Walldürn

Vortrag beim Kreisseniorentag BSB-Ehrenpräsident referierte über Bewegung im Alter

Janalik: „Sport muss Freude bereiten“

Walldürn.Mit viel Aufmerksamkeit haben am Dienstagnachmittag rund 300 Besucher beim Kreisseniorentag in der Nibelungenhalle den Vortrag des Ehrenpräsidenten des Badischen Sportbundes, Heinz Janalik, zum Thema „Körperlich und geistig fit im Alter“ verfolgt.

„Wir können etwas selbst tun, um lange fit und alltagstauglich zu bleiben“, stellte der Referent eingangs fest. Ein Charakteristikum des Menschseins sei die Selbstwirksamkeit: die Fähigkeit, etwas willentlich zu beeinflussen. Der Sport mit seinen zahlreichen Möglichkeiten könne dabei eine wertvolle Hilfe leisten.

Über den Spitzensport hinaus gebe es heutzutage eine Vielfalt sportlicher Angebote. Was jedoch die Quote der aktiven Verwirklichung betreffe, scheine im Hinblick auf ältere Menschen noch einiges an Nachholbedarf zu bestehen. „Die Angebotsfrage gewinnt besonders dort an Relevanz, wo es darum geht, ältere Mitglieder in den Sportvereinen oder in anderen Organisationen in Bewegung zu bringen“, sagte Janalik. Gerade die Ansprache von Personen, die auf den Ruhestand zusteuern würden, sei den Vereinen mit dem Blick auf die Frage „Wie gestalte ich meinen neuen Lebensabschnitt?“ besonders zu empfehlen.

Gut dokumentiertes Projekt

Das vorhandene Zahlenmaterial zeige, dass der Anteil der Pflegefälle bis 80 Jahre unter zehn Prozent liege, dann aber exponentiell ansteige. Dies zeige, dass Hochaltrigkeit eines gesonderten Blickes bedürfe mit zugeschnittenen Zugangswegen, Angebotsformen und Qualifikationen der Übungsleiter. Hier habe der Deutsche Turnerbund im Rahmen des „Bewegungsnetzwerkes 50 plus“ ein sehr erfolgreiches Projekt „Aktiv bis 100“ umgesetzt, das auch gut dokumentiert sei.

Frage man Menschen nach ihren Wünschen für das Alter, so erhalte man am häufigsten zur Antwort: „Gesundheit“, „kein Pflegefall werden“, „zu Hause leben“. Die letztgenannten beiden Punkte würden zeigen, dass den Menschen ihre Eigenständigkeit und Selbstständigkeit ein sehr hohes Gut sei.

Auch wenn Sport und Bewegung nicht alle Pflegefälle verhindern oder gar soziale Probleme lösen könnten, so zeige ein Blick auf die Wirkungen, dass nicht nur Krankheiten und körperlich-seelische Beeinträchtigungen abgemildert, verzögert oder vermieden werden können, sondern diese Effekte auch einen großen Einfluss darauf haben, dass Menschen möglichst lange vital, mobil und selbstständig bleiben.

Als positive Auswirkungen von Bewegung nannte Janalik eine Reduktion von Depressionen und eine verbesserte Schlafqualität sowie den Erhalt der kognitiven Funktionen bei älteren Menschen. Wenn man dann noch ins Kalkül ziehe, dass Sport eine Steigerung der Fitness und des Wohlbefindens bewirke, bei älteren Menschen zu einer besseren Alltagsbewältigung führe und das Risiko mindere, frühzeitig an lebensstilbezogenen Erkrankungen zu sterben, dann könne man guten Gewissens davon sprechen, dass Sport ein wahres Wundermittel sei.

„Mit Blick auf Gesundheit und Selbstständigkeit brauchen ältere Menschen also dringend Sport und Bewegung“, so Janalik. Er persönlich vertrete dabei die Auffassung, dass Seniorensport nicht nur mit Blick auf gesundheitliche Wirkungen betrieben werden solle. „Der Sport entfalte seine größten Wirkungen, wo er zweckfrei betrieben wird. Sport muss Freude bereiten, auch dort, wo es ein bisschen wehtut.“

Unterstützung signalisieren

Mit Bezug auf ältere Menschen gelte es, ein besonderes Augenmerk auf diejenigen zu richten, die durch Krankheit, gesundheitliche Probleme oder andere Umstände pausieren müssen. Die Gefahr sei nicht gerade klein, das solche erzwungenen Pausen oft zum kompletten Aussteig führen. Aktiv nachfragen und Unterstützung signalisieren, helfe immens, die Wiederaufnahme von Aktivität nach Pausen, die im Alter durchaus nicht ungewöhnlich seien, zu fördern. ds

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