protestaktion „Fridays for Future“ sei das Thema „Klimawandel“ aufgrund seiner Aktualität und Brisanz in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit und des Medieninteresses gerückt, und viele Städte hätten zwischenzeitlich bereits den Klimanotstand dort ausgerufen.

Immer mehr werde deutlich, dass in puncto Klimawandel von allen politisch Verantwortlichen in allen Ländern dieses Erde viele Dinge getan werden müssten, um der momentanen Negativ-Entwicklung in Punkto Klimaerwärmung global erfolgreich entgegenzuwirken.

Die Mitteltemperatur sei vor allem im Zeitraum von 1970 bis heute deutlich angestiegen. Gerade die in den beiden letzten Jahren in den Sommermonaten registrierten erzielten neuen Hitzerekorde in Deutschland würden deutlich machen, dass hier eine bedenkliche Entwicklung vonstatten gehe und dabei die Gefahr bestehe, dass man bei einem solchen Extremwetter in unseren Breitengraden oft schon von einem Extremwetter als neue Normalität ausgehe.

Wenn sich in Punkto Klimawandel nichts Entscheidendes ändere, bestünde die große Gefahr einer Erderwärmung bis Ende des 21. Jahr-hunderts um sechs bis sieben Grad Celsius, was zu gravierenden negativen und sehr kritischen Klimafolgen wie zum Beispiel einem Ansteigen des Meeresspiegels führen würde.

Kritisches Stadium

Während die Erdtemperatur in den zurückliegenden 22 000 Jahren nur um drei Grad Celsius angestiegen sei und so ein extrem stabiles Klima gewährleistet habe, sei diese Entwicklung angesichts der in den letzten Jahren rasch ansteigenden Temperaturen in einem sehr kritischen Stadium angelangt, dem nun mit aller Vehemenz entgegengewirkt werden müsse, wolle man erfolgreich einem Zivilisationsende oder eklatanten Veränderungen in den Landschaftsbildern entgegenwirken.

Klimaveränderungen mit extremen Klimafolgen könnten etwa die Thermoregulationskapazität beim Menschen deutlich überschreiten. Deshalb sei es eine dringende Notwendigkeit, sich global gemeinsam zu überlegen, wie man einen weiteren extremen Klimawandel verhindern kann. Eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes in der Bundesrepublik sei ebenso wirksam wie die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien.

Kernenergie und Kohleenergie müssten im Zuge der Energiewende stark zurückgeführt und auf Dauer ganz Außen vor gehalten werden. Weiterhin müsse, um das Pariser Abkommen einzuhalten und so die Klimazukunft nicht zu verbauen, dafür gesorgt werden, dass der vorhandene globale Baumbestand als bester Klimaschützer und klimaneutraler CO2-Verbraucher erhalten bleibe.

Oberstudiendirektor Torsten Mestmacher, Schulleiter der Frankenlandschule Walldürn, überreichte dem Referenten zusammen mit Bankdirektor Rainer Kehl, Bankdirektorin Karin Fleischer und dem Vorsitzenden des Fördervereins der Freunde der Frankenlandschule, Gerd Straub, ein Präsent.

1972 sei in St. Gallen in der Schweiz eine Studie zur Lage der Weltwirtschaft vorgestellt und unter dem Namen „Die Grenzen des Wachstums“ bekanntgeworden, so Mestmacher weiter. Diese Studie sei schon damals zu dem Ergebnis gekommen, dass ein „weiter so“ drastische Konsequenzen mit sich bringen würde. 2007 habe der Referent als Mitglied des wissenschaftlichen Beirates Globale Erderwärmung eine Studie zum Thema „Klimawandel als Sicherheitsrisiko“ veröffentlicht, in der mögliche Konfliktsituationen beleuchtet wurden, wie etwa „Rückgang der Wasser-Ressourcen“, „Rückgang der Nahrungsmittelproduktion“, „Zunahme der Sturm- und Flutschäden“ oder „umweltbedingte Migrationsbewegungen“. Und 2008 schließlich habe in Baden-Baden ein wissenschaftlicher Kongress zum Thema „Wald und Klima“ stattgefunden, in dessen Verlauf der heutige Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, MdL Peter Hauk gesagt habe: „Der Klimawandel ist Realität, erste Auswirkungen zeigen sich bereits heute im Ökosystem Wald“.

Zeit nicht genutzt

Heute, 2019, habe man bei dem Vortrag gehört, dass die Zeit nicht genutzt worden sei und man viel zu wenig getan habe. Jetzt endlich habe die Bundesregierung reagiert und ein Klimapaket bis 2030 auf den Weg gebracht, doch würden die vereinbarten Maßnahmen bei den an diesem Abend aufgezeigten Gefahren ausreichen? Vor allem fünf Dinge müssten dabei im Blick gehalten werden:

1. Die Auswirkungen des Klimawandels würden sich zunehmend schneller bemerkbar machen und so unser Leben und das Leben in der Gesellschaft beeinflussen.

2. Es reiche nicht, wenn sich nur Deutschland auf den Weg mache – andere Länder müssten folgen.

3. Viele Veränderungen, die mit dem Klimawandel einhergehen könnten nicht mehr rückgängig gemacht werden.

4. Maßnahmen gegen den Klimawandel auf der einen Seite und die Wirtschaft und der Wirtschaftskreislauf auf der anderen Seite dürften nicht als Gegensätze betrachtet werden, denn nur mit einer gut funktionierenden Wirtschaft seien die geplanten Maßnahmen Deutschland umsetzbar und bezahlbar.

5. Bei dem anstehenden Veränderungsprozess werde es die Aufgabe der Schulen sein, den Schülern das notwendige Wissen zu vermitteln, damit diese ihre Zukunft gestalten könnten.

„Von Verführung lossagen“

Der Referent habe in seinem Buch „Selbstverbrennung“ aus dem Jahr 2015 die im Raum stehende Frage „Werden wir es schaffen, noch rechtzeitig genug das Steuer herumzureißen?“ so beantwortet: „Immer noch kann sich der Mensch von der fossilen Verführung lossagen und vor dem selbst errichteten Scheiterhaufen kehrtmachen. Wenn Wissen und Wollen umgehend zusammenfinden und wenn wir deutlich mehr Glück als Verstand haben.“ ds

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