Walldürn

Leserbrief Zum Artikel „CDU-Fraktion tagte in Walldürn“ (16. Juli)

Kein Bedarfsnachweis

Dass die Walldürner CDU-Fraktion hinter dem Flächennutzungsplan 2030 steht, erstaunt die „Bürgerinitiative Walldürn – Für Mensch und Natur“ nicht, denn diese befürwortet ebenso eine vorbereitende Bauleitplanung. Dass aber die „Schaffung neuer, interessanter Baugebiete“ im Artikel zur letzten Fraktionssitzung als Grundlage für die Zukunft und als eine Schuldigkeit für nachfolgende Generationen dargestellt wird, verwundert hingegen schon.

Denn dieses Argument ist austauschbar und könnte in Bezug auf die geplante Wohnbaufläche „Vorderer Wasen II“ lauten: „Die Erhaltung der Natur- und Naherholungsfläche ist Grundlage für die Zukunft und dies sind wir einer nachfolgenden Generation schuldig“. In Zeiten, in denen in Baden-Württemberg immer noch täglich Flächen in einer Größenordnung von 4,5 Hektar (Quelle: Statistisches Landesamt) für Siedlung und Verkehr verbraucht werden, ist die Frage der Generationengerechtigkeit eigentlich leicht zu beantworten.

Aus Sicht der Bürgerinitiative hätte auch das Zielabweichungsverfahren für den „Vorderen Wasen II“, mit dem Eingeständnis, den Bedarf an Wohnraum auf absehbare Zeit nicht zu kennen – Zitat: „Heute kann niemand sagen, welchen Bedarf es in der Zukunft geben wird“ – nicht eingeleitet werden dürfen.

Der „Vordere Wasen II“ liegt in einem Gebiet, welches im einheitlichen Regionalplan als Grünzug definiert ist. Ziel der regionalen Grünzüge ist es, die Landschaften der Metropolregion Rhein-Neckar zu vernetzen und erlebbar zu machen. Eine Änderung in das Ziel Wohnbaufläche ohne konkreten Bedarfsnachweis, und nur auf Vermutungen beruhend, halten wir an dieser Stelle für fahrlässig.

Aufgeführt wird im Artikel weiter, dass eine innerstädtische Verdichtung weiterhin Ziel sei. Dabei wird gebetsmühlenartig diese Innenverdichtung als langfristiges Konzept dargestellt. Man darf an dieser Stelle fragen, was denn in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten in Bezug auf innerstädtische Verdichtung im Bereich Wohnungsbau angesichts 282 innerstädtischer Baulücken, 24 weiterer größerer Flächen und eines seit 1991 rechtsgültigen Baugebietes „Steinäcker/Auerberg“ geschehen ist (Quelle: Begründung zum Flächennutzungsplan 2030, Gemeindeverwaltungsverband Hardheim-Walldürn).

Wenn dann auch noch das Schreckgespenst aufgefahren wird, dass der Kauf und die Sanierung von Altimmobilien mit hohen Kosten, Auflagen und Kompromissen für die Bauherren verbunden ist, dann sei an dieser Stelle angemerkt, dass bei Neubaugebieten die Kosten für den Erwerb von Grundstücken, die anschließende Erschließung und Umlage auf die Käufer nicht thematisiert, sondern als selbstverständlich erachtet werden. Diese Selbstverständlichkeit würde auch einer Innenstadtentwicklung gut zu Gesicht stehen.

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