Walldürn

1225 Jahre Walldürn Artikelserie der FN zu markanten Ereignissen und Entwicklungen in der Stadtgeschichte aus der Feder von Walter Gramlich (Teil 5)

Jähes Ende durch den Bauernkrieg

Die Stadt feiert Jubiläum: 1225 Jahre alt wird Walldürn 2019. Eine ereignisreiche Zeit. Aus diesem Anlass beleuchten die FN einige markante Punkte und Entwicklungen der Stadtgeschichte.

Walldürn. Die Beiträge stammen von Walter Gramlich. Der frühere Lehrer an der Frankenlandschule ist ein profunder Kenner der Stadtgeschichte. Für die Serie in den FN hat der Studiendirektor i.R. Unterlagen und Berichte studiert und ausgewertet. Im fünften Teil geht es um die Rolle Walldürns im Bauernkrieg 1525 bis 1527.

Die positive Entwicklung, die Walldürn im „Neun-Städte-Bund“ genommen hat, findet in den Wirrnissen des Bauernkrieges ein jähes Ende. Seine Vorboten, zum Beispiel die Bewegung des Hans Böhm, des sogenannten Pfeifers von Niklashausen 1476, mit ihren Anklagen gegen die weltliche und geistliche Obrigkeit und den Forderungen nach Besserung der sozialen wie wirtschaftlichen Lage der Bauern und des gemeinen Mannes, werden von den Herrschenden nicht ernst genommen. Und mit der 1520 von Luther verkündeten „Freiheit eines Christenmenschen“ erhält das Selbstbewusstsein der Bauern, aber auch der arbeitenden Bevölkerung in den Städten neue Impulse. Dass allerdings der religiöse Inhalt der Lehre in die politische und soziale Sphäre umgedeutet und zu Forderungen umgemünzt wird, lag nicht in der Absicht Luthers.

Wachsende Bedrohung

Für den Verlauf des Bauernkrieges im Mainzer Oberstift und damit auch in Walldürn wird das Verhalten der „Neun Städte“ ausschlaggebend. Deren Bedrohung wächst jedoch, als die Bauern der Taubertaler und des Neckartal-Odenwälder Haufens in Schäftersheim und im Kloster Schöntal lagern. Da wirksame Hilfe von Oben ausbleibt, wird die Haltung des östlichsten Eckpfeilers des „Neun-Städte-Bundes“, Tauberbischofsheim, entscheidend. Als sich die Stadt jedoch im April der „Sache der Bauern“ anschließt, ändert sich die Lage. In einem Brief an die Mainzer Kanzlei heißt es: „... haben burgermeister und rath zu Bischoffsheim sich etwas hochlich vergessen, dan sie nit allein umbgeschlagen, sonder auch den von Aschaffenburgk und sunst allen stetten als Miltenberg, Selgenstat, Amorbach, Dhurn ... geschrieben...“, dass die „Neun Städte“ einen besonderen Haufen bilden sollen. Doch die Städte halten sich noch zurück in der Hoffnung, durch Verhandlung einen Einmarsch des Neckartal-Odenwälder Haufens in das Erzstift abwenden zu können.

Doch entgegen ursprünglichen Zusagen nehmen die Bauern weiter ihren Weg ins Oberstift und stehen schon am 24. April in und bei Buchen. Hier nimmt Götz von Berlichingen auf Druck der Bauern die Hauptmannschaft an. Trotz des strengen Regiments gelingt es aber weder ihm noch Georg Metzler kurz darauf, die Bauern in Walldürn, das auf dem Marsch nach Amorbach berührt wird, von der Plünderung der Kirche und der Amtskellerei und der Verbrennung der Amts- sowie Pfarrakten abzuhalten. Auch die Bevölkerung bleibt nicht untätig und vergreift sich am Eigentum des erzbischöflichen Landesherrn. Der damalige Amtmann von Buchen und Walldürn, Ritter Lienhard von Dhurn, muss aus seinem Amtssitz fliehen. In Amorbach wird gleich nach dem Einmarsch das Benediktinerkloster geplündert, Hierbei beteiligen sich, wie berichtet wird, in besonderer Weise auch vier Ratsherren von Walldürn.

