Walldürn

Blutsfeiertag in Walldürn In diesem Jahr ist alles anders / Blutwunder liegt insgesamt 690 Jahre zurück

„Jesu Blut befähigt zu lebendigem Zeugnis“

Archivartikel

Der Blutsfeiertag ist der größte und höchste kirchliche Feiertag für die katholische Kirchengemeinde St. Georg Walldürn.

Walldürn. Für die Stadt und ihre katholische Bevölkerung ist der Blutsfeiertag ein besonderer Ehrentag. Dieser Feiertag am größten eucharistischen Wallfahrtsort Deutschlands findet immer eine Woche nach Fronleichnam statt und somit normalerweise in der zweiten Wallfahrtswoche der alljährlich stattfindenden vierwöchigen Hauptwallfahrtszeit.

Wallfahrt abgesagt

Bei der Wallfahrt strömen an diesem Gedenktag zu Ehren des kostbaren Blutes Tausende von Pilger zu diesem Gnadenort in den Odenwald, um dort am Pontifikalamt sowie an der sich diesem anschließenden großen Blutprozession durch die festlich geschmückten Straßen der Walldürner Innenstadt und am Abend an der großen Lichterprozession teilzunehmen.

In diesem Jahr jedoch ist erstmals alles anders. Infolge der seit Anfang des Jahres grassierenden Corona-Pandemie wurde die traditionsreiche Wallfahrt abgesagt. Was Krieg und Notzeiten in der Vergangenheit nicht geschafft haben, das hat in diesem Jahr ein Virus fertiggebracht. Die Wallfahrt 2020, die unter dem Leitwort „Lasst Euer Licht leuchten“ (Matthäus 5,16) stehen sollte, findet nicht statt. Das galt auch für den Blutsfeiertag in seiner ursprünglichen Form.

Um diesen besonderen Gedenktag zu Ehren des Walldürner Blutwunders aus dem Jahr 1330, welches in diesem Jahr 690 Jahre zurückliegt, dennoch zu zelebrieren, fand am Donnerstagvormittag in der Wallfahrtsbasilika eine Heilige Messe statt. Diese wurde aufgrund der immer noch bestehenden und begrenzten Anzahl von Gläubigen mit geladenen Gästen in Form einer Eucharistiefeier mit Stadtpfarrer und Wallfahrtsleiter Pater Josef Bregula als Hauptzelebrant durchgeführt. Der Fernsehsender K-TV übertrug diesen Gottesdienst, und auch im Livestream über Youtube wurde die Heilige Messe ausgestrahlt.

Durch Unachtsamkeit geschenkt

Nach dem Einzug des Zelebranten zusammen mit Diakon Friedhelm Bundschuh und drei Ministranten in die Kirche am Blutaltar vorbei zum Hauptaltarraum begrüßte dort Bregula neben den anwesenden Gottesdienstbesuchern insbesondere auch Bürgermeister Markus Günther. Wie er in seiner Begrüßungsansprache betonte, sei man an diesem Donnerstag zusammengekommen, um in der Basilika in Walldürn das Hochfest des Heiligen Blutes zu feiern. Zum 690. Mal jähre sich dieses Hochfest, dass der Pfarrgemeinde im Jahr 1330 durch die Unachtsamkeit des Priesters Heinrich Otto die Heilig-Blut-Reliquie geschenkt worden sei.

Alles im kleinen Rahmen

Trotz aller Geschehnisse in der Vergangenheit werde dieser Tag bis heute als örtlicher Feiertag und Höhepunkt der „Walldürner Wallfahrt zum kostbaren Heiligen Blut“ beibehalten. Doch nun habe man in diesem Jahr – bedingt durch die Corona-Pandemie – erstmals die Wallfahrtszeit absagen müssen. Allerdings wolle man vonseiten der katholischen Pfarrgemeinde St. Georg diesen Tag feierlich begehen, wenn auch dieses Mal nur in einem kleineren Rahmen und ohne Prozession.

In dieser Heiligen Messe bete man insbesondere für alle verstorbenen Pilger und Wallfahrtshelfer sowie für alle Anliegen, die die Pilger dieses Jahr nicht nach Walldürn bringen könnten.

Nach den von Lektor Wolfgang Eisenhauer vorgetragenen Lesungen aus dem Buch Exodus und aus dem Ersten Brief des Apostels Petrus sowie nach der Verkündigung des Heiligen Evangelium nach Johannes durch Diakon Friedhelm Bundschuh stellte der Stadtpfarrer die Bedeutung des Hochfestes des Heiligen Blutes für alle Katholiken in den Mittelpunkt seiner Predigt. Wie schnell werde einem heute beim Arzt Blut abgenommen, unzählige Werte festgestellt und anhand der Blutwerte klare Diagnosen gestellt. Das Blut sei schon in der Antike als der Lebenssaft bekannt gewesen, und nach jüdisch-biblischer Vorstellung sei das Blut der „Sitz der Seele“.