Zu Verhandlungen gezwungen

Die Drohung der Bauern, das ganze Oberstift mit Aufruhr zu überziehen, zwingt Mainz zu Verhandlungen, in die sich auch die „Neun Städte“ selbstständig einschalten, um möglichst viele Vorteile für sich herauszuschlagen. In der Folge schließen sich neben Krautheim und Tauberbischofsheim auch Buchen, Walldürn, Amorbach und Miltenberg der „Sache der Bauern“ an. Dem anschließenden Vertrag der gesamten „Neun Städte“ mit dem „hellen Haufen“ der Neckartal-Odenwälder am 5. Mai folgt am 7. Mai in Miltenberg die Unterzeichnung des Vertrages durch das Erzstift Mainz.

Aufgrund dieses Vertrages verlässt das Bauernheer das Mainzer Oberstift und zieht nach Würzburg, um gegen die Feste Marienberg vorzugehen. Unter den etwa 6000 Mann befinden sich auch „... ein anzale bawern...“ aus Walldürn. Die Bauern scheinen auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Nach der militärischen Unterwerfung des Erzstiftes unternehmen sie nämlich den Versuch, das ganze Land durch eine Reform auf der Grundlage der „Zwölf Artikel“ zu befrieden.

Doch inzwischen haben sich die Fürsten von ihrem Schock erholt und ziehen erfolgreich Truppen gegen die Bauern zusammen. Auch Luther revidiert seine Meinung und fordert die Fürsten sogar zum gewaltsamen und erbarmungslosen Vorgehen gegen die Aufständischen auf. Am 14. Mai 1525 fordern die mit dem Heer des Schwäbischen Bundes vereinigten Truppen aus der Pfalz und Trier die mainzischen Städte, unter anderem auch Walldürn, auf, vom Bündnis mit den Bauern abzustehen und sich den Fürsten auf Gnade und Ungnade zu ergeben. Als Gegenmaßnahme versuchen die Bauern eine Verteidigungsstellung bei Krautheim aufzubauen, ziehen aber nach Neckarsulm weiter. Der Plan Götz von Berlichingens und Metzlers mit dem Bundesfeldherrn, Truchseß Georg von Waldburg, zu verhandeln, scheitert. So zieht sich das Bauernheer wieder nach Krautheim zurück. Auf dem Wege dorthin setzt sich Götz von Berlichingen ab. Wer von den Bauern diesem Beispiel nicht folgt und sich aus kluger Einsicht in die immer aussichtslosere Lage in die Heimat rettet, gerät in die vernichtende Niederlage, die der Schwäbische Bund den Bauern am 2. Juni 1525 bei Königshofen bereitet.

Am 15. Juni trifft sich der mainzische Statthalter Wilhelm von Straßburg mit den Kurfürsten von Trier und der Pfalz sowie dem Herzog Ottheinrich in Miltenberg. Dort „verglichen sich di fursten mit einander des prantschatz halber durch den Meinzischen erzstift“. Die Rechnung für das Walldürn betreffende Schatzungsgeld ist nicht erhalten, nur die eingeforderte Nachzahlung „von 11 fl“. Da es sich dabei um eine Restzahlung handelt, dürfte Walldürn etwa mit 150 bis 180 fl. belegt worden sein. Dazu müssen, wie zuvor die Städte Tauberbischofsheim, Külsheim und Miltenberg, auch Walldürn, Amorbach und Buchen die Unterwerfungsurkunde unterzeichnen.

Bürgermeister, Rat und Gemeinde anerkennen darin die von ihnen begangenen Vergehen und verpflichten sich zu bedingungslosem Gehorsam gegen den Erzbischof und seinen Statthalter. Sie versprechen, sich gegen den Landesherrn niemals mehr zu empören und allen herkömmlichen Leistungen wie bisher nachzukommen. Die Stadt verliert alle erworbenen Privilegien, Gnaden und Freiheiten und hat alle Schlüssel zu den Stadttoren der Obrigkeit auszuliefern.

Ende der Selbstverwaltung

Die Hoffnung, von dem Ende April ins Erzstift zurückgekehrten Fürstbischof Albrecht von Brandenburg eine Milderung der getroffenen Maßnahmen oder gar eine Wiederverleihung der entzogenen Privilegien zu erreichen, wird bitter enttäuscht. Er will zwar „... die frome, gehorsame burger widderumb zu gnaden, auch schutz und schirm ...“ annehmen, aber er lässt ankündigen, „... eine newe ordenung und pollizey zu gemeiner stat und burgerschafft auffnemen und gedeyhen furzunemen und zu setzen.“ Diese Entwicklung findet ihre Vollendung für Walldürn in der neuen Stadtordnung von 1527, die mit ihren Bestimmungen das Ende jeder Selbstverwaltung der Stadt bedeuten.

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