Bei vielen komme heute sicherlich schnell die Frage auf, ob denn diese Reliquie in Walldürn wohl wirklich echt sei. Sei es wirklich Jesu Blut, das man hier sehe? Noch der spätmittelalterliche Mensch und Gläubige habe hier sicherlich anders gedacht, doch auch für ihn dürfte es wohl das Entscheidende gewesen sein, wie es mit seiner persönlichen Beziehung zu Jesus ausgesehen habe. Und damit stehe man wieder vor den von ihm eingangs gestellten Fragen: „Wessen Blut fließt in Deinen Adern? Ist es Dein Blut? Medizinisch gesehen wohl. Aber geistlich gesprochen? Von dem, was Dich eigentlich antreibt, her gesehen?“

Wäre es für mich als Christ nicht das Ziel, dass in meinen Adern Christi Blut fließt, so Bregula. Mein eigenes Blut habe manchmal so schlechte Werte – mein Egoismus, mein Habenwollen und meine schlechten Gewohnheiten würden es dick, meine Unbeweglichkeit, meine mangelnde Liebe und meine kurze Sicht würden es zäh machen, meine Einbildung und mein Stolz würden seine Farbe verändern. Anders dagegen das Blut Christi: Es sei das Blut der Hingabe, der Liebe, die bis zum Äußersten gehe. Es sei das Blut, das uns Menschen von Sünden reinige, das uns das wahre Leben schenke, und das uns Energie gebe, das was Jesus gesagt und getan habe, auch zu tun. Es sei das Blut, von dem Jesus selbst gesagt habe: „Wer davon trinkt, der hat das ewige Leben.“

Jedes Mal, wenn man Christus in der Eucharistie in sich aufnehme, biete Jesus einem an, das eigene Blut in sein Blut zu wandeln. Es sei gewissermaßen eine Bluttransfusion, die er anbiete, die allerdings nur dann wirken könne, wenn man sie auch annehme. Das Ziel eines jeden Christen sei kein geringeres als so zu sein wie Jesus Christus.

Eine Familie

Daraufhin seien wir unterwegs und müssten uns dabei redlich mühen, auch wenn wir dabei immer wieder Rückschläge erleben und unser Versagen spüren würden. Noch ein Zweites bewirke das Blut Christi in einem. „Du und ich und jeder andere, der Jesu Blut empfängt, alle werden zu Blutsbrüdern“, so der Wallfahrtsleiter. „Und das nicht nur unter uns, sondern auch noch mit ihm – mit Jesus Christus selbst.“ Wir Christen bräuchten einander, ob es uns passe oder nicht, ob wir uns mögen oder nicht – durch Christi Blut seien wir alle Christen und damit eine Familie. Mehr noch, wir gehörten zur Familie Gottes. Und noch ein Drittes erinnere ihn als Priester und Seelsorger an das Heilig-Blut-Fest, an die Märtyrer, die für den Glauben ihr Blut gegeben hätten. Sie alle seien Zeugen dafür, dass es nicht eine Nebensächlichkeit sei, Christ zu sein. Gerade Blutzeugen würden immer wieder vor Augen führen, dass der Glaube an Jesus Christus nicht nur eine Tradition sei. Es gehe ums Leben. Der Glaube an Jesus Christus sei im wahrsten Sinne des Wortes „lebensgefährlich“. Doch zu diesem lebendigen Zeugnis seien alle Christen berufen und würden dazu durch Jesu Blut befähigt.

Das lebendige Zeugnis erlebe man auch, wenn Christen in unmenschlichen Situationen die Menschlichkeit nicht vergessen würden. Das lebendige Zeugnis erlebe man, wenn Christen sich für das Wohl des Anderen einsetzten. Das lebendige Zeugnis sei zu spüren, wenn Christen sich der ungerechten Gewalt, dem Mobbing und der Ungerechtigkeit entgegenstellen würden. Das lebendige Zeugnis sei präsent, wenn Eltern ihren Kindern wirklich den christlichen Glauben vorlebten. Das lebendige Zeugnis sei greifbar, wenn in einer Gesellschaft, in der scheinbar nur immer die Leistung zähle, sich Christen ehrenamtlich engagieren und sich für Kranke, Alte und Flüchtlinge einsetzten.

Am Ende des Gottesdienstes angelangt, bedankte sich der Zelebrant noch einmal bei allen Beteiligten, die zum Gelingen dieses Gottesdienstes beitrugen. ds

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